USA, Handelspolitik

USA verschÀrfen Handelspolitik mit Strafzöllen auf Metalle und Medikamente

Veröffentlicht am: 12.04.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die USA fĂŒhren drastische Zölle auf Stahl, Aluminium und Medikamente ein, um die heimische Produktion zu stĂ€rken. Globale Lieferketten und Pharmaunternehmen mĂŒssen sich neu ausrichten.
USA verschÀrfen Handelspolitik mit Strafzöllen auf Metalle und Medikamente Illustration mit AI erstellt.

Die USA setzen mit drastischen Strafzöllen auf Stahl, Aluminium und Pharmaprodukte ein neues Kapitel ihrer Handelspolitik auf. Ab sofort gelten verschÀrfte Regeln, die globale Lieferketten umkrempeln sollen.

Hintergrund sind zwei PrĂ€sidialerlasse vom Anfang April 2026. Die Regierung begrĂŒndet die Maßnahmen mit nationalen Sicherheitsinteressen, um die heimische Produktion zu stĂ€rken. Die ersten neuen Zölle auf Metalle traten bereits am 6. April in Kraft. FĂŒr die Pharmaindustrie laufen nun Ultimaten, um horrende Abgaben zu vermeiden.

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Metall-Importe: Neue Berechnung trifft Hersteller hart

Seit dem 6. April gilt ein gestaffeltes Zollsystem fĂŒr Stahl, Aluminium und Kupfer. Halbzeuge wie Bleche oder Stangen unterliegen einem pauschalen Aufschlag von 50 Prozent. Weiterverarbeitete Produkte aus diesen Metallen werden mit 25 Prozent belastet.

Die entscheidende Neuerung betrifft die Berechnungsgrundlage. Die Zölle werden nun auf den vollen Zollwert des fertigen Produkts erhoben – nicht mehr nur auf den Materialwert des Metalls. Diese Praxis erhöht die Kosten fĂŒr viele Hersteller importierter Komponenten erheblich.

Doch es gibt Ausnahmen. Produkte mit einem Metallanteil von unter 15 Gewichtsprozent sind von den Strafzöllen befreit. Das entlastet Hochtechnologie- und Elektronikbranchen. Zudem lockt ein Anreiz: Waren, die komplett aus in den USA geschmolzenem und gegossenem Metall gefertigt werden, erhalten einen reduzierten Satz von nur 10 Prozent. Der 200-Prozent-Zoll auf russisches Aluminium bleibt indes bestehen.

Pharmasektor unter Druck: 100 Prozent als Default-Satz

Parallel dazu rollt eine beispiellose Handelsintervention im Pharmasektor an. Das zweite Dekret sieht fĂŒr patentgeschĂŒtzte Markenmedikamente und Wirkstoffe einen Basiszoll von 100 Prozent vor.

Große, in AnhĂ€ngen gelistete Pharmaunternehmen mĂŒssen bis zum 31. Juli 2026 konform sein. Alle anderen betroffenen Firmen haben bis zum 29. September 2026 Zeit. Das Ziel ist eindeutig: die Verlagerung der Arzneimittelproduktion in die USA.

Um den hundertprozentigen Satz zu umgehen, bieten sich zwei Wege:
* Verlagerungsvereinbarungen: Firmen, die mit dem Handelsministerium eine Verlagerung der Produktion in die USA vereinbaren, zahlen bis Anfang 2030 nur 20 Prozent.
* Doppelstrategie: Wer sich zusĂ€tzlich zur Verlagerung zu „MeistbegĂŒnstigten-Nation“-Preisen (MFN) verpflichtet, erhĂ€lt bis Januar 2029 einen Nullsatz.

Die MFN-Preiskomponente ist an ein neues Bundesportal gebunden – vorlĂ€ufig TrumpRx genannt. Über diese Plattform mĂŒssen Medikamente zu international konkurrenzfĂ€higen Preisen angeboten werden. Generika und Biosimilars sind derzeit noch ausgenommen, dieser Status wird aber in einem Jahr ĂŒberprĂŒft.

Ausnahmen fĂŒr VerbĂŒndete – EU in eigener Reform

Das Regelwerk sieht Ausnahmen fĂŒr strategische Partner vor. FĂŒr Produkte aus der EuropĂ€ischen Union, Japan, SĂŒdkorea, der Schweiz und Liechtenstein gilt eine Obergrenze von 15 Prozent, sofern bestehende Handelsabkommen eingehalten werden.

Großbritannien nimmt eine Sonderrolle ein. Nach einem bilateralen Abkommen sollen britische Pharmaprodukte fĂŒr mindestens drei Jahre zollfrei in die USA gelangen – vorausgesetzt, britische Hersteller bauen KapazitĂ€ten in den USA aus.

Die US-Maßnahmen fallen zeitlich mit der finalen Phase der EU-Arzneimittelreform zusammen. Das Europaparlament hatte im FrĂŒhjahr eine umfassende Überarbeitung des Rechtsrahmens vorangetrieben, die auf kĂŒrzere Datenschutzfristen und mehr Pflichten zur Verhinderung von LieferengpĂ€ssen abzielt. Die parallelen VerĂ€nderungen auf beiden Seiten des Atlantiks zwingen globale Life-Science-Unternehmen zu einer kompletten Neuausrichtung ihrer Strategien.

Rechtliche Basis und gemischte Reaktionen

Die Anwendung des Handelsausweitungsgesetzes von 1962 (Section 232) auf Pharmaprodukte markiert eine Ausweitung dieser Befugnis, die traditionell IndustriegĂŒtern vorbehalten war. Die Regierung reagiert damit auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs aus diesem Jahr, das breitere Notstandszölle fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rte.

Die Reaktionen der Industrie sind gespalten. WĂ€hrend StahlverbĂ€nde die neuen Berechnungsmethoden begrĂŒĂŸen, warnen Gesundheitsorganisationen vor steigenden Kosten fĂŒr Patienten, falls die Produktionsverlagerung nicht schnell genug voranschreitet. Aus dem Weißen Haus heißt es, die angekĂŒndigten Zölle hĂ€tten bereits Investitionszusagen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar fĂŒr neue US-ProduktionsstĂ€tten ausgelöst.

FĂŒr Compliance-Verantwortliche beginnt nun eine heiße Phase. Importeure mĂŒssen die Herkunft ihrer Metalle bis zur Schmelz- und Gussstufe lĂŒckenlos dokumentieren. In der Pharmabranche ticken die Uhren: 120 bzw. 180 Tage bleiben, um VerlagerungsplĂ€ne mit dem Handelsministerium abzuschließen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die US-Strategie der heimischen Selbstversorgung globalen Bestand haben wird.

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