Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: China-Auslieferungen brechen um 25,9 Prozent ein

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 23:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de

VW leidet unter Absatzrückgang in China und internen Machtkämpfen. Die Aktie fällt auf Jahrestief, während der Sparkurs verschärft wird.

Volkswagen Aktie: China-Einbruch und Führungsstreit belasten Kurs
Abstrakte Darstellung der Automobilindustrie mit gedämpften Farben und einer Atmosphäre der Verlangsamung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Volkswagen kämpft an zwei Fronten gleichzeitig. In China bricht der Absatz ein. Im eigenen Aufsichtsrat blockiert ein Streit zwischen Eigentümerfamilien und Arbeitnehmervertretern wichtige Personalentscheidungen. Anleger reagieren nervös auf diese Kombination aus operativer Schwäche und interner Lähmung.

Personalressort bleibt vakant

Ein tiefer Dissens im Aufsichtsrat verhindert aktuell die Neubesetzung einer zentralen Position. Die Berufung von Erika Rasch zur neuen Personalvorständin wurde erneut vertagt. Die Bosch-Managerin gilt als Favoritin von Konzernchef Oliver Blume.

Die Arbeitnehmerseite knüpft ihre Zustimmung aber an Bedingungen. Sie fordert eine neue Technologie-Abteilung mit eigenem Chief Technology Officer. Dieser Posten soll Technik, Entwicklung und Einkauf bündeln — besetzt mit einem Kandidaten aus dem Gewerkschaftsumfeld.

Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch lehnen diese Konstruktion bisher ab. Markenchef Thomas Schäfer betreut das Personalressort deshalb nur übergangsweise mit. Das ist keine gute Ausgangslage für einen Konzern mitten in der Restrukturierung.

China bricht massiv ein

Die operativen Zahlen verschärfen den Druck zusätzlich. Volkswagen lieferte im ersten Halbjahr 2026 weltweit 4,13 Millionen Fahrzeuge aus — ein Rückgang von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In China, dem wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns, sind die Zahlen deutlich schlechter. Die Auslieferungen brachen dort um 25,9 Prozent ein. Bei rein elektrischen Fahrzeugen fiel der Rückgang noch drastischer aus: Die BEV-Auslieferungen sanken zwischen Januar und Juni um 47,9 Prozent.

Volkswagen verliert damit spürbar Boden gegenüber der lokalen Konkurrenz. Der gesamte chinesische Markt leidet zudem unter schwächerem Wirtschaftswachstum — das BIP legte im zweiten Quartal nur um 4,3 Prozent zu.

Blume verschärft den Sparkurs

Angesichts dieser Zahlen greift Konzernchef Oliver Blume zu drastischeren Mitteln. Ein internes Memo skizziert Szenarien, nach denen weltweit bis zu 100.000 Stellen zur Disposition stehen könnten.

Auch vier deutsche Standorte stehen auf dem Prüfstand: Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm. Für die Zeit nach 2030 gilt ihre Zukunft als ungesichert, sofern der Konzern keine wettbewerbsfähigen Nutzungskonzepte findet.

In der Politik regt sich bereits Widerstand. Der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter forderte am Donnerstag höhere EU-Zölle auf chinesische Automobile. Er will damit die Verhandlungsposition für das bedrohte Werk Zwickau stärken und chinesische Hersteller zu Joint Ventures an deutschen Standorten bewegen.

Aktie nähert sich Jahrestief

Die Volkswagen-Aktie notiert bei 73,50 Euro und verliert am Donnerstag 1,18 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 30,73 Prozent zu Buche — ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die Doppelbelastung aus China-Schwäche und Führungskrise den Kurs drückt.

Zum 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, markiert erst am 1. Juli, fehlen nur noch 6,21 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 40 zeigt eine angeschlagene, aber noch nicht überverkaufte Marktverfassung.

Am 24. Juli 2026 veröffentlicht Volkswagen die detaillierten Halbjahreszahlen. Dann zeigt sich, ob der Konzern eine Stabilisierung der operativen Marge vorlegen kann — und ob bis dahin eine Einigung im Machtkampf um das Personalressort gelingt. Ohne Konsens zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Gewerkschaft steht der gesamte "Zukunftsplan 2030" auf wackligem Fundament.

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