ROUNDUP, Rabatte

Sind zusÀtzliche Rabatte in Bonus-Apps diskriminierend?

18.03.2026 - 07:35:02 | dpa.de

Viele Verbraucher in Deutschland nutzen Rabatte in den Bonus-Apps der LebensmittelhÀndler.

Diese gelten jedoch meist nur fĂŒr registrierte Kunden. Ist das gerecht? Über diese Frage wird an diesem Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Bamberg gestritten.

Hintergrund ist eine Unterlassungsklage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) gegen den Discounter Netto (Az. 3 UKl 16/25 e). In einem Prospekt hatte die Kette einen Extra-Rabatt von 15 Prozent beworben, der nur ĂŒber die App eingelöst werden kann.

Nach Ansicht der VerbraucherschĂŒtzer ist das diskriminierend und verstĂ¶ĂŸt gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Kritisiert wird, dass behinderte, Ă€ltere oder jĂŒngere Menschen benachteiligt wĂŒrden, weil sie entsprechende GerĂ€te oder Apps oft nicht nutzen könnten oder dĂŒrften. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb gleiche Rabatte fĂŒr alle.

"Der Verbraucheralltag ist teuer genug", sagte vzbv-VorstĂ€ndin Ramona Pop. Jeder sollte von Rabatten profitieren können. Menschen, die keine Apps nutzen, dĂŒrften nicht ausgeschlossen werden.

Umfrage: 41 Prozent befĂŒrworten exklusive Rabatte

Netto wollte sich auf Nachfrage nicht zum laufenden Verfahren Ă€ußern. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erklĂ€rte, grundsĂ€tzlich gelte fĂŒr alle Kunden derselbe Preis. Apps seien fĂŒr viele HĂ€ndler ein Instrument, Kunden besser kennenzulernen und genauer auf BedĂŒrfnisse einzugehen. Auch ohne Apps gebe es attraktive Preise.

Die VerbraucherschĂŒtzer gehen auch gegen andere HĂ€ndler vor. Ein Prozess gegen Penny beginnt im April, ein weiterer gegen Lidl im September. Obwohl auch Supermarktketten spezielle App-Rabatte anbieten, konzentriert sich der vzbv zunĂ€chst auf Discounter. Dort kauften besonders preissensible Kunden ein, heißt es. FĂŒr Menschen mit geringem Einkommen sei Gleichbehandlung besonders wichtig.

FĂŒr HĂ€ndler und Kunden sind die Apps eine Art TauschgeschĂ€ft. Angemeldete Kunden erhalten exklusive Vorteile. Im Gegenzug gewinnen die HĂ€ndler - im besten Fall - treuere Kunden sowie deren Daten und können das Kaufverhalten besser analysieren. Was die exklusiven Rabatte in Apps betrifft, sind die Verbraucher gespalten. Laut einer im Februar 2025 durchgefĂŒhrten YouGov-Umfrage finden das 41 Prozent gut, 40 Prozent nicht. Alle anderen machten keine Angaben.

Mehrere Rechtsstreitigkeiten wegen Apps

Nach Angaben des Marktforschers NIQ nutzen zwei Drittel der Haushalte in Deutschland mindestens eine HĂ€ndler-App, am hĂ€ufigsten die von Lidl und Rewe. 77 Prozent dieser Gruppe verwenden Coupons, um Geld zu sparen. 48 Prozent kaufen deshalb andere Produkte als ursprĂŒnglich geplant, 44 Prozent wechseln sogar das GeschĂ€ft. "Die HĂ€ndler-Apps haben sich wahnsinnig schnell etabliert. Sie beeinflussen das Kaufverhalten spĂŒrbar", sagt NIQ-Marktforscher David Georgi.

Die Apps standen zuletzt mehrfach im Mittelpunkt von Rechtsstreitigkeiten. Rewe unterlag im Dezember vor dem Landgericht Köln gegen die Verbraucherzentrale Baden-WĂŒrttemberg. Die Supermarktkette darf nicht mehr mit einem Bonus werben, ohne den Gesamtpreis des entsprechenden Produkts zu nennen. Rewe hat Berufung gegen die Entscheidung eingelegt.

Bereits im September scheiterten VerbraucherschĂŒtzer mit einer Klage gegen Lidl vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Sie monieren, die App sei entgegen den Teilnahmebedingungen nicht kostenlos. Verbraucher zahlten mit ihren Daten. Der vzbv will deshalb vor den Bundesgerichtshof ziehen.

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