ROUNDUP, Widerrufsknopf

Widerrufsknopf und Greenwashing - LÀnder stÀrken Verbraucher

Veröffentlicht: 30.01.2026 um 15:47 Uhr, dpa.de

Online-Shopping und Suche nach nachhaltigen Produkten: Der Bundesrat hat Entscheidungen getroffen, die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern stÀrken sollen.

Das geplante Tierwohllogo fĂŒr Fleisch kommt auch auf Wunsch der LĂ€nder dagegen spĂ€ter.

Verpflichtender Widerrufsbutton kommt

Wer beim Online-Shopping oder einem Vertragsabschluss sich falsch entschieden hat, kann das bald leichter rĂŒckgĂ€ngig machen. Der Bundesrat stimmte einer GesetzesĂ€nderung zu, die Unternehmen dazu verpflichtet, auf ihrer Website beziehungsweise in der App einen gut sichtbaren Widerrufsbutton anzubringen.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen kĂŒnftig nicht mit sogenannten Dark Patterns manipuliert werden dĂŒrfen. Darunter versteht man Designelemente, die das Verhalten von Konsumenten so steuern sollen, dass diese den Überblick verlieren - und dadurch dann unbeabsichtigt Optionen auswĂ€hlen, die dem Anbieter nutzen.

Auch fĂŒr Patientinnen und Patienten bringt das Gesetz Verbesserungen mit. Der erste Einblick in die vollstĂ€ndige Behandlungsakte wird kĂŒnftig kostenfrei möglich sein.

HĂ€rtere Konsequenzen fĂŒr Greenwashing

Wer auf der Verpackung, in Anzeigen, WerbebroschĂŒren oder im Internet mit Begriffen wie "umweltfreundlich" oder "klimaneutral" wirbt, muss diese Behauptung kĂŒnftig auch belegen können. Andernfalls drohen Abmahnung oder sogar Schadenersatz.

Nachhaltigkeitssiegel dĂŒrfen gemĂ€ĂŸ der Neuregelung nur noch dann benutzt werden, wenn sie auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt wurden. Gelten sollen die neuen Regeln ab dem 27. September 2026.

Staatliches Tierhaltungslogo auf 2027 verschoben

Das lange geplante staatliche Tierhaltungslogo fĂŒr Fleisch im Supermarkt wird erst zum 1. Januar 2027 eingefĂŒhrt. Vorgesehen war dies nach einer ersten Verschiebung zuletzt zum 1. MĂ€rz 2026. Hintergrund der erneuten Verzögerung waren auch Bitten der BundeslĂ€nder. Die Pflichtkennzeichnung soll zunĂ€chst fĂŒr Schweinefleisch gelten.

Union und SPD wollen jetzt noch Nachbesserungen an dem System vornehmen und es Mitte 2027 dann auch gleich auf Restaurants und Kantinen ausweiten. Nach mehreren gescheiterten AnlĂ€ufen war die Kennzeichnung fĂŒr inlĂ€ndische Erzeugnisse 2023 von der Ampel-Koalition per Gesetz beschlossen worden. Sie soll Kunden beim Fleischkauf mehr Klarheit ĂŒber die Bedingungen in den StĂ€llen bringen.

Beschleunigter Waffenkauf fĂŒr die Bundeswehr

Angesichts der verschĂ€rften Bedrohungslage sollen RĂŒstungsgĂŒter fĂŒr die Bundeswehr schneller und einfacher angeschafft werden können. RĂŒstungsauftrĂ€ge können kĂŒnftig deutlich hĂ€ufiger als bisher ohne langwierige Ausschreibung an Auftragnehmer vergeben werden. Beim Auftragsvolumen werden die Grenzen, bis zu denen derartige Direktvergaben zulĂ€ssig sind, werden mit der Reform stark angehoben.

Filmen in der Sauna: "Digitaler Voyeurismus" soll strafbar werden

NRW, Niedersachsen und das Saarland fordern Regelungen gegen ungewollte Filmaufnahmen in der Sauna oder Umkleidekabine. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat bereits angekĂŒndigt, die strafrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, gegen solchen "digitalen Voyeurismus" vorzugehen.

Abschuss von Wölfen soll erleichtert werden

Die Bundesregierung will den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen, damit bestimmte gefĂ€hrliche Tiere leichter getötet werden können - etwa wenn sie ZĂ€une ĂŒberwunden und Schafe getötet haben. LĂ€ndervertreter stellten sich hinter die PlĂ€ne, Ă€ußerten aber auch Kritik: Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) beschwerte sich ĂŒber zu geringe Einbindung der LĂ€nder und forderte, dass der Entwurf mehr Rechtssicherheit fĂŒr JĂ€ger schaffen mĂŒsse.

Holocaust-Gedenken und SolidaritÀt mit der Ukraine

Der Bundesrat gedachte kurz nach dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz zudem des Holocaust und warnte vor Antisemitismus und anderen Formen von Extremismus. In einer Entschließung bekrĂ€ftigte die LĂ€nderkammer vorige BeschlĂŒsse, wonach das Existenzrecht des Staates Israel und die Sicherheit jĂŒdischer Menschen in Deutschland zur deutschen StaatsrĂ€son gehören.

In einer weiteren Entschließung zum vierten Jahrestag des russischen Überfalls der Ukraine am 24. Februar 2022 verurteilte der Bundesrat den Angriffskrieg, stellte sich an die Seite der Ukraine und befĂŒrwortete die UnterstĂŒtzung des Landes. Er mahnte aber auch Reformen und Anstrengungen in der KorruptionsbekĂ€mpfung an.

de | boerse | 68534968 |