SpaceX Aktie: China trübt die Euphorie
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 22:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Kaum im NASDAQ 100 angekommen, gerät die SpaceX-Aktie schon wieder unter Druck. Der Kurs fiel am Montag um mehr als vier Prozent und rutschte damit den zweiten Handelstag in Folge ab — die Marke nähert sich gefährlich dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren, schließlich hatte der Titel erst vor wenigen Tagen mit dem Indexaufstieg für Aufsehen gesorgt.
Der Sprung in den Nasdaq-100 hatte zunächst frisches Kapital gebracht. Passive Fonds, die den Index abbilden, mussten ihre Portfolios anpassen und kauften SpaceX-Aktien zu. Möglich wurde die schnelle Aufnahme durch eine geänderte Börsenregel, die neu gelistete Unternehmen bereits innerhalb eines Monats nach dem Börsengang berücksichtigt. Der Effekt hält der aktuellen Verkaufswelle allerdings nicht stand — die Aktie markierte zuletzt ihr tiefstes Niveau seit dem Debüt im Juni und bewertet den Konzern noch mit rund 1,9 Billionen Dollar.
China als neuer Unruhefaktor
Ein technischer Erfolg aus Peking schürt Sorgen um SpaceX' zentralen Wettbewerbsvorteil. Der staatliche Raumfahrtkonzern CASC holte die erste Stufe seiner Rakete Langer Marsch 10B nach dem Start kontrolliert zurück — per Netzfang auf einem Bergungsschiff statt über ausklappbare Landebeine wie bei der Falcon 9. Damit gelang China als dritter Organisation nach SpaceX und Blue Origin die Bergung einer orbitalen Raketenstufe. Der volle Wiederverwendungsnachweis steht noch aus, CASC will den Booster aber noch in diesem Jahr erneut starten.
Die Reaktion an der Börse blieb nicht aus: Am Freitag verlor die Aktie 4,51 Prozent auf 145,30 Dollar. Morgan Stanley stuft Chinas Fortschritt bei wiederverwendbaren Raketen inzwischen als größte langfristige Bedrohung für SpaceX ein und verweist auf ein wachsendes Ökosystem aus Staatsprogrammen und privaten Anbietern wie LandSpace oder Galactic Energy. Zur Einordnung: China kam 2025 auf 90 Orbitalstarts, die Falcon 9 im Vergleich auf 165 — China ist damit bereits der zweitgrößte Startmarkt der Welt. Die US Space Force hatte China zuvor noch drei bis fünf Jahre von der Wiederverwendbarkeit entfernt gesehen, ein Zeitplan, den der aktuelle Erfolg nach Einschätzung von Morgan Stanley verkürzen könnte. Die Einstufung bleibt trotzdem bei Overweight mit einem Kursziel von 300 Dollar.
Bernstein Research sieht die Entwicklung ähnlich, aber differenzierter: Der Jungfernflug der Langer Marsch 10B komme rund sechs Monate früher als erwartet. Die eigentliche Konkurrenz sei nicht ein einzelnes Unternehmen, sondern der geschlossene Vorstoß Chinas, sowohl beim Mondprogramm als auch bei großen Satellitenkonstellationen im niedrigen Erdorbit. Das Analysehaus belässt die Einstufung dennoch bei Outperform, mit einem Kursziel von 239 Dollar.
Wall Street bleibt trotzdem mehrheitlich bullish
Die Konkurrenzsorgen haben das große Bild an der Wall Street bislang kaum verändert. Von 35 Analysten, die Bloomberg listet, raten 29 zum Kauf, nur einer zum Verkauf, der Rest zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt rund 70 Prozent über dem aktuellen Kurs — die Ziele von Bernstein und Morgan Stanley zwischen 239 und 300 Dollar markieren dabei eher das konservativere Ende der Erwartungen.
Der nächste konkrete Test für die Bullen-These steht bereits fest: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat ihre Untersuchung zum zwölften Starship-Testflug abgeschlossen und damit den Weg für den 13. Testflug am 16. Juli freigemacht. Ob operative Fortschritte bei Starship und Starlink die wachsende Konkurrenz aus China aufwiegen können, dürfte sich an diesem Termin zeigen.
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