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US-Notenbank erhöht erstmals seit Juli 2023 wieder Leitzins

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 23:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

WASHINGTON - Die US-Notenbank Federal Reserve hebt wegen der hartnÀckig hohen Inflation erstmals seit Sommer 2023 den Leitzins an.

(Neu: Trump Reaktion)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Die US-Notenbank Federal Reserve hebt wegen der hartnĂ€ckig hohen Inflation erstmals seit Sommer 2023 den Leitzins an. Dieser steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Fed-Zentralbankrat mitteilte. Die Entscheidung werde eine schnellere RĂŒckkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed unterstĂŒtzen, sagte Fed-Chef Kevin Warsh.

Mit der Straffung gerĂ€t er auf Konfrontationskurs mit Donald Trump, nachdem die Fed seit Monaten nichts geĂ€ndert hatte und die Forderungen des US-PrĂ€sidenten nach niedrigeren Zinsen wirkungslos geblieben waren. Darauf angesprochen wich Warsh aus. "Die heutige Entscheidung war richtig, um den Auftrag des Kongresses zur GewĂ€hrleistung stabiler Preise zu erfĂŒllen", sagte er und fĂŒgte spĂ€ter noch hinzu: "Zur UnabhĂ€ngigkeit der Federal Reserve gehört auch, dass wir uns auf unser Fachgebiet konzentrieren."

Trump reagierte erneut mit UnverstÀndnis auf die Fed-Entscheidung. "Die ZinssÀtze in den Vereinigten Staaten sollten bei einem Prozent oder darunter liegen, denn wir haben die beste BonitÀt der Welt - BEI WEITEM", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er wiederholte seine seit Monaten erfolglose Forderung nach Zinssenkungen.

Auch EZB hebte Zins an

Vor knapp einer Woche hatte schon die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) angesichts der wegen des Iran-Kriegs gestiegenen Teuerung ihren Leitzins erhöht, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Notenbank hob den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an.

Bei der US-Notenbank könnte es derweil nicht die einzige Zinserhöhung in diesem Jahr sein. Angesichts der aktuellen Inflation erwarten derzeit 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Unter diesen können sich vier eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Ein Ă€hnliches Bild zeichnet sich fĂŒr 2027 ab: 14 Mitglieder erwarten fĂŒr das Jahr einen Leitzins von 4,00 bis 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon rechnet mit 4,25 bis 4,5 Prozent.

Zinssenkung lÀsst Kritik an Warsh abklingen

Mit der Straffung der Geldpolitik dĂŒrfte Warsh nun gleich zwei Lager von Kritikern besĂ€nftigt haben. So vermissten einige Experten seit seinem Amtsantritt im Mai tatsĂ€chliche Schritte, um der von ihm priorisierten PreisstabilitĂ€t nachzukommen. An den FinanzmĂ€rkten war befĂŒrchtet worden, dass eine sechste Zinspause in Folge seit Dezember 2025 die GlaubwĂŒrdigkeit der Fed massiv beschĂ€digt hĂ€tte.

Zudem dĂŒrfte Warsh zunĂ€chst jenen Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen, die ihm eine zu große NĂ€he zu Trump nachgesagt hatten. Warshs Personalie war umstritten: Volkswirte befĂŒrchteten, dass sich die Fed von einer datenbasierten Geldpolitik entfernen und politisch gesteuert agieren könnte. Warsh hingegen beteuert, er habe sich gegenĂŒber dem PrĂ€sidenten zu keiner bestimmten Zinsentscheidung verpflichtet und sei von diesem auch nie dazu aufgefordert worden. Er wolle die Fed unabhĂ€ngig weiterfĂŒhren.

Zinserhöhung war erwartet worden

Dass die Fed ihre Geldpolitik nun strafft, hatten viele Volkswirte erwartet. So hatte sich Warsh Ende August ungewöhnlich deutlich zur hohen Teuerungsrate geĂ€ußert und damit Spekulationen ĂŒber eine Straffung der Geldpolitik angeheizt. "Wir mĂŒssen davon ĂŒberzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit unserem Ziel annĂ€hert. Andernfalls haben wir noch einiges zu tun", sagte er bei einem Notenbank-Treffen.

Warsh sagte zwar, dass jĂŒngste Konjunkturdaten eine leichte AbkĂŒhlung gezeigt hĂ€tten. Allerdings sehe er darin nicht, dass sich an der grundlegenden Entwicklung etwas geĂ€ndert habe. "Daher sollte sich die Fed derzeit vorrangig auf die Preise konzentrieren", sagte er. Die Teuerungsrate nannte er "zu hoch".

Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen VollbeschÀftigten zu finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst das die Wirtschaft etwa wegen zu hoher Kreditkosten aus. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.

Mehrere Indikatoren fĂŒr Straffung

Seit Dezember 2025 hatte die Fed fĂŒnfmal in Folge den Leitzins nicht angerĂŒhrt und die Spanne bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die letzte Erhöhung erfolgte im Juli 2023.

Zuletzt hatten mehrere Indikatoren eine Straffung wahrscheinlicher gemacht. Im August stieg die BeschĂ€ftigtenzahl ĂŒberraschend stark um 162.000 - Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit 55.000 zusĂ€tzlichen Stellen gerechnet. Im Juli hatte der Arbeitsmarkt noch enttĂ€uscht.

Zudem verharrte die Inflation in den USA im August auf hohem Niveau. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 3,4 Prozent - so wie auch schon im Juli. Damit liegt die Inflation weiterhin deutlich ĂŒber dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent, und das schon seit fĂŒnf Jahren.

Entscheidung wird Trump nicht gefallen

Derweil dĂŒrfte Trump die Entscheidung nicht gefallen. Seit langem fordert Trump von der von Gesetzes wegen unabhĂ€ngigen Federal Reserve - und entgegen gĂ€ngiger Expertenmeinungen - niedrigere Leitzinsen. Zuletzt drohte er mit einem Handelsstopp mit bestimmten LĂ€ndern, sollte die Fed ihre Geldpolitik nicht lockern.

Wie Trump mit standhaften Personen verfĂ€hrt, zeigte sich bereits an seinem Umgang mit dem frĂŒheren Fed-Chef Jerome Powell und der Fed-VorstĂ€ndin Lisa Cook. Powell geriet unter Trumps regelmĂ€ĂŸigem Beschuss aus Beleidigungen und RĂŒcktrittsforderungen, zudem ermittelte die BezirksstaatsanwĂ€ltin und Trump-Vertraute Jeanine Pirro gegen Powell wegen angeblich ausufernder Kosten einer Renovierung.

Cook hingegen wollte Trump feuern lassen. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Ende Juni allerdings einen Antrag der US-Regierung abgewiesen und damit Cook vorerst weiter im Amt gelassen. Das Gerichtsverfahren rund um ihre Personalie lĂ€uft in unterer Instanz weiter. Medien zufolge soll das Weiße Haus allerdings im August einen Brief an die Fed-Gouverneurin geschickt haben, in dem ihre Entlassung "erwogen" werde.

Die Zinserhöhung wirkte sich auch an den FinanzmÀrkten aus. Der Euro fiel zum US-Dollar auf ein Tagestief von 1,1461 US-Dollar. Vor der Zinsentscheidung hatte der Euro noch bei 1,1540 Dollar gelegen. Auch zu den anderen wichtigen WÀhrungen legte der Dollar zu. Die Rendite von zweijÀhrigen US-Anleihen stieg auf ein Jahreshoch.

Der Goldpreis fiel zwischenzeitlich um mehr als ein Prozent auf 4.235 Dollar je Feinunze und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang August. Höhere Zinsen machen Gold weniger attraktiv, da Gold keine ZinsertrÀge bringt. Die US-AktienmÀrkte wurden durch die Zinsentscheidung nur wenig bewegt. /ngu/DP/jsl

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