Bund will HeimatgefĂŒhl stĂ€rken - Hilft das gegen Frust?
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 15:08 Uhr, dpa.deDie Bundesregierung will Problemen vor Ort besser auf die Spur kommen und so auch das HeimatgefĂŒhl stĂ€rken. "Unsere Heimat gehört denen, die sich um das Miteinander kĂŒmmern, nicht denen, die das Gegeneinander organisieren", sagte Minister Alois Rainer bei der Vorstellung einer "Heimat-Agenda" im brandenburgischen Chorin.
Das Agrarressort des CSU-Politikers ist in der schwarz-roten Regierung mit fĂŒr Heimatpolitik zustĂ€ndig, und das soll kĂŒnftig auch noch klarer sichtbar werden. Rainer stellte dafĂŒr eine Agenda mit dem Titel "Miteinander ist es Heimat" vor, die vor allem mehr Vor-Ort-PrĂ€senz und Dialog verspricht. "Wir gehen dorthin, wo man uns braucht, etablieren verbindliche Formate und gehen dann direkt in die Umsetzung", sagte Rainer. Denn Heimat sei am stĂ€rksten, wenn Menschen konkret erleben, dass sie Dinge so gestalten können, wie sie es auch brauchen.
RegelmĂ€Ăige Dialoge geplant
Kern der Agenda sollen regelmĂ€Ăige "Heimat-Dialoge" des Ministeriums gemeinsam mit LĂ€ndern, Kommunen, VerbĂ€nden und weiteren Partnern sein. ErgĂ€nzend soll ein "Heimatreport", eine reprĂ€sentative Umfrage, Ansichten und Handlungsfelder ermitteln. Ein neuer "Bundespreis Heimat" soll Menschen und Initiativen auszeichnen, die sich besonders fĂŒr das Miteinander engagieren. Auch eine weitere Förderung der regionalen Wirtschaft steht mit im Blick.
ZusĂ€tzliches Geld stellte Rainer angesichts angespannter Haushalte nicht in Aussicht. Fördermittel sollten aber mehr in der Breite wirken, statt dass man etwas fĂŒr jedes Projekt einzeln erkĂ€mpfen mĂŒsse. Und der Blick fĂŒr Lösungen von Alltagsproblemen solle Querschnittsaufgabe der ganzen Regierung sein.
"Wir verteidigen das Miteinander"
Dabei wird deutlich, dass es in Zeiten der Krisen und UmbrĂŒche auch um ein Signal fĂŒr mehr Zusammenhalt und Zuversicht gehen soll. "Wir brauchen wieder gemeinsame Ziele, WertschĂ€tzung und auch Optimismus", sagte Rainer. Und formulierte als Versprechen: "Wir hören zu. Wir nehmen die Lebenswirklichkeit vor Ort sehr ernst. Wir stĂ€rken die Menschen, die anpacken. Wir verteidigen das Miteinander gegen alle, die nur spalten und schlechtreden wollen."
Angesprochen auf hohe Stimmanteile gerade in lĂ€ndlichen Regionen fĂŒr die AfD, die teils auch auf das Motiv der Heimat setzt, meinte der CSU-Politiker, das sei "kein geschĂŒtzter Begriff fĂŒr die Bundesregierung". Und betonte zugleich: "Ich habe mit Sicherheit keine Angst vor der AfD." Wichtig sei, die vielen Dinge nach vorne zu stellen, die positiv laufen. Da dĂŒrfe man sich nicht kirre machen lassen.
"Wunderbare Lernorte fĂŒr Demokratie"
Vor der Vorlage seiner Agenda hatte Rainer ein paar Kilometer entfernt im 300-Einwohner-Ortsteil Serwest das Dorfgemeinschaftshaus besucht. In dem ehemaligen SchulgebĂ€ude wurde ihm eine Reihe von AktivitĂ€ten vorgestellt - von einer Seniorengruppe und der freiwilligen Feuerwehr ĂŒber Angebote fĂŒr Yoga und Tischtennis bis zu einem CafĂ©. FĂŒr das Obergeschoss, das noch saniert werden muss, werden Ideen gesammelt. Den Favoriten bekam der Minister auch zu hören: nĂ€mlich, dass dort eine Arztpraxis einziehen könnte.
Die PrĂ€sidentin des Deutschen Landfrauenverbands, Petra BentkĂ€mper, die mit dabei war, stellte heraus, dass die Zahl freiwillig engagierter Menschen steige. Mit hoher Motivation, Verantwortung und oft auch notwendigem Pragmatismus gestalteten sie Zukunft in den Regionen. "Und nebenbei sind unsere Vereine und VerbĂ€nde ja auch wunderbare Lernorte fĂŒr Demokratie." Es gehe aber nicht alles nur mit dem Ehrenamt. BentkĂ€mper sagte, sie freue sich ĂŒber eine gewisse neue Landlust. Aber immer noch verlieĂen vor allem junge Frauen die lĂ€ndlichen RĂ€ume - unter anderem auch aus dem Grund fehlender Bildungschancen.
Auch StÀdte solle in den Blick
Rainer prĂ€sentierte seine Agenda vor einem idyllischen Dorfteich im GrĂŒnen. Und in lĂ€ndlichen Regionen leben laut Ministerium 57 Prozent der Menschen in Deutschland. Unter anderen mit vielen mittelstĂ€ndischen Firmen wird dort fast die HĂ€lfte des Bruttosozialprodukts (47 Prozent) erwirtschaftet. Nur ums Land gehen soll es aber nicht. "Wir werden natĂŒrlich genauso die urbanen RĂ€ume im Blick haben", sagte Rainer. Wie fĂŒr ihn sein Heimatort in Bayern ein StĂŒck weit Heimat ist, seien es fĂŒr viele etwa auch Berlin-Neukölln oder Berlin-Kreuzberg.
