Hamburg, Engagement

Hamburg beklagt mangelndes Engagement fĂŒr SeehĂ€fen

17.03.2024 - 16:22:33 | dpa.de

Vor der am Mittwoch im Bundeskabinett anstehenden Entscheidung ĂŒber die lange erwartete Nationale Hafenstrategie hat Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard ein mangelndes Engagement fĂŒr die deutschen SeehĂ€fen beklagt.

"Die geringe Aufmerksamkeit in der öffentlichen Debatte passt bei Weitem nicht zur großen Bedeutung der deutschen SeehĂ€fen", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. "Angesichts des erheblichen Stellenwerts fĂŒr die deutsche Volkswirtschaft, fĂŒr den Industriestandort, fĂŒr Wertschöpfung, ArbeitsplĂ€tze, Versorgungssicherheit und Einbindung in den weltweiten Handel vermisse ich ein grĂ¶ĂŸeres Engagement."

Die Hafenstrategie biete nun die Möglichkeit, die HÀfen zu einem zentralen Bestandteil der Infrastrukturpolitik zu machen. "Aus Sicht der norddeutschen BundeslÀnder gehört auch ein substanzielles finanzielles Engagement dazu."

Nach mehrmaligen Verzögerungen will die Berliner Ampelregierung die Hafenstrategie bei ihrer Kabinettssitzung am Mittwoch beschließen. Darin sind nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums ĂŒber 130 konkrete Maßnahmen in fĂŒnf Handlungsfeldern definiert. UrsprĂŒnglich sollte die Strategie bereits im Herbst vorliegen.

In der Frage einer stĂ€rkeren finanziellen Beteiligung des Bundes an Betrieb und Unterhalt der HĂ€fen gab man sich in Berlin bislang zurĂŒckhaltend. "Auch wenn die Hafeninfrastruktur grundsĂ€tzlich in die ZustĂ€ndigkeit der LĂ€nder fĂ€llt, steht die Bundesregierung im engen Dialog mit den LĂ€ndern und den beteiligten Bundesressorts, um tragfĂ€hige Lösungen fĂŒr eine angemessene Beteiligung des Bundes an den Kosten der LĂ€nder zu erreichen", hieß es dazu kĂŒrzlich aus dem Ministerium.

"Es ist höchste Zeit fĂŒr ein klares Bekenntnis der Bundesregierung fĂŒr die deutschen HĂ€fen", mahnte Leonhard. Deutschland habe bislang keine eigene maritime Tradition - "anders als umliegende LĂ€nder, fĂŒr die die HĂ€fen nicht nur ein Standbein unter vielen sind, sondern zentraler Bestandteil der nationalen Wirtschaft. In anderen LĂ€ndern spiegelt sich das auch darin wider, welche politische Aufmerksamkeit von nationaler Ebene den HĂ€fen zuteil wird - und vor allem auch in Investitionen."

Hafenwirtschaft und die KĂŒstenlĂ€nder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern fordern vom Bund seit Langem eine deutliche Aufstockung der Bundesmittel zur Finanzierung der SeehĂ€fen. Allein fĂŒr die Infrastruktur fallen demnach pro Jahr aufgrund gestiegener Kosten 400 Millionen Euro an. Bislang zahlt der Bund lediglich 38 Millionen Euro pro Jahr fĂŒr die HĂ€fen.

Deutschlands HĂ€fen wĂŒrden bislang im Wesentlichen als kommunale Infrastruktur betrieben, sagte Leonhard. "Es sind die HafenstĂ€dte, die den Großteil der Unterhaltungs- und Ausbaulasten auf ihren Schultern tragen." Die großen deutschen See- und UniversalhĂ€fen seien aber nicht nur eine Kaimauer fĂŒr die sie umgebende Stadt. "Hamburg ist ebenso sehr Hafen fĂŒr die Industrie am eigenen Standort wie auch fĂŒr Bayern, Baden-WĂŒrttemberg und weite Teile der ĂŒbrigen Bundesrepublik."

Vor diesem Hintergrund sei die Frage zu stellen, welchen Wert Deutschland als Volkswirtschaft der Anbindung der Industrie und auch mittelstandsgeprĂ€gter Regionen an die Weltwirtschaft beimessen wolle. "Die Antwort drĂŒckt sich in dem Engagement der Bundesrepublik fĂŒr ihre HĂ€fen aus", sagte die Wirtschaftssenatorin. Als Exportnation wickele Deutschland wesentliche Teile seines Außenhandels ĂŒber den seewĂ€rtigen Handel ab. "Es ist ganz einfach: Ohne HĂ€fen keine Exportnation."

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