Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: 140.000 Jobs im Fokus der Betriebsversammlungen

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 20:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Volkswagen steht vor konfliktreichen Betriebsversammlungen. Kernpunkte sind ein massives Sparprogramm und der mögliche Abbau von bis zu 140.000 Stellen.

VW-Krise: Betriebsversammlungen zu Sparprogramm und Stellenabbau
Eine abstrakte Darstellung der Automobilindustrie, die Themen wie Beschäftigung und Arbeitskräfte mit einer Atmosphäre der Erwartung und leichter Unsicherheit beleuchtet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Konzernchef Oliver Blume wird sich am 25. August in Wolfsburg sowie am 26. August in Zwickau und Emden den Beschäftigten stellen, begleitet von Markenchef Thomas Schäfer. Insgesamt sind laut Betriebsrat neun Versammlungen bis Ende August angesetzt, weitere Termine betreffen unter anderem Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal. Hintergrund ist ein Sparprogramm, das die Belegschaft in Aufruhr versetzt.

Bis zu 140.000 Stellen im Blick

Der Betriebsrat beziffert das Risiko auf bis zu 140.000 Arbeitsplätze: 50.000 Stellen sind nach Unternehmensangaben bereits abgebaut, weitere 50.000 sollen bis 2030 folgen, und ab 2030 stünden durch mögliche Werkschließungen noch einmal 40.000 Jobs auf dem Spiel. Blume selbst bezeichnete zusätzliche 50.000 Stellenstreichungen als "theoretische Ableitung" – zusammen mit den laufenden Kürzungen könnte die Gesamtzahl der Einschnitte damit die Marke von 100.000 erreichen. Als Begründung nennt der Vorstand Gemeinkosten, die rund 20 Prozent über dem Wettbewerbsniveau liegen, sowie eine Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen allein in Europa. Die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm gelten als besonders gefährdet, laut Reuters könnten zwei der vier Standorte tatsächlich geschlossen werden.

Der Betriebsrat wirft dem Vorstand vor, die Belegschaft unzureichend informiert zu haben, und spricht von einem "massiven Vertrauensverlust". Bereits Anfang Juli hatten Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen im Aufsichtsrat ein Sparpaket abgelehnt, das laut damaligen Berichten den Abbau von mehr als 85.000 Stellen sowie das Auslaufenlassen von Aufträgen für Zwickau, Hannover, Emden und Neckarsulm vorsah. Dem aktuellen Widerstand des Kontrollgremiums zufolge lehnte der Aufsichtsrat den jüngsten Plan mit einem Stimmenverhältnis von 12 zu 7 ab.

Vorstandsposten seit einem Jahr vakant

Parallel zur Sparfrage belastet ein unbesetzter Vorstandsposten die Konzernführung. Laut Süddeutscher Zeitung und der Deutschen Presse-Agentur sucht Volkswagen bereits seit Juli 2025 einen Personalvorstand, kommissarisch führt Markenchef Schäfer das Ressort. Favoritin für den Posten ist Erika Rasch von Bosch. Eine für den 16. Juli angesetzte Entscheidung des Aufsichtsrats scheiterte am Streit über die Sparmaßnahmen, die Arbeitnehmerseite verlangt zudem eine Kopplung der Personalentscheidung an die Besetzung des Technologieressorts. Rasch bleibt trotz der Verzögerung erste Wahl.

Als möglicher Ausweg für den bedrohten Standort Zwickau kursiert die Idee eines chinesischen Joint Ventures. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) schlug laut Medienberichten höhere EU-Zölle auf chinesische Elektroautos vor, um ein solches Gemeinschaftsunternehmen für Volkswagen attraktiver zu machen. Der Konzern prüft demnach zugleich, chinesische Modelle in europäischen Werken zu fertigen. Auf der Kostenseite arbeitet Volkswagen zudem an einer drastischen Straffung des Modellportfolios: Die Produktkomplexität soll um bis zu 75 Prozent, die globale Modellpalette um bis zu 50 Prozent bis 2030 sinken, mit dem Ziel, die operative Marge auf 8 bis 10 Prozent zu heben.

Aktie nahe Jahrestief

Die Krisenlage spiegelt sich im Kursverlauf. Die Volkswagen-Vorzugsaktie notiert bei 73,46 Euro und damit nur noch gut sechs Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das erst Anfang Juli markiert wurde. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier gut 15 Prozent verloren – ein Abbild der Verunsicherung, die der ungelöste Streit um Werksschließungen und Stellenabbau derzeit auslöst.

Die IG Metall zeigt sich unterdessen wenig kompromissbereit. Die baden-württembergische Vorsitzende Barbara Resch lehnte längere Arbeitszeiten oder materielle Einschnitte für die Autoindustrie ab. Seit 2019 seien in der Metall- und Elektroindustrie des Bundeslandes bereits rund 75.000 Stellen gestrichen worden, der Großteil davon in der Automobilbranche. Zu befristeten Beiträgen zeigte sich die Gewerkschaft nur bereit, sofern die Lasten breit verteilt würden. Die Konfliktlinien für die Betriebsversammlungen Ende August sind damit klar gezogen: Belegschaft und Betriebsrat erwarten von Blume konkrete Antworten, während der Vorstand auf tiefgreifende Einschnitte drängt, um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern.

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