Werde keine Kongresserlaubnis fĂŒr Iran-Krieg einholen
02.05.2026 - 08:35:22 | dpa.de(Neu: weitere Details)
WASHINGTON/TEHERAN (dpa-AFX) - Ungeachtet der Gesetzeslage wird US-PrÀsident Donald Trump sich die Fortsetzung des Iran-Krieges nicht vom Parlament genehmigen lassen. "Nie zuvor" sei eine solche Genehmigung beantragt worden, sagte er vor Journalisten in Washington. "Warum sollten wir da eine Ausnahme bilden?"
In einem Brief an den Kongress, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, erklĂ€rte Trump die Kampfhandlungen mit dem Iran fĂŒr beendet. Seit Beginn der Waffenruhe am 7. April habe es keine Gefechte zwischen dem Iran und den USA gegeben, heiĂt es darin. "Die am 28. Februar 2026 begonnenen Feindseligkeiten sind beendet."
60-Tage-Frist endet
Zum Wochenende lĂ€uft theoretisch das Zeitfenster aus, in dem Trump den Krieg fĂŒhren darf. Dem Gesetz War Powers Resolution von 1973 zufolge darf der Oberbefehlshaber maximal 60 Tage lang die Offensive befehligen. Will ein PrĂ€sident darĂŒber hinaus Kampfhandlungen des US-MilitĂ€rs befehligen, bedarf es der förmlichen Zustimmung des Parlaments. Damit soll verhindert werden, dass die USA in langwierige, nicht legitimierte EinsĂ€tze hineingezogen werden.
Trump wĂ€re nach Ende der 60 Tage theoretisch gezwungen, die US-Truppen schrittweise abzuziehen. Das wĂŒrde auch fĂŒr die SeestreitkrĂ€fte und Schiffe gelten, die trotz der Waffenruhe zurzeit die US-Blockade iranischer HĂ€fen aufrechterhalten. Allerdings gibt es Schlupflöcher, sodass Trump auch nach Verstreichen der Frist den Krieg fortsetzen könnte. Auch frĂŒhere PrĂ€sidenten wie die Demokraten Bill Clinton und Barack Obama hatten das Parlament umgangen.
Der Sprecher des US-ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, Ă€uĂerte sich Ă€hnlich wie der PrĂ€sident: Ihm zufolge befinden sich die USA derzeit gar nicht im Krieg, da es keine Kampfhandlungen gibt. Somit mĂŒsse sich die Regierung nicht an eine 60-Tage-Frist halten.
Der demokratische MinderheitsfĂŒhrer im Senat, Chuck Schumer, bezeichnete die Argumentation der US-Regierung in ihrem Brief an den Kongress als "Schwachsinn". "Das ist ein illegaler Krieg, und jeder Tag, an dem die Republikaner sich mitschuldig machen und zulassen, dass er weitergeht, ist ein weiterer Tag, an dem Menschenleben gefĂ€hrdet sind, Chaos ausbricht und die Preise steigen", kritisierte er auf X.
Hegseth hatte Argumentation der Regierung bereits dargelegt
Am Donnerstag hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth bereits erklĂ€rt, die Regierung dĂŒrfe den Krieg gegen den Iran noch Wochen ohne Zustimmung des Kongresses fortsetzen. "Wir befinden uns derzeit in einer Waffenruhe, was nach unserem VerstĂ€ndnis bedeutet, dass die 60-Tage-Frist (...) pausiert oder stoppt", sagte er vor einem Ausschuss des Senats.
Mark Nevitt, Jura-Professor an der Emory UniversitÀt in Atlanta, stellt diese Argumentation mit Blick auf die Seeblockade der USA jedoch infrage. Nach dem Völkerrecht gelte eine Blockade als Kriegshandlung, und der Oberste Gerichtshof habe wiederholt entschieden, dass das Völkerrecht Teil des US-Rechts sei, sagte er dem "Wall Street Journal"
Washington sucht neue diplomatische AnsÀtze
Indes versucht die US-Regierung inmitten festgefahrener GesprĂ€che zwischen Washington und Teheran Kreisen zufolge einen neuen Ansatz. Ein neues Koordinierungsgremium solle die "Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und unseren VerbĂŒndeten in der StraĂe von Hormus erleichtern", teilte ein ranghoher Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur mit.
Aus dem US-AuĂenministerium verlautete, dass MaĂnahmen ergriffen werden sollen, "um eine sichere Durchfahrt zu gewĂ€hrleisten". Dazu gehörten etwa "die Bereitstellung von Echtzeitinformationen, Sicherheitshinweise und KoordinierungsmaĂnahmen".
Konkret soll das "Maritime Freedom Construct" nach Informationen aus dem WeiĂen Haus den Informationsaustausch unter den noch nicht genannten Alliierten ermöglichen und "diplomatische sowie wirtschaftliche MaĂnahmen abstimmen", um den Iran im Falle einer weiteren Blockade der Meerenge zu sanktionieren. Welche LĂ€nder genau teilnehmen sollen und ob etwa Deutschland angefragt wurde, war zunĂ€chst unklar. Das US-MilitĂ€r solle unterdessen die Seeblockade von Schiffen, die iranische HĂ€fen anlaufen oder verlassen, aufrechterhalten.
StraĂe von Hormus weiterhin Streitpunkt
Nach einem Bericht der britischen Marine passieren derzeit tĂ€glich weniger als zehn Schiffe durch die StraĂe von Hormus. Mehr Schiffe verlassen demnach den Persischen Golf als andersherum. Bevor die wichtige Meeresenge vom Iran infolge des Kriegs blockiert wurde, fuhren etwa 130 Schiffe tĂ€glich hindurch, hieĂ es weiter.
Die britische Marine betreibt eine internationale Seenotrettungshotline und dokumentiert seit Ausbruch des Kriegs 41 gefĂ€hrliche VorfĂ€lle in der Meeresenge. Besonders besorgt sei der Chef der Behörde, Kommandeur Jo Black, ĂŒber die Seeleute, die auf den bis zu 870 Schiffen im Golf festhĂ€ngen: "Es finden keine Besatzungswechsel statt. Die Seeleute kehren nicht nach Hause zurĂŒck, Lebensmittel und VorrĂ€te kommen zwar an, sind aber knapp, und langfristig sind auch Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zu befĂŒrchten."
Irans Parlamentssprecher und zentraler Verhandler Mohammed Bagher Ghalibaf machte sich am Donnerstag ĂŒber die US-Seeblockade lustig: Der Iran habe lange Landesgrenzen. Ein iranischer Handelsverband gab an, dass 40 Prozent des landeseigenen Handels auf Landrouten verlegt werden könnten. Genauer belegt oder spezifiziert wurde die Behauptung nicht. Das enorme ĂlgeschĂ€ft verlĂ€uft jedoch per Schiff - eine Verlegung auf Landwege kann kaum Ă€hnliche Volumen abbilden.
Iran macht neue VorschlÀge zur Beendigung des Krieges
Unterdessen ĂŒbergab der Iran nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna einen neuen Vorschlag an die Vermittler in Pakistan. Auf den neuen Vorschlag angesprochen sagte Trump vor Journalisten, der Iran wolle einen Deal machen, aber "ich bin nicht zufrieden damit". Ăber Inhalte der neuen Initiative wurde zunĂ€chst nichts offiziell bekannt.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
