Unicredit Aktie: 49,65 % bei Commerzbank
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 20:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nach dem Abschluss des öffentlichen Tauschangebots für die Commerzbank hat die italienische Großbank Unicredit ihre Position deutlich ausgebaut. Die am Freitag bekannt gewordenen Ergebnisse der Offerte zeigen, dass Unicredit nun Zugriff auf 49,65 % der Stimmrechte des Frankfurter Instituts hat. Während die rechtlichen Hürden in Deutschland vorerst abgebaut wurden, formiert sich auf Führungsebene und in den Gewerkschaften weiterhin massiver Widerstand gegen die Übernahmepläne aus Mailand.
Rechtlicher Erfolg und Widerstand in der Führungsetage
Ein bedeutendes Hindernis für die Unicredit wurde am Freitag aus dem Weg geräumt. Wie unter anderem die Nachrichtenagentur AFP und DER AKTIONÄR berichten, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Anzeige wegen angeblicher Marktmanipulation zurückgewiesen. Mitarbeiter der Commerzbank hatten rechtliche Schritte gegen die Unicredit eingeleitet, doch die Ermittler sahen keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Straftat. Damit ist der Weg für Unicredit-Chef Andrea Orcel rechtlich geebnet, um den Zugriff auf den Anteil von rund 47,6 % am Kapital der Commerzbank zu festigen.
Trotz der hohen Stimmrechtsquote bleibt die Führung der Commerzbank auf Konfrontationskurs. Die Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp schloss einen Rücktritt aus und verwies auf ihren bis 2029 laufenden Vertrag. Laut Berichten des Portals ilmessaggero.it betonte Orlopp, dass sie zwar offen für einen Dialog sei, hierfür jedoch ein detaillierter Plan der Unicredit vorliegen müsse. Sie hob zudem hervor, dass die Annahmequote unter unabhängigen Aktionären mit weniger als 2 % sehr gering ausgefallen sei. Ein Großteil der im Rahmen des Tauschangebots eingereichten Papiere stammte offenbar von Banken, die mit der Unicredit in Verbindung stehen.
Gewerkschaften warnen vor „tickender Zeitbombe“
Parallel zum Ringen in den Chefetagen verschärft sich der Ton der Arbeitnehmervertreter. Die deutsche Bankengewerkschaft DBV warnte laut Berichten von AOL und Global Banking & Finance Review vor einem drohenden Chaos. In einem Schreiben hieß es, es gebe derzeit keine gemeinsame Gesprächsbasis für eine Fusion. Die Gewerkschaft bezeichnete eine verfrühte Zusammenführung der beiden Häuser als „tickende Zeitbombe“.
Die Befürchtungen hinsichtlich eines massiven Stellenabbaus belasten die Stimmung zusätzlich. Während die Gewerkschaft Ver.di bereits vor dem Verlust von über 10,000 Arbeitsplätzen warnte, beziffert Money.it die potenziellen Streichungen sogar auf 11.000 bis 23.000 Stellen. In diesem angespannten Umfeld forderte der hessische Ministerpräsident Boris Rhein einen konstruktiven Dialog zwischen den Beteiligten.
Marktanalysten heben die Kursziele an
An der Börse wird die Entwicklung bei der Unicredit derzeit positiv bewertet. Die Aktie notiert aktuell bei 83,23 € und verzeichnete damit ein Plus von 1,62 % gegenüber dem Vortag. Das Papier bewegt sich damit unmittelbar an seinem 52-Wochen-Hoch von 83,73 €, das erst am heutigen 10.07.2026 markiert wurde. Seit Jahresbeginn konnte der Wert bereits um 16,10 % zulegen, während die Marktkapitalisierung auf 119,65 Milliarden € gestiegen ist. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 74,92 € beträgt rund 11,09 %.
Analysten trauen der Aktie weiteres Potenzial zu. Die Experten von BNP Paribas haben ihr Kursziel für die Unicredit laut Websim auf 105 Euro angehoben und die Einstufung auf „Outperform“ belassen. Im Fokus der Anleger stehen nun die Ergebnisse für das zweite Quartal 2026, die am 23. Juli erwartet werden. Analysten schätzen den Nettogewinn für diesen Zeitraum auf etwa 2,7 Milliarden € bei einer harten Kernkapitalquote (CET1) von 14,28 %. Die Guidance für das Gesamtjahr 2026 wird aktuell bei rund 11 Milliarden € gesehen.
Strategische Optionen und Ausblick
Mit dem nahezu hälftigen Anteil an der Commerzbank ergeben sich für Unicredit verschiedene Szenarien. Neben einer vollständigen Fusion mit der Tochtergesellschaft HVB oder der schrittweisen Übernahme der Aufsichtsratskontrolle wird in Marktkreisen bereits über weitere Ziele spekuliert. Laut italienischen Medienberichten wie von Il Foglio könnte die Unicredit nach dem Erfolg in Deutschland erneut die Banco BPM ins Visier nehmen, nachdem ein früherer Vorstoß im Jahr 2024 gescheitert war.
Zuletzt hatte die Unicredit zudem vor Risiken im europäischen Bankensektor durch Stablecoins gewarnt. Das Institut wies darauf hin, dass die EU-Einlagensicherung bei Krisen im Kryptosektor unter den MiCA-Regeln an ihre Grenzen stoßen könnte, da sie im Gegensatz zu US-Modellen keinen Vollschutz bietet. Für die Commerzbank-Übernahme, die insgesamt mit rund 45 Milliarden Euro bewertet wird, bedeutet das aktuelle Ergebnis laut Scope Ratings jedoch zunächst keine unmittelbare Änderung des Ratings (A/S-1), da die tatsächliche Kontrolle über das operative Geschäft noch nicht automatisch gegeben ist.
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