SSAB und Heidelberg Materials starten Kreislauf-Allianz für grünen Zement
20.04.2026 - 13:51:26 | boerse-global.de
** Die heute bekanntgegebene Kooperation zwischen dem schwedischen Stahlkonzern SSAB und dem Baustoffriesen Heidelberg Materials zielt auf die drohende Knappheit traditioneller Zementzuschlagsstoffe ab. Grund ist die klimaneutrale Umstellung der Stahlproduktion.
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Der Wechsel von kohlebasierten Hochöfen zur elektrischen Stahlerzeugung lässt die bisherige Quelle für sekundäre zementäre Stoffe (SCM) versiegen: granulierte Hochofenschlacke. Das neue Forschungsprojekt will nun Elektrolichtbogenofenschlacke (EAF-Schlacke) zu einem praktikablen Alternativ-Bindemittel aufwerten. Mit an Bord sind mehrere Universitäten und das schwedische Forschungsinstitut Swerim.
Forschung bestätigt Eignung neuer Schlacken
Die Initiative folgt vielversprechenden Ergebnissen aus anderen Branchenprojekten. Anfang März 2026 veröffentlichte das FEhS – Institut für Baustoff-Forschung Erkenntnisse aus dem "SAVE CO2"-Projekt. Die vierjährige Studie mit thyssenkrupp Steel, Heidelberg Materials und Fraunhofer UMSICHT bestätigte: Auch Schlacken aus der dekarbonisierten Stahlproduktion eignen sich für die Zementherstellung.
"Die Ergebnisse ebnen den Weg für eine neue Generation von Bindemitteln", sagt David Algermissen, Leiter Sekundärrohstoffe beim FEhS-Institut. Nun arbeiten Experten daran, normative und rechtliche Rahmenbedingungen anzupassen. Die Dringlichkeit ist hoch: Während traditionelle Schlacke in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts über 220 Millionen Tonnen CO?-Emissionen verhinderte, wird ihr Aufkommen mit dem Abschalten alter Hochöfen europaweit stark sinken.
Technologiefirmen revolutionieren Schlacken-Aufbereitung
Neben etablierten Konzernen drängen Technologieunternehmen auf den Markt. Im Januar 2026 stellte Ferrum Technologies ein patentiertes Verfahren vor, um schwer nutzbare Nebenströme der Elektrostahlproduktion zu behandeln. "EAF-Schlacke wurde historisch als minderwertigeres Nebenprodukt angesehen", erklärt Gründer Andreas Weber. Sein Prozess verwandelt sie nicht nur in einen grünen Zementersatz, sondern gewinnt auch etwa 30 Prozent des im Rest enthaltenen Eisens zurück – ein doppelter Kreislaufnutzen.
Ähnlich verkündete der schwedische Innovator Cemvision Mitte 2025 eine Aufbereitungstechnologie für EAF- und Sauerstoffblasstahlschlacke. Tests mit Swerim zeigten: Das resultierende SCM kann die Reaktivität und Glasgehalt traditioneller Schlacke erreichen oder übertreffen. Bis zu 99 Prozent des Eisenoxids werden zurückgewonnen und an Stahlhersteller rückgeführt.
EU fördert großtechnische Integration mit Millionen
Die Aufwertung von EAF-Schlacke erhält massive institutionelle Unterstützung. Das Projekt ECO-SLAG-CEM unter Leitung von Ecocem, ArcelorMittal und dem FEhS-Institut erhielt vier Millionen Euro Forschungsförderung vom Europäischen Innovationsrat. Das im Oktober 2025 gestartete Vorhaben läuft bis Ende 2029 und optimiert die Umweltverträglichkeit und Dauerhaftigkeit von EAF-Schlacke-Zementen.
"Die Mission, das Bauwesen zu dekarbonisieren, hängt von skalierbaren Lösungen für die neue Generation industrieller Nebenprodukte ab", betont Simon Blotevogel, leitender Forscher bei Ecocem. Der Konsortium untersucht thermische und mikrobiologische Methoden, um die Reaktivität der Schlacke zu erhöhen. Erste Tests laufen in Paris.
Material-Sicherheit als Schlüssel für die Akzeptanz
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Der Umstieg auf EAF-Schlacke bringt neue Herausforderungen für Materialmanagement und Sicherheit. Aufsichtsbehörden weisen auf strengere Qualitätskontrollen hin, da EAF-Schlacken oft höhere Gehalte an Metallen wie Chrom oder Vanadium aufweisen. Ohne fachgerechte Aufbereitung drohen Nutzungseinschränkungen, etwa im Straßenbau, und teure Deponierung.
Die neuesten Forschungsprojekte zielen genau darauf ab, diese Risiken durch verbesserte Auslaugtests zu mindern. Durch die Extraktion von Schwermetallen während der Aufbereitung stellen Firmen wie Cemvision und Ferrum Technologies sicher, dass ihre Bindemittel moderne Umweltstandards erfüllen. Dieser Doppelfokus aus Dekarbonisierung und Schadstoffmanagement ist entscheidend für die langfristige Akzeptanz "grüner" Zemente.
Ausblick: Kreislaufwirtschaft rückt in greifbare Nähe
Die Stahl- und Zementindustrie bewegen sich auf ein vollintegriertes Kreislaufmodell zu. Die erfolgreichen Pilotprojekte und strategischen Partnerschaften deuten darauf hin, dass die technischen Hürden überwunden werden. Branchenbeobachter erwarten, dass der Einsatz aufbereiteter Stahlschlacke als primäres SCM noch in diesem Jahrzehnt in Europa zur gängigen Praxis wird.
Die nächste kritische Phase umfasst die Industrialisierung der patentierten Aufbereitungstechnologien und die Anpassung der Bauvorschriften. Das Potenzial ist immens: In der EU fallen jährlich über 55 Millionen Tonnen Stahlschlacke an – etwa die Hälfte davon wird derzeit nicht optimal genutzt. Die Allianz zwischen SSAB, Heidelberg Materials und anderen markiert den Beginn einer Ära, in der Industrieabfall systematisch zum hochwertigen Rohstoff für die nachhaltigen Städte der Zukunft wird.
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