VerbraucherschĂŒtzer monieren Tricks bei Trinkgeld per Karte
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 06:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWird die Rechnung per Karte beglichen, zeigen LesegerĂ€te dafĂŒr hĂ€ufiger gleich eine Vorauswahl an Optionen an: 7 Prozent oder 10 Prozent oder heute mal 20 Prozent? Da schnell etwas anzutippen, versetzt manche GĂ€ste leicht in Stress. VerbraucherschĂŒtzer und die Gewerkschaft warnen auch vor einer unterschwelligen Beeinflussung.
Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es muss auf den ersten Blick erkennbar sein, wie GĂ€ste Trinkgeld ablehnen oder die Höhe selbst festlegen können." Der Verband setze sich daher fĂŒr ein Verbot "manipulativer Designtricks" auf europĂ€ischer Ebene ein, wie sie auch von Webseiten oder Apps bekannt seien.
Wo tippt man "Kein Trinkgeld" an?
"Bei der Kartenzahlung liegen sie vor, wenn die Option, kein Trinkgeld zu geben, versteckt oder schlechter sichtbar ist", sagte Pop. Das zielt darauf, dass Felder mit voreingestellten Prozent-VorschlĂ€gen auf den Displays teils gröĂer oder farblich auffĂ€lliger dargestellt sind als andere Auswahlmöglichkeiten.
So gibt es ein Feld mit Bezeichnungen wie "freie Eingabe", "benutzerdefiniert" oder "anderer Betrag", wenn man ohne Prozentrechnung zum Beispiel einfach direkt um 3,70 Euro bis zum nĂ€chsten glatten Betrag aufrunden will. Und ein Feld fĂŒr "Kein Trinkgeld" gibt es auf den digitalen BezahlgerĂ€ten natĂŒrlich auch.
"Viele Menschen geben gerne und freiwillig Trinkgeld, um guten Service wertzuschĂ€tzen", sagte Pop. Problematisch werde es, wenn GĂ€ste gedrĂ€ngt oder sogar manipuliert wĂŒrden. "Niemand ist verpflichtet, Trinkgeld zu geben." Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbands befĂŒrworten es drei Viertel (76 Prozent), dass die Möglichkeit, kein Trinkgeld oder weniger Trinkgeld zu geben, ebenso sichtbar und leicht auswĂ€hlbar sein sollte wie vorgeschlagene BetrĂ€ge.
Immer mehr zahlen mit Karte oder Handy
Gezielt gefragt, ob man sich durch auffĂ€lliger dargestellte Prozent-Optionen zum Trinkgeldgeben gedrĂ€ngt fĂŒhle, bejahte dies gut die HĂ€lfte - voll und ganz stimmten 36 Prozent zu, eher stimmten 16 Prozent zu. Tendenziell nicht dazu gedrĂ€ngt sehen sich 42 Prozent. FĂŒr die nach eigenen Angaben reprĂ€sentative Umfrage befragte das Institut Forsa den Angaben zufolge vom 3. bis 5. August 1.009 Menschen ab 18 Jahren.
Die Branche weist auf einen Wandel der Zahlungsgewohnheiten vieler GĂ€ste hin. "Immer mehr Menschen sind bargeldlos unterwegs und bezahlen mit der Karte oder dem Handy", sagte der Rechtsexperte des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (Dehoga), JĂŒrgen Benad. Die Integration von Trinkgeld-Optionen in Kartenterminals biete eine zusĂ€tzliche Möglichkeit, WertschĂ€tzung auszudrĂŒcken, und erleichtere dies auch ohne Bargeld.
"Freiwilliges Dankeschön des Gastes"
"Ob und in welcher Höhe ein Gast Trinkgeld gibt, bleibt jedoch stets eine persönliche Entscheidung", betonte Benad. Eine Rolle spielten neben dem Service auch Faktoren wie die AtmosphĂ€re und die QualitĂ€t der Speisen. Wer kein Trinkgeld geben möchte, könne selbstverstĂ€ndlich jederzeit die Option dafĂŒr wĂ€hlen. "Trinkgeld ist und bleibt ein freiwilliges Dankeschön des Gastes."
Eine im FrĂŒhjahr vorgestellte Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigte indes viel Skepsis bei voreingestellten Optionen beim Bezahlen mit Karte. Praktisch fanden das in der nach eigenen Angaben reprĂ€sentativen Erhebung demnach 29 Prozent der 1.004 Befragten ab 16 Jahren. Und 64 Prozent meinten, vorgeschlagene BetrĂ€ge fĂŒhrten dazu, dass mehr Trinkgeld gegeben werde als ursprĂŒnglich geplant.
Digitales Trinkgeld muss ankommen
Auch aus Sicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) fĂŒhrt an digitalen Trinkgeldfunktionen aber kĂŒnftig kaum ein Weg vorbei, wie der Vorsitzende Guido Zeitler sagte. "FĂŒr viele BeschĂ€ftigte sind sie auch durchaus hilfreich, weil immer mehr GĂ€ste mit Karte zahlen und sonst teilweise gar kein Trinkgeld geben wĂŒrden." Entscheidend sei aber: "Der Gast muss sicher sein können, dass digital gegebenes Trinkgeld genauso wie Bargeld vollstĂ€ndig, transparent und nachvollziehbar bei den BeschĂ€ftigten ankommt."
Bei der Art und Weise der Umsetzung legt die Gewerkschaft aber Wert auf Transparenz und dass es kein subtiles DrĂ€ngen gibt. "Auch bei digitaler Bezahlung muss es eine freiwillige Entscheidung der GĂ€ste bleiben. Sie sollten dabei keinen Druck verspĂŒren", mahnte Zeitler. "Deutlichen Verbesserungsbedarf sehen wir deshalb dort, wo Bezahlsysteme Kundinnen und Kunden durch ihre Gestaltung in eine bestimmte Richtung lenken."
Gewerkschaft pocht auf guten Lohn
Daher sollte die Möglichkeit, kein Trinkgeld zu geben oder einen eigenen Betrag einzugeben, so sichtbar und einfach nutzbar sein wie vorgegebene Trinkgeld-Optionen, sagte der Gewerkschaftschef. Und machte auch grundsĂ€tzlich klar: "Trinkgeld ist ein Zeichen der WertschĂ€tzung fĂŒr einen guten Service. In erster Linie ist es aber die Aufgabe des Arbeitgebers, die Arbeit gut zu entlohnen."
