WDH/ Sorge um Kerosin-Nachschub: Lufthansa tankt auswÀrts
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAbsatz)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Wegen eines möglichen Kerosin-Mangels am Frankfurter Flughafen hat die Lufthansa DE0008232125 ungewöhnliche MaĂnahmen ergriffen. Die Piloten wurden angewiesen, bei FlĂŒgen an das Drehkreuz zusĂ€tzlichen Treibstoff an Bord zu nehmen. Damit sollen die VorrĂ€te in Frankfurt entlastet werden, auch wenn laut Flughafenbetreiber Fraport DE0005773303 die Versorgung mit Kerosin gesichert ist. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.
Droht dem Frankfurter Flughafen der Sprit auszugehen?
Aktuell eindeutig nein. Die Flughafengesellschaft Fraport AG versichert, dass die BetriebsfĂ€higkeit trotz Wartung einer wichtigen Pipeline nicht beeintrĂ€chtigt sei. Die Lufthansa bezeichnet zudem ihr Vorgehen als "reine VorsichtsmaĂnahme". Die Vorkehrungen zeigten bereits Wirkung und könnten voraussichtlich in "absehbarer Zeit" wieder eingestellt werden, versichert eine Sprecherin des Unternehmens.
Wie wird der Flughafen mit Kerosin versorgt?
Deutschlands gröĂter Flughafen ist ĂŒber zwei Pipelines, die zur kritischen Infrastruktur zĂ€hlen, mit den groĂen SeehĂ€fen an der Nordsee verbunden. Dazu gehört auch die Nato-Pipeline. Details zu der Wartung will Fraport aus SicherheitsgrĂŒnden nicht nennen.
Ein weiterer Versorgungsweg lĂ€uft ĂŒber die WasserstraĂen Rhein und Main, die bereits seit dem Sommer unter niedrigen WasserstĂ€nden leiden. Tankschiffe können entsprechend weniger FlĂŒssigkeit laden und an die MainhĂ€fen in FlughafennĂ€he transportieren. Am Flughafen selbst betreiben die Kerosin-Lieferanten gemeinsam ein Tanklager mit einer KapazitĂ€t von 186 Millionen Litern. Das reicht laut Fraport ungefĂ€hr fĂŒr zehn Tage.
Warum ist die Lufthansa so besorgt?
Pipeline-Wartung und kaum befahrbare FlĂŒsse waren fĂŒr die Betriebsplaner der Lufthansa offenbar eine Gemengelage mit einem zu hohen Risiko, dass FlĂŒge aus Spritmangel abgesagt werden mĂŒssten. FĂŒr den Einkauf ist die Airline selbst verantwortlich, so dass FlugausfĂ€lle auch wegen möglicher EntschĂ€digungsansprĂŒche gegenĂŒber den Passagieren teuer werden könnten. Ziel ist ein verlĂ€sslicher Flugbetrieb.
Welche MaĂnahmen hat Lufthansa ergriffen?
Das Unternehmen hat die Crews angewiesen, bei FlĂŒgen nach Frankfurt zusĂ€tzlichen Kraftstoff aufzunehmen, um die VorrĂ€te am Rhein-Main-Flughafen zu schonen. Zuvor hatte die "Bild-Zeitung" aus den Anweisungen zitiert. Lufthansa ist der mit Abstand gröĂte Nutzer des Flughafens und hat einen entsprechenden Hebel zur VerfĂŒgung.
In den Mittelstreckenjets der A320-Familie sollen demnach bis zu acht Tonnen zusĂ€tzlicher Sprit mitgefĂŒhrt werden. Das ist mehr als ein Drittel der TankkapazitĂ€t von rund 20 Tonnen und reicht fĂŒr einen Mittelstreckenflug von um die 3.000 Kilometer.
Im Normalbetrieb landen Passagierflugzeuge mit nahezu leerem Tank, weil zusĂ€tzliches Gewicht Verbrauch und Umweltbelastungen in die Höhe treibt. Bei höherem Landegewicht verschleiĂen zudem Flugzeugbauteile wie das Fahrwerk schneller, es entstehen also zusĂ€tzliche Kosten. Auf Einnahmen will die Lufthansa dann nicht auch noch verzichten, sodass zusĂ€tzlicher Sprit nur bis zu der Grenze mitgefĂŒhrt werden darf, wo sonst Fracht oder Passagiere ausgeladen werden mĂŒssten.
Was bedeutet das fĂŒr die Passagiere?
EinschrĂ€nkungen fĂŒr Passagiere gibt es derzeit nicht. Die Fluggesellschaften Lufthansa und Condor fliegen nach eigenen Angaben planmĂ€Ăig. Sollten FlĂŒge wegen Kerosin-Mangels kurzfristig gestrichen werden, haben Passagiere nach EU-Regeln das Recht auf eine Ersatzbeförderung und EntschĂ€digungen zwischen 250 und 600 Euro, wenn die Airline verantwortlich ist. Ein lokaler, nicht beherrschbarer Kerosin-Mangel kann laut dem Fluggastrechteportal Flightright im Einzelfall dazu fĂŒhren, dass die Airline keine EntschĂ€digung zahlen muss.
