Washington Trust: Marge zieht an
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Gewinnsprung von 27 Prozent zum Vorquartal, und die Aktie bewegt sich kaum. Washington Trust Bancorp hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Wall Street übertroffen — an der Börse reagierten Anleger dennoch mit bemerkenswerter Gelassenheit.
Die Rhode-Island-Bank verdiente 0,83 Dollar je Aktie, sechs Cent mehr als von Analysten geschätzt. Der Umsatz kletterte auf 60,47 Millionen Dollar und lag damit ebenfalls über Konsens. Der Nettogewinn stieg auf 16 Millionen Dollar, ein Plus von 3,4 Millionen Dollar gegenüber dem ersten Quartal.
Die Aktie schloss bei 36,32 Dollar, ein Minus von 0,82 Prozent, nachbörslich blieb der Kurs unverändert. Das Papier notiert damit nur wenige Prozent unter seinem Jahreshoch von 37,50 Dollar — nach der bereits gelaufenen Erholung der vergangenen Monate blieb für die Reaktion auf die Zahlen wenig Spielraum nach oben.
Zinsmarge als Wachstumstreiber
Der eigentliche Kern der Geschichte liegt in der Nettozinsmarge. Sie kletterte auf 273 Basispunkte, ein Plus von 10 Basispunkten zum Vorquartal und 37 Basispunkten zum Vorjahr. Ein Teil des Effekts ist technischer Natur: Zum 1. Mai lief die vollständige Abschreibung eines beendeten Zinssicherungsgeschäfts aus, was künftig eine bislang belastende Kostenposition aus der laufenden Ergebnisrechnung entfernt.
Management-seitig soll sich der Trend fortsetzen. Für das dritte Quartal wird eine Marge von 275 Basispunkten avisiert, für das vierte Quartal 280 Basispunkte. Zusätzlich rechnet die Bank im dritten Quartal mit einem einmaligen Effekt von rund 700.000 Dollar aus der letzten Abschreibungstranche.
Parallel zur Margenausweitung baut Washington Trust sein Firmenkundengeschäft aus. Das Institutional-Banking-Team, das unter anderem Kredite an gemeinnützige Bildungseinrichtungen vergibt, trieb den Anteil der C&I-Kredite am Gesamtportfolio von 11 auf 13 Prozent. Nach Unternehmensangaben sieht das Team ein Marktpotenzial von rund 700 Millionen Dollar, bleibt dabei aber selektiv bei Preis und Bonität.
Im Wealth Management erreichte das verwaltete Vermögen einen Rekordwert, die Erträge stiegen um 5 Prozent zum Vorquartal. Auch das Hypothekengeschäft legte zweistellig zu, wenngleich das erhoffte Wiederanspringen der Refinanzierungsaktivität bislang ausblieb.
Auf der Kostenseite kündigte die Bank für das dritte Quartal einen Anstieg von etwa einer Million Dollar an, bedingt durch Neueinstellungen, höhere Hypothekenvolumina und die Eröffnung neuer Filialen. Im Herbst soll zudem eine erweiterte Digitalplattform für Geschäftskunden starten, während in Bristol, Rhode Island, die 30. Filiale des Instituts entsteht.
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