UN-Bericht sieht mögliche US-Kriegsverbrechen im Iran
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 10:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLuftangriffe auf eine MĂ€dchenschule in Minab im SĂŒden des Landes sowie ein separater Angriff auf einen Sportkomplex in der Provinz Fars seien willkĂŒrliche Angriffe mit tödlichen Folgen fĂŒr die Zivilbevölkerung, heiĂt es in einem Bericht einer unabhĂ€ngigen UN-Untersuchungsmission.
Bei dem Angriff auf die Schule waren nach offiziellen Angaben 168 SchĂŒlerinnen getötet worden. Die UN-Kommission spricht unter Berufung auf unabhĂ€ngige Berichte von insgesamt 157 Toten. US-StreitkrĂ€fte hĂ€tten dabei nicht nur aufgrund veralteter Informationen gehandelt. "Die USA haben den Angriff auf das GebĂ€ude der Schule unter Bewusstsein eines erheblichen Risikos angeordnet, ein ziviles Objekt zu treffen und fahrlĂ€ssig gehandelt", schreibt die Kommission.
Bei einem weiteren Angriff auf ein Sportkomplex in Lamerd in der Provinz Fars seien nach offiziellen Angaben 22 Menschen getötet worden, heiĂt es in dem Bericht. Internationale Medien hatten ĂŒber den Einsatz neuartiger US-Munition bei dem Vorfall berichtet. Bei der Explosion einer Rakete in der Luft sei Schrot aus Wolfram weit verstreut worden. Auch dieser Angriff in einem bewohnten Gebiet wird als mögliches Kriegsverbrechen bewertet.
Anfragen der Kommission beim US-MilitÀr zu beiden VorfÀllen blieben demnach unbeantwortet.
Scharfe Kritik an Vorgehen gegen eigene Bevölkerung
Zudem sehen die UN-Berichterstatter schwere MenschenrechtsverstöĂe der iranischen Regierung an der eigenen Bevölkerung. Dabei beziehen sie sich insbesondere auf das Vorgehen iranischer SicherheitskrĂ€fte im Zuge der Massenproteste im Land Anfang des Jahres und die weitere Verfolgung von Demonstranten durch die Justiz.
SicherheitskrÀfte schossen laut UN-Bericht sowohl mit scharfer Munition etwa von DÀchern auf Demonstranten, als auch mit Luftgewehren teils gezielt auf Augenpartien. Der Bericht schreibt unter Berufung auf eine Menschenrechtsorganisation von allein mindestens 221 Kindern, die bei der Niederschlagung der Proteste getötet wurden.
Eine unabhĂ€ngige Feststellung der Gesamtzahl Toter infolge der Gewalt sei bislang nicht möglich, schreiben die Experten. Man habe gute GrĂŒnde zur Annahme, dass die Zahl signifikant ĂŒber der Regierungsangabe von 3.038 getöteten Menschen liege. Einige westliche Diplomaten gehen von fast 20.000 Toten aus.
