Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: 7 zu 12 gegen Zukunftsplan

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 13:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de

VW-Aufsichtsrat stoppt Sanierungskurs von CEO Blume. Aktie fällt auf Jahrestief, während Machtkampf um Werksschließungen eskaliert.

Volkswagen-Krise: Aufsichtsrat lehnt Blumes Zukunftsplan ab
Eine futuristische Montagelinie in der Automobilindustrie, die Stillstand und Unsicherheit bei Zukunftsstrategien andeutet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Aufsichtsrat hat den von Konzernchef Oliver Blume vorgelegten „Zukunftsplan" am 9. Juli 2026 mit 7 zu 12 Stimmen abgelehnt. Damit fehlt dem Wolfsburger Konzern weiterhin ein tragfähiges Konzept, wie er Werksschließungen, Stellenabbau und schrumpfende Marktanteile bewältigen will. Die Aktie notiert am Freitag bei 71,06 Euro und büßt damit 1,31 Prozent ein.

Sparplan scheitert, Widerstand formiert sich

Blumes Entwurf sah vor, die Produktionskapazität bis 2030 um eine Million auf neun Millionen Fahrzeuge zu senken, die Modellzahl bis 2035 zu halbieren und die Variantenvielfalt um 75 Prozent zu reduzieren. Vier deutsche Werke – Zwickau, Emden, Neckarsulm und Hannover – mit zusammen 40.000 Beschäftigten stehen zur Disposition. Zusätzlich sollten 5.000 der 21.000 Managementposten bis 2030 wegfallen. Bereits 37.000 Beschäftigte haben Aufhebungsverträge unterschrieben, vereinbart waren ursprünglich 50.000 Stellenstreichungen. Nach Angaben von Reuters bezeichneten Analysten den vorgelegten Plan als Enttäuschung, die Unsicherheit über den Kurs des Konzerns bleibe bestehen.

Widerstand kommt vor allem aus Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile hält, sowie vom Betriebsrat. Laut WAZ Online forderten Betriebsrat und Managervertretung in einem Brief an die Belegschaft am 11. Juli 2026 personelle Veränderungen im Konzernvorstand und kritisierten die Informationspolitik von CEO Oliver Blume. Die Gespräche über den Umbau sollen nach der Sommerpause fortgesetzt werden. Die IG Metall hat nach Berichten an 20 Standorten mobilisiert und warnt vor größeren Auseinandersetzungen.

Die Dimension der Krise zeigt sich auch in den operativen Zahlen. Der VW-Absatz brach im zweiten Quartal 2026 um 9 Prozent ein, in China lag der Rückgang sogar bei 36,6 Prozent. Die operative Marge des Konzerns war bereits im ersten Quartal 2026 auf 3,3 Prozent gefallen. Vor diesem Hintergrund forderte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut gegenüber dem Handelsblatt eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, um die Produktionskosten zu senken. Er rechnet mit harten Jahren, erwartet aber einen Aufschwung innerhalb von fünf bis sieben Jahren.

Auch die Modellpalette steht auf dem Prüfstand

Neben Werken und Personal trifft der Sparkurs auch das Produktportfolio. Nach einer Prognose von auto-motor-und-sport.de sollen Modelle wie der Taigo, der ID.5 und das T-Roc Cabrio (Auslauf 2027) gestrichen werden, der Touareg ist bereits eingestellt. Bei Audi ist die Nachfolge von Q8 und Q4 E-Tron ungewiss, A1 und Q2 laufen bereits aus. Besonders betroffen ist die Marke Seat, deren Absatz 2025 um 17 Prozent auf 257.400 Fahrzeuge einbrach, während die Schwestermarke Cupra mit 328.800 Einheiten einen Rekord verbuchte. Bei Skoda sieht das Magazin dagegen wenig Streichpotenzial, und Porsche hält an seinen Kernmodellen 911, Cayenne und Macan fest.

Kursbild bleibt angeschlagen

Die Kapitalmarktreaktion spiegelt die Konzernlage deutlich wider. Über sieben Tage verlor die Aktie 5,25 Prozent, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf 17,85 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 33,03 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 24,45 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro, erreicht am 15. Dezember 2025, trennen den Titel inzwischen 34,87 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro vom 1. Juli 2026 beträgt der Abstand nur noch 2,69 Prozent.

Auch die technischen Indikatoren signalisieren anhaltenden Verkaufsdruck: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 84,11 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 93,78 Euro – der aktuelle Kurs notiert 24,22 Prozent darunter. Der RSI (14 Tage) steht bei 30,2 und deutet auf eine überverkaufte Aktie hin. Die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei annualisiert 32,21 Prozent, die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 34,72 Milliarden Euro. Solange der Machtkampf zwischen Vorstand, Aufsichtsrat, Land Niedersachsen und Belegschaftsvertretern ungelöst bleibt, dürfte die Unsicherheit über die Aktie schwer lasten.

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