AKTIEN IM FOKUS: Luxusbranche sehr schwach nach weiteren EnttÀuschungen
15.04.2026 - 13:51:18 | dpa.deDer Iran-Krieg hinterlasse bereits Spuren, hieà es. Zudem gab es verfehlte Erwartungen mit Blick auf die GeschÀfte in China und Frankreich sowie auch unternehmensspezifische EnttÀuschungen.
Besonders deutlich ging es im französischen Leitindex Cac 40 FR0003500008 fĂŒr Kering FR0000121485 abwĂ€rts mit minus 10 Prozent auf 252,10 Euro, womit ein Teil der jĂŒngsten Erholung seit dem Siebenmonatstief im MĂ€rz nun wieder Geschichte ist. Im Leitindex der Eurozone sackten die Papiere von Hermes FR0000052292 zeitweise mit minus 13 Prozent auf den tiefsten Stand seit Januar 2023 und gaben zuletzt um 9,2 Prozent auf 1.619 Euro nach.
LVMH FR0000121014 sanken unterdessen mit minus 0,7 Prozent auf 478,20 Euro nur leicht. Richemont CH0210483332 verloren als Schlusslicht im SMI CH0009980894 1,9 Prozent auf 153,45 Franken, und am deutschen Aktienmarkt gaben Hugo Boss DE000A1PHFF7 im MDax DE0008467416 um 1,5 Prozent auf 36,52 Euro nach. Letztgenannte Aktie wurde vor allem vom schwÀcher als erwarteten Umsatz der Kering-Marke Gucci belastet, wie die Experten der Bank Oddo BHF erklÀrten.
Nachdem LVMH am Montagabend Umsatzzahlen veröffentlicht hatte, folgten Kering am Dienstag und Hermes am Mittwochmorgen. Richemont wird mit GeschÀftsjahreszahlen erst gegen Ende Mai erwartet. Anfang Mai stehen die Zahlen zum ersten Quartal des Modeunternehmens Boss auf der Agenda.
WĂ€hrend die Zahlen von LVMH, Kering oder auch Hermes allesamt durch Belastungen des Nahost-Konflikts ĂŒberschattet wurden, hielten sich die Papiere von LVMH dennoch spĂŒrbar besser als die der Konkurrenz. Jefferies-Analyst James Grzinic etwa sah in LVMHs Zahlen graduelle operative Fortschritte.
Unter anderem verwies er auf die Marke Dior und darauf, dass Dior Newness zunehmend Anklang finde. Die Produkte des Designers Jonathan Anderson machten zwar nur einen kleinen Teil des Umsatzmixes im ersten Quartal aus, doch sei sowohl in den USA als auch in China eine sehr gute GeschÀftsentwicklung zu beobachten gewesen, zitiert er das Management. Die Resonanz, insbesondere bei kaufkrÀftigeren Kunden, sei sehr gut.
Zwar senkten auch fĂŒr LVMH mehrere Analysten ihre Kursziele, an diesem Tag etwa Nick Anderson von der Berenberg Bank. Anderson verwies vor allem auf den Nahost-Konflikt, die GeschĂ€ftsentwicklung in den USA aber sieht er positiv. DZ-Bank-Analystin Katharina Schmenger nannte die Nachfrage aus China robust und wies obendrein auf das starke Wachstum der Uhren- und Schmucksparte hin.
Bei Kering indes bemĂ€ngelten Analysten vor allem die hinter den Erwartungen zurĂŒckgebliebene GeschĂ€ftsentwicklung der Sparte Mode & Lederwaren und vor allem das schlechte Abschneiden der wichtigen Marke Gucci. So schrieb etwa JPMorgan-Analystin Chiara Battistini: Auch wenn Gucci in Nordamerika Fortschritte verzeichnet und sich das Management zuversichtlich gezeigt habe, was die Revitalisierung der Marke betreffe, seien "die RĂŒckgĂ€nge bei Gucci weiterhin erheblich".
AuĂer den USA hĂ€tten alle Regionen weiterhin zweistellige RĂŒckgĂ€nge verzeichnet und es gebe bisher kaum Anzeichen fĂŒr eine nennenswerte positive Trendwende trotz zunehmender Produktneuheiten. Daher geht Battistini nun davon aus, dass diese Trendwende deutlich lĂ€nger dauern und wesentlich mehr Aufwand erfordern werde, als Optimisten derzeit glaubten.
Auch zu Hermes waren die Analystenkommentare kritisch. So schrieb Zuzanna Pusz von der Schweizer Bank UBS etwa, dass der französische LuxusgĂŒterhersteller trotz der angesichts des Nahost-Konflikts bereits etwas gedĂ€mpften Erwartungen einen schwachen Jahresstart hingelegt habe. Sie hob die durchwachsene ErgebnisqualitĂ€t der einzelnen Sparten hervor, die ihr zufolge die Debatte ĂŒber die WiderstandsfĂ€higkeit des GeschĂ€ftsmodells und damit auch die Debatte ĂŒber die langfristigen Wachstumsraten weiter anheizen dĂŒrften.
Grzinic von Jefferies wies auĂerdem auf die nach wie vor bestehenden Probleme von Hermes in China hin, und Berenberg-Analyst Anderson sprach von einem "deutlich erschĂŒtterten Marktvertrauen", das durch positivere Quartalsberichte erst wieder hergestellt werden mĂŒsse. Das Management, so untermauerte er seine Aussage, sei in der Telefonkonferenz "gezwungen gewesen, Bedenken hinsichtlich der StabilitĂ€t des GeschĂ€ftsmodells, der AbhĂ€ngigkeit vom Tourismus und des AusmaĂes der Störungen im Nahen Osten auszurĂ€umen".
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