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Bericht zu Minneapolis bringt US-Regierung in BedrÀngnis

28.01.2026 - 10:57:46 | dpa.de

WASHINGTON - Der erste umfassende offizielle Bericht der Sicherheitsbehörden zu den tödlichen SchĂŒssen von Bundesbeamten auf den US-BĂŒrger Alex Pretti in Minneapolis bringt die Regierung von Donald Trump in BedrĂ€ngnis.

(Neu: Trump-Zitate)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Der erste umfassende offizielle Bericht der Sicherheitsbehörden zu den tödlichen SchĂŒssen von Bundesbeamten auf den US-BĂŒrger Alex Pretti in Minneapolis bringt die Regierung von Donald Trump in BedrĂ€ngnis. In dem vorlĂ€ufigen Untersuchungsbericht, den die Grenzschutzbehörde CBP per E-Mail an Mitglieder des US-Parlaments schickte, ist laut US-Medien keine Rede davon, dass Pretti nach seiner Waffe gegriffen habe. Dies war ein Kernelement der frĂŒhen Deutung des Vorfalls als Akt der Notwehr durch die Regierung.

Heimatschutzministerin Kristi Noem hatte schon kurz nach dem Vorfall am Samstag von legitimer Selbstverteidigung der EinsatzkrĂ€fte gesprochen, weil Pretti mit einer Waffe herumgefuchtelt und die Beamten damit in eine bedrohliche Lage gebracht habe. Videos der Szene decken sich jedoch nicht mit dieser Darstellung, die auch in dem Untersuchungsbericht - der sich unter anderem auf die Auswertung von Körperkameras der Beamten stĂŒtzt - keine ErwĂ€hnung mehr findet. Darin wird laut Medien wie der "New York Times" zudem erklĂ€rt, dass zunĂ€chst ein Grenzschutzbeamter der Border Patrol und dann ein CBP-Beamter auf Pretti geschossen hĂ€tten.

Hardliner im Weißen Haus rĂŒckt von Wortwahl ab

Nachdem Regierungsvertreter wie Noem anfangs schwere VorwĂŒrfe gegen Pretti erhoben und ihm wegen einer mitgefĂŒhrten Waffe Tötungsabsicht unterstellt hatten, bemĂŒhen sie sich unter dem Eindruck des öffentlichen Gegenwinds inzwischen um etwas differenziertere Töne. Besonders bemerkenswert ist eine neue Aussage von Trumps Vizestabschef Stephen Miller, der Pretti ursprĂŒnglich als "inlĂ€ndischen Terroristen" bezeichnet und ihm faktisch die Schuld an seinem eigenen Tod gegeben hatte.

CNN berichtete nun, dass der rechte Hardliner Miller dem TV-Sender nun eine Stellungnahme ganz anderer TonalitĂ€t ĂŒbermittelt habe. Demnach werde zurzeit untersucht, warum sich die Beamten vor den SchĂŒssen möglicherweise nicht an die vorgeschriebenen Protokolle fĂŒr ihren Einsatz gehalten hĂ€tten.

Trump selbst spricht von "Deeskalation"

Auch Trump selbst stellte einen gemĂ€ĂŸigteren Kurs seiner Regierung in Aussicht. "Wir werden ein wenig deeskalieren", sagte der PrĂ€sident im Interview des Senders Fox News. Details nannte er nicht. Einen Abzug der EinsatzkrĂ€fte schloss Trump aber zunĂ€chst aus. "Ich sehe darin keinen Abzug", sagte er mit Blick auf den RĂŒckzug des umstrittenen Kommandeurs der Grenzschutzbehörde, Gregory Bovino, samt einiger Grenzschutzbeamten aus Minneapolis. "Es ist eher eine kleine VerĂ€nderung."

"Beide VorfÀlle waren schrecklich"

Die TodesschĂŒsse auf den 37-jĂ€hrigen Pretti hatten landesweit große Empörung ausgelöst und Trumps Regierung in ErklĂ€rungsnot gebracht, auch weil die Videoaufnahmen den offiziellen Stellungnahmen widersprachen. Wochen davor hatte ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE ebenfalls in Minneapolis die US-BĂŒrgerin RenĂ©e Good in ihrem Auto erschossen. Davor hatte die US-Regierung Tausende Bundesbeamte in die Stadt und den umliegenden Bundesstaat Minnesota geschickt. "Unterm Strich war es schrecklich. Beide VorfĂ€lle waren schrecklich", sagte Trump zu Fox News.

Die teils vermummten EinsatzkrĂ€fte sollten bei den berĂŒchtigten Razzien helfen, mit denen Trumps rigorose Abschiebepolitik durchgesetzt wird. Die demokratische Stadtspitze von Minneapolis und der demokratisch regierte Bundesstaat wehren sich gegen die massive PrĂ€senz. Trump schien den Einsatz im Interview aber grundsĂ€tzlich zu verteidigen: "Wir haben Tausende unbelehrbare Kriminelle aus Minnesota entfernt", sagte der PrĂ€sident.

Das Heimatschutzministerium veröffentlichte nach den SchĂŒssen Fotos einer Waffe, die Pretti getragen haben soll - und schilderte den Fall so, dass er sich den Beamten mit einer Waffe genĂ€hert und eine akute Bedrohung dargestellt habe. Beim Versuch, ihn zu entwaffnen, habe er Widerstand geleistet. Ein Beamter habe aus Angst um sein Leben VerteidigungsschĂŒsse abgegeben, behauptete das Ministerium - obwohl Pretti zu diesem Zeitpunkt den Videoaufnahmen nach zu urteilen bereits entwaffnet war.

Pretti scheine fest entschlossen gewesen zu sein, maximalen Schaden anzurichten und Beamte zu töten, hatte Noem kurz nach dem Vorfall gesagt. Nichts dergleichen ist auf den Videos vom Tatort zu sehen. Dennoch gab Trump seiner Ministerin RĂŒckendeckung.

Kritik an mangelhafter AufklÀrung des Falles

Laut CBS News heißt es in dem Untersuchungsbericht, die Beamten seien bei dem Einsatz auf der Straße zunĂ€chst auf zwei Frauen mit Trillerpfeifen getroffen und hĂ€tten diese aufgefordert, aus dem Weg zu gehen. Als sie weggestoßen wurden, habe sich Pretti eingemischt, woraufhin er in Gewahrsam genommen werden sollte. Es sei zu einem Gerangel gekommen, in dem dann ein Beamter mehrfach gerufen habe, dass Pretti eine Waffe habe. Danach seien die SchĂŒsse aus den Waffen der beiden Beamten abgegeben worden.

Der Bericht fĂŒhrte laut dem TV-Sender nicht aus, ob alle Kugeln Pretti trafen. Nach den SchĂŒssen habe ein Beamter wissen lassen, dass er im Besitz von Prettis Waffe sei.

Neben den tödlichen SchĂŒssen auf den 37-JĂ€hrigen steht auch die AufklĂ€rung des Falles in der Kritik. Der Bundesstaat beklagte, dass Bundesbehörden den Zugang zu den Ermittlern verweigert hĂ€tten und der Vorfall eigentlich von örtlichen Stellen aufgeklĂ€rt werden mĂŒsste.

Da die US-Regierung unter PrÀsident Trump immer wieder Falschbehauptungen verbreitet oder die Wahrheit zumindest selektiv wiedergibt, schenken Kritiker ihren Darstellungen inzwischen keinen Glauben mehr.

Trump: Pretti hÀtte keine Waffe tragen sollen

Trump sagte nun, dass Pretti aus seiner Sicht keine Waffe hĂ€tte tragen sollen. "Er hatte eine Waffe. Das gefĂ€llt mir nicht." Zudem habe er zwei voll geladene Magazine bei sich gehabt. Zugleich sprach Trump, dessen Republikaner sich traditionell fĂŒr das Recht auf freien Waffenbesitz einsetzen, von einem "bedauerlichen Vorfall". Nach Polizeiangaben war Pretti zum Tragen einer Schusswaffe berechtigt.

Zum Einsatz der Bundesbeamten sagte Trump auch, keiner wisse, wann sie die Waffe Prettis gesehen hĂ€tten. Das ist eine bemerkenswerte Aussage auch mit Blick auf die frĂŒhe Festlegung von Regierungsvertretern zum Tatverlauf.

Über die Frage, ob Pretti bei einer Protestaktion wie am Tag des Vorfalls eine Waffe hĂ€tte tragen dĂŒrfen oder nicht, wird breit diskutiert.

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