ROUNDUP, Verleger

Verleger und VerbÀnde laufen Sturm gegen Reformplan

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 15:50 Uhr, dpa.de

Deutsche Zeitschriften- und Zeitungsverleger, Organisationen, VerbÀnde und Oppositionsparteien protestieren gegen die geplanten EinschrÀnkungen des Zugangs zu amtlichen Informationen der Bundesbehörden - mittlerweile kommt auch Kritik aus der SPD.

Wie aus BeschlĂŒssen des Koalitionsausschusses hervorgeht, soll unter anderem der Kreis der Frageberechtigten eingeschrĂ€nkt werden.

In einer Mitteilung des Medienverbands der freien Presse (MVFP) und des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) heißt es, die vorgesehenen Änderungen am sogenannten Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) wĂŒrden die Möglichkeiten journalistischer Recherche erheblich erschweren und damit die öffentliche Kontrolle staatlichen Handelns schwĂ€chen. "Gerade Zeitungen, Zeitschriften und digitale journalistische Angebote nutzen das IFG regelmĂ€ĂŸig, um MissstĂ€nde aufzudecken, Verwaltungsentscheidungen transparent zu machen und die demokratische Kontrolle öffentlicher Institutionen zu gewĂ€hrleisten".

Über hundert zivilgesellschaftliche Organisationen, Vereine, Projekte, VerbĂ€nde und Medien - darunter die Plattformen "Abgeordnetenwatch" und "FragDenStaat", der Deutschen Journalisten-Verband (DJV), LobbyControl und Transparency International Deutschland - fordern, die geplanten GesetzesĂ€nderungen zu stoppen. Der Verlust des Rechts auf Informationsfreiheit fĂŒr Millionen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger erschwere eine faktenbasierte Berichterstattung, die öffentliche Kontrolle und das Engagement der Zivilgesellschaft, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des BĂŒndnisses.

Dröge: "Angriff auf die Pressefreiheit"

Auch aus der Opposition gibt es Kritik. GrĂŒnen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagt: "Aus meiner Sicht ist das ein StĂŒck weit ein Angriff auf die Pressefreiheit in Deutschland, weil es ist richtig, dass Regierungen sich ĂŒberprĂŒfen lassen in ihrem Handeln. Es ist wichtig, dass Medien in der Lage sind, auch zu hinterfragen, was Regierungen tun". Wer nichts zu verbergen habe, sollte Transparenz nicht fĂŒrchten, betont sie. Auch die Linksfraktion hat die geplante Änderung scharf kritisiert.

Ein "No-Go" fĂŒr SPD-Experten

Auch aus der SPD gab es Kritik: "Als SPD haben wir das IFG 2005 auf Bundesebene eingefĂŒhrt und dĂŒrfen uns jetzt nicht an diesem Raubbau beteiligen", sagte der Juso-Vorsitzende Philipp TĂŒrmer dem Nachrichtenportal ZDFheute.de.

Der zustĂ€ndige Berichterstatter der SPD-Fraktion, Johannes SchĂ€tzl, warnte ebenfalls vor den Änderungen. "Der Beschluss des Koalitionsausschusses ist eine De-facto-Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes - und das ist ein absolutes No-Go", sagte er der Mediengruppe Bayern. "Ohne Anfragen nach diesem Gesetz wĂ€ren FĂ€lle wie die Maut-AffĂ€re oder die MaskenaffĂ€re nie ans Licht gekommen", betonte SchĂ€tzl.

Wo das Informationsfreiheitsgesetz Licht ins Dunkle brachte

Seit 2006 bietet das Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) einen voraussetzungslosen Anspruch auf Informationen der Behörden des Bundes, unabhÀngig davon, ob der Fragende ein besonderes Interesse nachweisen kann.

Mit Hilfe des IFG wurden bereits zahlreiche VorgĂ€nge in Bundesbehörden öffentlich gemacht. So konnten etwa Informationen rund um die Corona-MaskenaffĂ€re um den damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingesehen sowie Informationen zu NebeneinkĂŒnften von Abgeordneten und Kontakte zu Lobbyisten offengelegt werden.

Die Plattform "Frag den Staat" und das "ZDF Magazin Royale" von Jan Böhmermann veröffentlichten mit Hilfe des Gesetzes als geheim eingestufte hessische Ermittlungsakten zu der Neonazi-Terrorzelle NSU. Angehörige der Opfer des NSU, zahlreiche Politikerinnen und Politiker sowie mehr als 130.000 Unterzeichner einer Petition hatten ĂŒber Jahre gefordert, den Bericht öffentlich zugĂ€nglich zu machen, um eine vollstĂ€ndige AufklĂ€rung des NSU-Terrors zu ermöglichen.

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