Silber, Preis

Silber Preis: 46,3 Millionen Unzen Defizit

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 19:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz sechstem Defizitjahr in Folge bleibt der Silberpreis 52 Prozent unter dem Rekordhoch. Das Gold-Silber-Verhältnis deutet auf Aufholpotenzial hin.

Silber: Angebotslücke trifft auf 52 Prozent Abstand zum Rekord
Glänzende Silberbarren auf dunklem Untergrund als Symbol für das Silbermarktdefizit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Silber lebt gerade in zwei Welten. Physisch fehlt das Metall am Markt, und zwar bereits das sechste Jahr in Folge. Am Chart klafft trotzdem eine tiefe Lücke zum Rekordhoch. Diese Spannung dürfte die kommende Handelswoche prägen.

Am Freitag schloss der Silberpreis bei 58,49 US-Dollar je Feinunze. Zum Rekordhoch von 121,78 US-Dollar aus dem Januar fehlen dem Metall noch immer rund 52 Prozent. Der Absturz zeigt: Trotz guter fundamentaler Story bleibt Silber ein schwankungsanfälliger Markt.

Die Terminbörsen bleiben am heutigen Sonntag geschlossen. Der Freitagsschlusskurs dient deshalb als Referenz für die neue Handelswoche.

Angebotsdefizit spitzt sich zu

Das strukturelle Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bleibt der wichtigste Preistreiber. Für 2026 erwartet das Silver Institute das sechste Defizitjahr in Folge. Die Lücke zwischen globalem Angebot und Nachfrage liegt aktuell bei rund 46,3 Millionen Feinunzen.

Der Grund liegt in der Minenstruktur. Rund 70 Prozent der weltweiten Silberförderung fallen nur als Nebenprodukt an. Minenbetreiber gewinnen das Metall meist beim Abbau von Kupfer, Zink oder Blei. Die Primärproduktion reagiert deshalb kaum auf steigende Preise.

Die industrielle Nachfrage bleibt derweil robust. Photovoltaik, Halbleiterfertigung und Elektromobilität treiben den Verbrauch. In einem Elektroauto stecken je nach Modell zwischen 25 und 50 Gramm Silber. Auch der Ausbau von KI-Rechenzentren zieht Silber nach. Der industrielle Anteil an der Gesamtnachfrage liegt inzwischen bei über 50 Prozent.

Gold-Silber-Verhältnis zeigt Aufholpotenzial

Ein Blick auf das Gold-Silber-Verhältnis stützt die These der Unterbewertung. Bei einem Goldpreis von rund 4.055 US-Dollar und einem Silberpreis von 58,49 US-Dollar liegt die Ratio bei etwa 69. Der historische Durchschnitt liegt bei rund 60.

Marktbeobachter werten das aktuelle Niveau als Zeichen für eine relative Unterbewertung von Silber gegenüber Gold. Nähert sich die Ratio wieder dem historischen Mittelwert, ergäbe sich rechnerisch Aufholpotenzial für Silber. Voraussetzung dafür: Der Goldpreis bleibt stabil oder steigt weiter.

Makrodaten diese Woche im Blick

Für die Handelswoche ab dem 27. Juli steht eine Reihe wichtiger Konjunkturdaten an. Sie dürften die Schwankungen beim Silberpreis verstärken.

  • Montag: deutscher Ifo-Geschäftsklimaindex
  • Donnerstag, 30. Juli: vorläufige US-BIP-Daten für das zweite Quartal
  • Freitag, 31. Juli: PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank

Starke US-Wachstumszahlen könnten den Dollar stützen. Das würde in Dollar gepreiste Edelmetalle unter Druck setzen. Der PCE-Index gilt zusätzlich als wichtiger Hinweis für die künftige Zinspolitik der Fed.

Silber reagiert als zinsloser Rohstoff empfindlich auf Realrenditen. Die Interpretation dieser Daten dürfte die Richtung für den restlichen Sommer vorgeben.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Der technische Befund passt zum fundamentalen Bild eines schwankenden Marktes. Der Silberpreis notiert derzeit rund 9 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 64,57 US-Dollar. Der Relative-Stärke-Index steht bei 44,3 Punkten, weder überkauft noch überverkauft.

Diese neutrale Ausgangslage lässt beide Richtungen offen. Fällt der PCE-Index am 31. Juli höher aus als erwartet, dürfte der Dollar zulegen und Silber kurzfristig unter Druck geraten. Bestätigt sich dagegen das strukturelle Defizit, bleibt die Bewertungslücke zu Gold das stärkere Argument für das Metall.

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