TSMC Aktie: Rekordzahlen, roter Markt
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 12:55 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bessere Zahlen als erwartet, eine angehobene Prognose – und trotzdem rauscht der Kurs in den Keller. Bei TSMC klafft gerade auseinander, was Fundamentaldaten sagen und was der Markt fühlt. Der Grund liegt weniger im Unternehmen selbst als in einem Ausverkauf, der die gesamte Chipbranche erfasst hat.
Die Zahlen sprechen für sich
Der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips legte für das zweite Quartal einen Umsatz von 1,27 Billionen Taiwan-Dollar vor, ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn kletterte um 77 Prozent auf knapp 707 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 19 Milliarden Euro. Beide Werte lagen über den Erwartungen der Analysten.
Firmenchef C.C. Wei ließ auf der Analystenkonferenz keinen Zweifel daran, wie angespannt die Lage auf der Angebotsseite ist: Die Nachfrage übersteige das Angebot bei weitem. Entsprechend hob TSMC die Investitionsspanne für dieses Jahr um acht Milliarden auf 60 bis 64 Milliarden Dollar an und erhöhte die Umsatzprognose für 2026 von zuvor mehr als 30 Prozent auf jetzt über 40 Prozent Wachstum.
Dazu kommt ein weiterer Ausbauschritt in den USA: Die Investitionszusagen für Arizona wachsen um 100 Milliarden auf insgesamt 265 Milliarden Dollar. Am Ende sollen dort zehn Fertigungs- und zwei Verpackungsanlagen stehen – eingebettet in das Abkommen zwischen Taiwan und den USA, das im Januar niedrigere Zölle gegen Investitionszusagen in der Halbleiterindustrie tauschte.
Warum der Kurs trotzdem fällt
Die Reaktion an der Börse folgte dennoch dem Muster "Sell the News". Das ADR gab nach den Zahlen in den ersten Handelsminuten in New York rund zwei Prozent auf etwa 410 Dollar nach – Händler verwiesen auf die höhere Investitionslast, die auf die Marge drückt.
Am Freitag weitete sich der Druck zu einem breiten Ausverkauf im gesamten Halbleitersektor aus. Taiwans Leitindex verlor über sechs Prozent und damit so viel wie zuletzt nach den US-Zöllen im Rahmen des "Liberation Day". Der Nikkei brach um mehr als fünf Prozent ein, der breite Index asiatischer Aktien außerhalb Japans gab um 2,7 Prozent nach. Auslöser war weniger TSMC selbst als die generelle Neubewertung der KI-Rally – befeuert durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und die Aussicht auf länger hohe US-Zinsen. Südkorea schränkte parallel den Handel mit Tech-ETFs ein, um die Volatilität zu bremsen.
Analysten bleiben optimistisch
An der grundsätzlichen Einschätzung der Wall Street ändert der Ausverkauf bislang wenig. Susquehanna-Experte Mehdi Hosseini hob sein Kursziel für die ADRs auf 600 Dollar an und rechnet für die Jahre 2026 bis 2028 mit Gesamtinvestitionen von über 230 Milliarden Dollar. Von 29 bei Bloomberg erfassten Analysten empfehlen 28 die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel kletterte zuletzt um knapp 110 Dollar auf 590 Dollar.
Damit bleibt die Ausgangslage zweigeteilt: Auf der einen Seite ein Unternehmen, das seine eigenen Prognosen übertrifft und die Investitionen hochfährt, weil die Nachfrage nicht abreißt. Auf der anderen Seite ein Markt, der nach Monaten der KI-Euphorie erstmals wieder das Risiko einpreist, das mit gehebelten Positionen und hohen Bewertungen einhergeht. Wie sich dieser Widerspruch auflöst, dürfte sich in den kommenden Handelstagen an der Reaktion der US-Börsen zeigen, sobald der Wochenausklang in Europa und Amerika verarbeitet ist.
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