Ver.di erhöht Druck auf IBM vor entscheidender Tarifrunde
13.04.2026 - 15:52:16 | boerse-global.deDie Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) verschärft den Ton vor den Tarifverhandlungen mit IBM Deutschland. In einer Stellungnahme vom heutigen Montag kritisiert die Gewerkschaft die bisherigen Gespräche als unzureichend und warnt vor realen Lohnverlusten für die Belegschaft. Die aktuellen Verträge laufen am 30. April aus.
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Konfrontation vor vierter Verhandlungsrunde
Die Fronten sind verhärtet, bevor die Verhandlungen am 15. und 16. April fortgesetzt werden. Ver.di bezeichnet das bisherige Angebot des IT-Konzerns als „nicht substanziell“. Die vorgeschlagenen Erhöhungen von lediglich 10 bis 20 Euro monatlich – abhängig von der Entgeltgruppe – würden zu einem spürbaren Kaufkraftverlust führen.
Bereits drei Verhandlungsrunden seit März blieben ohne Durchbruch. In der ersten Runde am 19. März schlug IBM laut Gewerkschaft eine „Nullrunde“ ohne allgemeine Erhöhungen vor. Die zweite Runde endete frühzeitig, da das Management kein ernsthaftes Angebot vorgelegt habe. Auch die dritte Runde Anfang April brachte keine Annäherung.
Ver.di sieht keine wirtschaftliche Rechtfertigung für die restriktive Lohnpolitik. Man verweist auf die starken Geschäftsjahre 2024 und 2025 von IBM Deutschland. Zudem profitiere das Unternehmen als großer IT-Dienstleister für den öffentlichen Sektor von stabilen Aufträgen – was sich in fairen Löhnen widerspiegeln müsse.
Streit um Lohnstruktur und „Inflationsschutz+“
Im Kern fordert ver.di eine 5-prozentige Erhöhung der Entgelttabellen sowie eine verbindliche Mindesterhöhung für alle individuellen Grundgehälter. Unter dem Motto „Inflationsschutz+ muss sein“ soll jeder Beschäftigte eine reale Lohnanpassung plus einen Anteil am Unternehmenserfolg erhalten.
Weitere Forderungen umfassen:
- 5 Prozent mehr VergĂĽtung fĂĽr Dual- und Masterstudierende
- Eine pauschale monatliche Erhöhung von 100 Euro für Auszubildende
- Verbesserte Teilhabe an Entgeltprogrammen für Elternzeit-Beschäftigte
- Einen zusätzlichen Urlaubstag speziell für ver.di-Mitglieder
IBM setzt dagegen auf maximale Flexibilität. Laut Gewerkschaft versucht der Konzern, globale Strategien – die sogenannte ESP-Strategie – durchzusetzen. Diese würde der Führungsebene mehr Spielraum bei der Gehaltsplanung einräumen und tarifliche Standards aufweichen. IBM wolle bestimmte Gehaltsstufen einfrieren, um sie langfristig auf 80 Prozent von Marktreferenzwerten abzusenken. Ver.di lehnt diesen Ansatz kategorisch ab.
Unternehmenserfolg bei gleichzeitigem Stellenabbau
Der Tarifkonflikt findet vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wandels bei IBM statt. Das Unternehmen verzeichnete 2025 solides Wachstum, besonders im Software- und Hybrid-Cloud-Bereich. Die Software-Sparte inklusive der Tochter Red Hat wuchs global um etwa 10 Prozent auf ĂĽber 7 Milliarden Dollar.
Trotz dieser Zahlen baute IBM weltweit Stellen ab. Ende 2024 und Anfang 2025 wurden tausende Positionen im Zuge der Umorientierung hin zu Künstlicher Intelligenz (AI) und automatisierten Softwarelösungen gestrichen. Eine dritte größere Reduktionswelle folgte im November 2025. In Deutschland könnten laut ver.di-Schätzungen tausende Stellen in Beratung und Outsourcing gefährdet sein.
Gleichzeitig ändert IBM seine Einstellungspolitik. Der Konzern will seine Einstellungen von Hochschulabsolventen verdreifachen. Die Personalchefin begründete dies im Februar damit, dass durch AI unterstützte Juniormitarbeiter heute Aufgaben übernehmen könnten, die früher Jahre an Erfahrung erforderten – vorausgesetzt, sie bringen Kenntnisse in maschinellem Lernen und Datenarchitektur mit. Ver.di hält dagegen: Die gestiegene Arbeitsbelastung in schlankeren Teams rechtfertige höhere Vergütungen für die verbleibenden Fachkräfte.
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Eskalationsstufe Streik?
Die aktuelle Situation folgt auf einen Tarifabschluss vom Mai 2025, der mit großer Mehrheit angenommen wurde. Dieser sah ein Gesamtvolumen von 4 Prozent vor, galt jedoch nur für zwölf Monate. Schon damals sprachen Verhandlungsführer von einem „harten Verteilungskampf“.
Die Streikbereitschaft der Belegschaft ist vorhanden. Bereits am 24. März versammelten sich 350 bis 400 Beschäftigte zu einer Protestaktion am IBM Technology Campus in Ehningen. Sie demonstrierten gegen die Aussicht auf eine Nullrunde.
Beobachter sehen IBM in Deutschland am Scheideweg. Während das Unternehmen sein Geschäftsmodell erfolgreich auf generative AI und Cloud-Infrastruktur ausrichtet, trifft es auf eine gut organisierte Belegschaft. Diese steht „amerikanisierten“ Gehaltsmodellen, die Managementspielräume über feste Tarifskalen stellen, zunehmend skeptisch gegenüber.
Die kommenden Verhandlungstage gelten als entscheidend. Sollte IBM kein Angebot mit garantierter Mindesterhöhung vorlegen, drohen regionale Warnstreiks. Ein längerer Arbeitskampf könnte die ambitionierten Pläne des Konzerns im öffentlichen Sektor behindern – und seinen Ruf als stabiler Partner für die digitale Transformation in Deutschland beschädigen.
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