ROUNDUP, USA

USA bekommen Zollvorteile unter Vorbehalt

20.05.2026 - 14:14:03 | dpa.de

STRASSBURG - Der Weg fĂŒr die vollstĂ€ndige Umsetzung des umstrittenen Zolldeals mit den USA ist nach langem EU-internen Ringen frei.

(neu: Details, Reaktionen)

STRASSBURG (dpa-AFX) - Der Weg fĂŒr die vollstĂ€ndige Umsetzung des umstrittenen Zolldeals mit den USA ist nach langem EU-internen Ringen frei. Unter dem Eindruck der jĂŒngsten Drohungen von US-PrĂ€sident Donald Trump einigten sich die Mitgliedstaaten der EU und das EuropĂ€ische Parlament darauf, Zölle auf US-IndustriegĂŒter abzuschaffen und US-MeeresfrĂŒchten sowie Agrarprodukten einen besseren Marktzugang zu gewĂ€hren. Ein Sicherheitsnetz soll aber dafĂŒr sorgen, dass die Vorteile nur dann gelten, wenn auch die USA ihre Verpflichtungen aus dem Abkommen vollstĂ€ndig umsetzen.

Konkret ist unter anderem vorgesehen, dass die EU-ZollzugestĂ€ndnisse bei VerstĂ¶ĂŸen der USA gegen Absprachen wieder ausgesetzt werden können. Dies könnten etwa erneute Zollerhöhungen sein. Zudem soll ein festes Ablaufdatum festgelegt werden. "Zum Stichtag 31.12.2029 werden die Auswirkungen auf Europas Wirtschaft ĂŒberprĂŒft", erklĂ€rte der Vorsitzende des Handelsausschusses im EuropĂ€ischen Parlament, Bernd Lange (SPD). "Sollte sich zeigen, dass europĂ€ische Unternehmen geschĂ€digt werden oder neue Ungleichgewichte entstehen, wird somit automatisch die Notbremse gezogen."

Nach Angaben von Lange wird zudem eine kontinuierliche Überwachung etabliert. Die EU-Kommission muss demnach kĂŒnftig alle drei Monate ĂŒber die Handelsentwicklung berichten und sechs Monate vor Ablauf der Zollvorteile eine umfassende Bewertung vorlegen. Auf dieser Grundlage werden die EU-Institutionen dann ĂŒber eine mögliche VerlĂ€ngerung der fĂŒr die USA vorteilhaften Regelungen entscheiden. Zudem sollen die USA bis Jahresende Zölle auf Waschmaschinen und andere Produkte mit Stahlanteil auf höchstens 15 Prozent reduzieren. Wenn dies nicht geschieht, will die EU ebenfalls solche Zölle prĂŒfen.

Zolldeal wurde im vergangenen Sommer vereinbart

Mit dem im vergangenen Jahr vereinbarten Zolldeal war es der EU gelungen, einen drohenden Handelskrieg mit den USA abzuwenden. Gleichzeitig musste die Staatengemeinschaft aber US-Zölle in Höhe von bis zu 15 Prozent auf die meisten Warenexporte in die Vereinigten Staaten akzeptieren und weitere ZugestĂ€ndnisse wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-IndustriegĂŒter machen.

Deutsche IndustrieverbĂ€nde lobten die nun zustande gekommene Einigung zwischen dem EU-Parlament und den Mitgliedstaaten auf die vollstĂ€ndige Umsetzung des Zolldeals. Indem die EU das Abkommen schnell umsetze, stĂ€rke sie ihre Verhandlungsposition gegenĂŒber Washington und könne mit mehr Nachdruck darauf bestehen, dass auch die USA Vereinbarungen einhalten, sagte etwa Wolfgang Niedermark, Mitglied der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Trump hatte der EU zuletzt vorgeworfen, sich nicht an Abmachungen zu halten und mitgeteilt, er wolle Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA eingefĂŒhrt werden, auf 25 Prozent erhöhen. Vor knapp zwei Wochen setzte er dann eine Frist fĂŒr die Umsetzung der Handelsvereinbarung. Sollte die EU nicht bis zum US-Nationalfeiertag am 4. Juli ihren Teil des Abkommens erfĂŒllen, wĂŒrden die Zölle "leider sofort auf ein viel höheres Niveau steigen", teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.

Grönland-Konflikt verzögerte Arbeiten an Deal

Die EU hatte vor allem die Autozoll-Drohungen scharf kritisiert, bemĂŒht sich mit der Einigung jetzt aber dennoch um Deeskalation. Die Verzögerungen bei der Umsetzung der EU-Zusagen werden mit von Trump provozierten Streitigkeiten und Konflikten erklĂ€rt. So lagen die Arbeiten in BrĂŒssel zwischenzeitlich wochenlang auf Eis, weil Trump im Grönland-Konflikt neue Zölle gegen EU-Staaten angekĂŒndigt hatte.

Mit Spannung wird nun erwartet, ob Trump die EU-Einigung als Basis fĂŒr eine weitere Umsetzung des Abkommens ansieht. Der Handelspolitiker Lange zeigte sich optimistisch, rĂ€umte aber ein, dass die von der EU geforderte Senkung von Zöllen auf EU-Produkte mit Stahlanteil wegen des erheblichen Lobbydrucks von US-Unternehmen ein brisantes Thema werden könnte.

USA sind zentraler Handelspartner - Kritik von Linken

FĂŒr die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks steht bei dem Deal viel auf dem Spiel. Die EU und die Vereinigten Staaten unterhalten umfassende bilaterale Handels- und Investitionsbeziehungen. EU-Zahlen zufolge geht es um fast 30 Prozent des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen und um 43 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. 2024 belief sich der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und den USA auf ein Volumen von rund 1,7 Billionen Euro.

Kritik an der EU-Einigung kommt unter anderem vom Fraktionschef der Linken im Europaparlament, Martin Schirdewan. Er kritisierte in der Nacht zum Mittwoch, dass das Parlament in den Verhandlungen mit den Regierungsvertretern vereinbarte Positionen letztlich aufgegeben habe. "Das EuropĂ€ische Parlament lĂ€sst sich in einen schlechten Handelsdeal mit den USA zwingen", sagte der Deutsche. Es fehle der politische Wille, sich gegen die Erpressung von Trump zu stellen und das neue Instrument gegen Zwangsmaßnahmen konsequent anzuwenden. Zudem kritisierte Schirdewan, dass der Deal der EU-Kommission weiter Handlungsbefugnisse einrĂ€ume, obwohl sie den "schlechten Deal" ausgehandelt habe.

Auch Lange sagte, er halte den Deal an sich noch immer fĂŒr nicht gut. Zugleich verwies er allerdings darauf, dass EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen unter Druck gestanden habe. So habe Trump in den GesprĂ€chen in Schottland die Wirtschaftspolitik mit der Sicherheitspolitik verbunden. Ihm sei berichtet worden, Trump habe gesagt, er wolle "soundsoviel Prozent" haben. Und dann hinzugefĂŒgt: "By the way, könnt ihr eigentlich die Ukraine alleine verteidigen?"

Die Einigung der Vertreter der Mitgliedstaaten und des Parlaments muss jetzt noch vom Ministerrat und dem Plenum des Parlaments bestÀtigt werden. Bis spÀtestens zum 4. Juli sollen die Regelungen dann in Kraft treten.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69382111 |