Wacker Chemie beerdigt Ziele für 2030 - Lichtblick im Quartal
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 10:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVon 10 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2030 ist keine Rede mehr, und mit Blick auf die operative Marge zeigt sich der Vorstand beim Kapitalmarkttag am Donnerstag in London deutlich bescheidener. Selbst wann die neuen Ziele erreicht werden sollen, verrät Wacker nicht. Zwar gibt es einen Lichtblick im aktuellen Geschäft, doch an der Börse kamen die Neuigkeiten schlecht an.
Die Wacker-Aktie verlor am Morgen zuletzt 1,9 Prozent auf 86,95 Euro und war damit einziger Verlierer im MDax DE0008467416, dem Index der mittelgroßen Werte. Damit wurde das Papier zwar noch rund ein Viertel teurer gehandelt als zum Jahreswechsel. Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre hat es jedoch fast 40 Prozent eingebüßt.
Dass Vorstandschef Christian Hartel seine Mittelfristziele nicht würde halten können, hatte sich schon abgezeichnet. So hatte der Manager seine ursprünglich 2022 vorgestellten Pläne für das Jahr 2030 bereits vor zwei Jahren angepasst. Und im Geschäftsbericht für 2025 stellte er sie angesichts der veränderten Weltlage fast beiläufig auf den Prüfstand. Der fragliche Satz findet sich in einem Abschnitt zur Strategie.
Jetzt nennt Wacker keine klaren Ziele für einen festen Zeitpunkt mehr. Das Geschäft soll lediglich noch stärker zulegen als das weltweite Wirtschaftswachstum. Und die operative Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) soll etwa 15 Prozent erreichen - mit jeweils 2 Prozentpunkten Spielraum nach oben und unten. Hier hatte Hartel vor zwei Jahren noch mehr als 20 Prozent in Aussicht gestellt.
Allerdings hatten die USA und Israel da auch noch nicht den Iran angegriffen, und die Versorgung der Welt mit Öl und Gas vom Persischen Golf stand noch nicht in Frage. Im Jahr 2024 hatte Wacker noch eine operative Marge von 13 Prozent erreicht. Schon 2025 war sie unter anderem wegen Kosten für ein Sparprogramm auf 7,8 Prozent eingebrochen.
Jetzt will Hartel die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) des Konzerns auf mehr als 10 Prozent steigern - sagt aber nicht, bis wann. Zu den Verbesserungen soll jedenfalls das Sparprogramm "Refocus" beitragen, das Wacker vor knapp einem Jahr gestartet hat. Dadurch sollen die jährlichen Kosten bis 2028 um mehr als 300 Millionen Euro sinken. Zugleich will Wacker in den kommenden Jahren jährlich etwa 300 bis 400 Millionen Euro investieren.
"Zentraler Kern von Refocus ist, dass wir unser Geschäft und unsere Investitionen künftig entlang klar definierter Portfoliorollen noch gezielter steuern", sagte Finanzvorstand Tobias Ohler. Künftig wolle der Konzern Investitionen, Innovationen und Ressourcen gezielt auf Bereiche mit besonders attraktiven Wachstumsperspektiven konzentrieren, etwa rund um Elektronik, Gesundheit und Mobilität. In etablierten Geschäftsfeldern will der Vorstand hingegen vor allem bestehende Anlagen nutzen, Abläufe verbessern und die Kapitalrendite steigern.
Nach Ansicht des Branchenexperten Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan entsprechen Wackers neue Zielvorstellungen den allgemeinen Erwartungen. Er bemängelt jedoch den fehlenden Zeitrahmen. Auch vermisst er wesentliche strukturelle Neuerungen im Bereich Solar-Polysilizium, der weiterhin in der Krise steckt. Udeshis Kollege Marcus Dunford-Castro vom Analysehaus Jefferies zeigte sich immerhin von den Aussagen zum dritten Quartal positiv beeindruckt.
So rechnet Vorstandschef Hartel für das zu Ende gehende Jahresviertel mit einem operativen Gewinn (Ebitda) auf dem Niveau aus dem zweiten Quartal. Da hatte dieses Ergebnis dank Kosteneinsparungen und einem Sondereffekt aus der Reduzierung von Pensionsrückstellungen 211 Millionen Euro erreicht. Ohne den Sondereffekt hätte es 175 Millionen Euro betragen. Derzeit entwickle sich das Chemiegeschäft etwas besser, sagte Hartel. Das Geschäft mit Solar-Polysilizium bleibe hingegen "herausfordernd".
