VW-Chef kommt nach Sachsen - Zwickau hofft auf China-Modelle
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 12:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn der kommenden Woche kommt nun Konzernchef Oliver Blume erstmals zu einer Betriebsversammlung in die E-Auto-Fabrik in Zwickau. "Wir erwarten, dass endlich Klartext gesprochen wird", sagt der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen Sachsen, Mike Rösler, der Deutschen Presse-Agentur. "Die Kolleginnen und Kollegen hier bauen mit Leidenschaft Autos und brauchen eine Perspektive, wie es nach 2030 weitergeht."
Bis Ende 2030 gibt es eine Standortgarantie - doch was kommt danach? Das ist ungewiss. Zwickau wurde zuletzt immer wieder in einer Reihe mit Emden, Hannover und Neckarsulm als die Autofabriken im Konzern genannt, die auf der Kippe stehen. "Zwickau-Mosel ist das produktivste Fahrzeugwerk von VW DE0007664039 in Deutschland", sagt Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) im Interview der "Freien Presse". Zwar seien hier die Arbeitskosten höher als etwa in Osteuropa, aber dafĂŒr sei auch die ProduktivitĂ€t pro Fahrzeug besser.
Pionier bei E-Autos
Konzernchef Blume hatte wiederholt gesagt, es gebe intelligentere Lösungen, als Werke zu schlieĂen. "Ich hoffe, dass der Vorstand seinen Job macht und uns diese Lösungen endlich prĂ€sentiert." Und das aus erster Hand. Denn zuletzt hĂ€tten die Mitarbeiter neue PlĂ€ne meist aus der Zeitung erfahren, kritisiert Rösler. "Das verstĂ€rkt die Unsicherheit hochgradig."
Die Autofabrik in Zwickau gilt als Pionier in der ElektromobilitĂ€t bei Volkswagen. Dort werden seit 2020 ausschlieĂlich E-Autos gebaut. Doch der Standort hat deutlich Federn gelassen. Rund 11.000 BeschĂ€ftigte arbeiteten dort zu Hochzeiten, aktuell sind es noch etwa 8.000 - mehr als 1.000 weitere Jobs werden in den nĂ€chsten Jahren planmĂ€Ăig wegfallen, bedauert Rösler. So soll 2027 eine der beiden Fertigungslinien stillgelegt werden.
Betriebsrat: Sparanstrengungen in allen Bereichen
DafĂŒr wird die Demontage von gebrauchten Fahrzeugen als neues GeschĂ€ftsfeld hochgefahren. Bis Jahresende werden dort laut Rösler etwa 100 Menschen arbeiten. Auf absehbare Zeit soll die Zahl nach Unternehmensangaben auf bis zu 1.000 steigen. Ziel ist es, ab 2030 jĂ€hrlich bis zu 15.000 Fahrzeuge zu zerlegen und aufzubereiten.
Der Betriebsrat verweist auf Sparanstrengungen in allen Bereichen, neben dem Abbau von Jobs etwa bei Energie- und Beschaffungskosten. Rösler: "Es wird an allen Ecken und Enden mit Hochdruck daran gearbeitet, die Ziele zu erreichen."
Doch wenn die Auslastung der Fabrik sinkt, verteuert das die StĂŒckkosten. "Unser Werk ist ausgelegt fĂŒr bis zu 360.000 Fahrzeuge, dieses Jahr werden es voraussichtlich etwa 202.000 sein", erklĂ€rt der 43-JĂ€hrige. "Bei voller Auslastung kĂ€men wir auf gleiche Produktionskosten pro Fahrzeug wie in Bratislava." In der slowakischen Hauptstadt betreibt VW eine Autofabrik.
Wackelt die 35-Stunden-Woche?
In der Diskussion um die WettbewerbsfÀhigkeit der deutschen Autoindustrie wird inzwischen auch die 35-Stunden-Woche infrage gestellt. Die passe nicht mehr in die Zeit, hatte MinisterprÀsident Michael Kretschmer (CDU) vor etwa einem Monat im Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt.
Rösler kontert: "Die Belastung durch Schichtarbeit ist hoch." Die BeschĂ€ftigten in Zwickau zeigten sich mit Sonderschichten und SchichtverlĂ€ngerungen flexibel und arbeiteten tatsĂ€chlich hĂ€ufig 39 Stunden pro Woche und mehr. Eine Anhebung der Wochenarbeitszeit wĂŒrde zudem dazu fĂŒhren, dass weniger Personal gebraucht werde und mehr Menschen ihre Arbeit verlieren, betont er.
Wirtschaftsminister Panter befĂŒrwortet mehr FlexibilitĂ€t bei der Arbeitszeit - etwa mit Blick auf die Stundenzahl und Pausenzeiten. "Wenn man an solchen Stellschrauben dreht, werden die Kosten in Mosel noch nĂ€her an Standorte wie Bratislava heranrĂŒcken", sagt er in dem Zeitungsinterview.
Blick nach China - Können dortige Modelle mehr Auslastung bringen?
Eine Option, auf die man in Zwickau fĂŒr die Zukunft hofft, ist der Bau von Modellen, die Volkswagen bisher nur in China herstellt. Als Beispiele werden die SUV ID.Unyx 08 und ID.Era 9X genannt.
Auch Panter setzt Hoffnung auf China. Er bringt ein "Joint Venture auf Augenhöhe" mit einer Mehrheitsbeteiligung von VW ins GesprÀch. "Genau so arbeiten deutsche Hersteller in China." Als mögliche Partner nennt er SAIC und FAW. "Die chinesischen Hersteller werden auf den europÀischen Markt kommen. Wir sollten darauf reagieren, so wie die Chinesen auf uns reagiert haben." Fatal sei, nach dem geplanten Aus von einer der beiden Fertigungslinien im kommenden Jahr eine komplette, hochmoderne Halle in Zwickau einfach leer stehen zu lassen.
Zu Volkswagen Sachsen gehört neben der Autofabrik im Zwickauer Stadtteil Mosel auch die GlĂ€serne Manufaktur, in der die Autoproduktion bereits eingestellt wurde, und das Motorenwerk in Chemnitz. In Chemnitz werden bisher noch Verbrennungsmotoren gebaut und damit ist das Werk gut ausgelastet. Aber auch dort brauche es auf absehbare Zeit Entscheidungen zur kĂŒnftigen Belegung, mahnt Rösler.
Konzernchef Blume wird in der kommenden Woche an mehreren deutschen Standorten vor die Belegschaft treten. Der Anfang wird am Dienstag im Stammwerk Wolfsburg gemacht, am Mittwoch folgen Emden und Zwickau.
