The Trade Desk Aktie: 50 Prozent AbwÀrtspotenzial laut Rothschild
30.05.2026 - 06:25:04 | boerse-global.deMehr als 70 Prozent Kursverlust in zwölf Monaten â und jetzt kommt eine der aggressivsten Verkaufsempfehlungen des Jahres obendrauf. The Trade Desk steht unter Druck von mehreren Seiten gleichzeitig: strukturelle Bedrohungen fĂŒr das KerngeschĂ€ft, ein prominenter Abgang im Management und ein Kursziel, das nochmals die HĂ€lfte des aktuellen Wertes wegstreicht.
Rothschild Redburn setzt Kursziel auf 11 Dollar
Analystin Bianca Dallal von Rothschild & Co Redburn initiierte die Abdeckung der Aktie mit einem seltenen âSell"-Rating und einem Kursziel von 11 Dollar â was vom aktuellen Kursniveau aus einem weiteren RĂŒckgang von rund 50 Prozent entsprĂ€che. Dallal argumentiert, die KonsensschĂ€tzungen mĂŒssten sich in einem schwieriger gewordenen Branchenumfeld âdeutlich nach unten anpassen". Das Kernproblem: The Trade Desk ist als unabhĂ€ngige Demand-Side-Plattform nur ein einzelnes Glied in der Werbetechnologie-Lieferkette â und genau dieses Glied gerĂ€t von mehreren Seiten unter Druck.
Drei Fronten bedrohen die 20-Prozent-Marge
Das HerzstĂŒck des GeschĂ€ftsmodells ist die sogenannte Take Rate, also der Anteil der Werbeausgaben, den das Unternehmen als GebĂŒhr einbehĂ€lt. Sie liegt historisch bei rund 20 Prozent â und ist nach EinschĂ€tzung der Analysten ernsthaft gefĂ€hrdet.
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Amazon untergrĂ€bt den Markt mit aggressiv vergĂŒnstigten oder teils kostenlosen programmatischen Werbeangeboten. Parallel dazu rollen die groĂen Tech-Konzerne KI-gestĂŒtzte, gĂŒnstigere Mediaeinkaufstools aus, die Werbekunden direkt ansprechen. Ferner bauen Werbeagenturen zunehmend eigene direkte Verbindungen zu Supply-Side-Plattformen auf und umgehen damit Drittanbieter wie The Trade Desk komplett. Diese strukturellen Verschiebungen könnten zu Marktanteilsverlusten und einer Kompression der Take Rate fĂŒhren â Entwicklungen, die in den aktuellen Wall-Street-SchĂ€tzungen möglicherweise noch nicht vollstĂ€ndig eingepreist sind.
Managementwechsel und Aktienverkauf
Zur Analystenwarnung gesellt sich ein Managementwechsel: Samantha Jacobson, eine leitende Mitarbeiterin, hat das Unternehmen verlassen. Im Rahmen ihres Abgangspakets erhĂ€lt sie aktienbasierte VergĂŒtungen, die bei der nĂ€chsten Hauptversammlung vesten. Jacobson meldete zeitgleich den beabsichtigten Verkauf von 54.000 Aktien der Klasse A im Wert von rund 1,1 Millionen Dollar. Zwar hat CEO Jeff Green zuletzt in gröĂerem Umfang Aktien am offenen Markt zugekauft, doch solche AbgĂ€nge und angekĂŒndigten VerkĂ€ufe belasten die kurzfristige Stimmung.
Die Aktie notiert aktuell bei 18,49 Euro und damit rund 76 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 77,60 Euro. Der RSI liegt bei 36, der Kurs handelt fast 45 Prozent unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts â technisch bleibt das Bild klar bĂ€risch. Wertorientierte Investoren mögen auf historische Bewertungsmultiplikatoren verweisen, die eine Unterbewertung suggerieren. Solange jedoch strukturelle Fragen zur Take Rate offen bleiben und der Gegenwind durch Amazon und KI-Tools anhĂ€lt, fehlt dem Kurs ein ĂŒberzeugender Katalysator fĂŒr eine Trendwende.
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