Trotz Online-Aufrufen: ZunÀchst kein neuer Ansturm auf Ceuta
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 19:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTrotz Aufrufen in sozialen Netzwerken zu einer Wiederholung des massenhaften GrenzĂŒbertritts von Ende Juli fĂŒr diesen Samstag blieb die Lage an der Grenze und in der Exklave den Tag ĂŒber weitgehend ruhig. Spanien und vor allem Marokko hatten ihre Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld deutlich verstĂ€rkt.
Am Morgen herrschte an der Grenze absolute Stille, berichtete ein dpa-Reporter in Ceuta. "Im Stadtzentrum ist sogar so etwas wie heile Welt, man bekommt von alledem nichts mit. Man sieht nur gelegentlich Polizei und MilitĂ€r, die patrouillieren", erzĂ€hlte er. Nur in den AuĂenbezirken sehe man Gruppen junger Migranten. Von einer weitgehend entspannten Lage berichteten auch der staatliche TV-Sender RTVE und andere spanische Medien aus der Exklave.
Spanischer Minister: Massenansturm wird sich nicht wiederholen
Mit der VerstĂ€rkung der Sicherheitsvorkehrungen wollten die Behörden beider LĂ€nder verhindern, dass sich die Ereignisse von Ende Juli wiederholen, als nach verschiedenen SchĂ€tzungen bis zu 80.000 Migranten nach Ceuta gelangten. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska betonte dieser Tage erneut, die damalige Massenankunft sei ein "auĂergewöhnliches" Ereignis gewesen, das sich nicht wiederholen werde.
Vor wenigen Tagen hatte das Innenministerium in Marokko mitgeteilt, man habe eine Gruppe von Menschen festgenommen, die im Verdacht stehen, zu neuen Versuchen der illegalen Einreise in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla angestiftet zu haben. In sozialen Medien kursierten Aufrufe zu gemeinsamen MassenĂŒberquerungen am 15. August.
Stacheldraht, Wasserwerfer und Patrouillenboote
Marokkanische SicherheitskrĂ€fte waren Augenzeugen zufolge rund um Ceuta und Melilla massiv prĂ€sent und verhinderten mögliche GrenzĂŒbertritte bereits im Vorfeld. Hunderte Migranten, darunter viele aus LĂ€ndern sĂŒdlich der Sahara, wurden nahe der rund 20 Kilometer von Ceuta entfernten Grenzstadt Fnideq gestoppt und an einem Ăberquerungsversuch gehindert. Unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete das marokkanische Portal "Le360", dass in Fnideq und Umgebung 294 Menschen ohne gĂŒltige Papiere festgenommen worden seien.
Marokko hatte seine Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Tagen deutlich verstĂ€rkt. In Fnideq wurden laut RTVE zusĂ€tzliche Sperren aus Stacheldraht und Nato-Draht errichtet. Patrouillenboote ĂŒberwachen die KĂŒste, Wasserwerfer stehen an der Grenze bereit. Zudem wurden auf den ZufahrtsstraĂen zahlreiche Kontrollstellen eingerichtet.
Auch Spanien hatte die Sicherheitsvorkehrungen angesichts der BefĂŒrchtungen erhöht. In Ceuta sind inzwischen 880 Beamte der Nationalpolizei im Einsatz - 270 mehr als noch Ende Juli. UnterstĂŒtzt werden sie von rund 2.000 Soldaten und etwa 700 Beamten der Guardia Civil.
RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t braucht Zeit
Der Ansturm vor rund zwei Wochen war beispiellos. Vor allem am 30. Juli waren Zehntausende Migranten meist schwimmend nach Ceuta gelangt. Bei dem Versuch kamen Dutzende ums Leben: Nach der jĂŒngsten offiziellen Mitteilung Madrids wurden im Meer 83 Leichen geborgen, Nichtregierungsorganisationen schĂ€tzen die Zahl der Todesopfer auf weit ĂŒber hundert.
Die meisten Ankömmlinge kehrten nach Angaben der spanischen Regierung innerhalb weniger Stunden oder Tage nach Marokko zurĂŒck. Nach Angaben von Minister Grande-Marlaska halten sich derzeit noch rund 5.000 Migranten in Ceuta auf. Es werde noch etwas Zeit dauern, bis man zur totalen NormalitĂ€t zurĂŒckkehrt, rĂ€umte er ein.
