Streit um Energiewende-PlÀne - LÀnder beraten auf Norderney
20.05.2026 - 05:50:04 | dpa.deWie geht es weiter mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, der Stromnetze und der Energiewende insgesamt? DarĂŒber beraten von heute an die Energieministerinnen und Energieminister der LĂ€nder mit dem Bund auf der Nordseeinsel Norderney.
Eigentlich hatte Niedersachsens Energieminister und Gastgeber der Konferenz, Christian Meyer (GrĂŒne), auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erwartet. Die Ministerin fehlt jedoch. Sie sei erkrankt und werde von einem StaatssekretĂ€r vertreten, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.
Der GesprĂ€chsbedarf zwischen LĂ€ndern und Bundesregierung ist groĂ. Meyer befĂŒrchtet, dass die ReformplĂ€ne des Bundes den Ausbau der Erneuerbaren bremsen könnten. "Wir hören ja eine Vielzahl von GesetzesĂ€nderungen mit Bremsen und Stoppschildern, die sich vor allem die Bundeswirtschaftsministerin vorstellt: Netzausbaustopp in groĂen Teilen Niedersachsens, ein gekĂŒrztes EEG und neue fossile Gaskraftwerke", sagte Meyer der Deutschen Presse-Agentur.
Die Branche sei durch die Signale aus Berlin verunsichert. "Wir möchten einen Fahrplan haben, wie das, was wir in den LÀndern haben, nÀmlich einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und der Speicher, in einen gemeinsamen Rahmen mit dem Bund gebracht wird", sagte Meyer.
Streit um Netzpaket
Reiche hatte sich zuletzt wegen hoher Kosten fĂŒr einen Kurswechsel in der Energiepolitik ausgesprochen. FĂŒr Kritik sorgt vor allem ihr geplantes sogenanntes Netzpaket. Damit soll der Ausbau von Wind- und Solaranlagen stĂ€rker an den Netzausbau gekoppelt werden.
So sollen teure Abregelungen wegen ĂŒberlasteter Stromnetze vermieden werden. Neue Gaskraftwerke sollen im Zuge des Kohleausstiegs die Versorgung sichern, wenn zu wenig Wind- und Solarstrom erzeugt wird. Betreiber neuer Ăkostrom-Anlagen in ĂŒberlasteten Netzgebieten sollen laut Gesetzentwurf zudem keine EntschĂ€digung mehr erhalten, wenn Anlagen wegen drohender NetzĂŒberlastung abgeschaltet werden.
Das wĂŒrde nach EinschĂ€tzung Meyers groĂe Teile Niedersachsens mit viel Windkraft und Bayerns mit viel Solarenergie treffen. Investitionen könnten dadurch ausgebremst werden. "Der Bund darf hier nicht zum Investitionsrisiko werden", warnte der Minister.
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) fordert von der Konferenz ein klares Bekenntnis zur Energiewende. Die aktuelle Energiekrise zeige, dass erneuerbare Energien die Versorgungssicherheit stĂ€rkten, sagte BEE-PrĂ€sidentin Ursula Heinen-Esser. Man erwarte ein klares Signal "gegen bundespolitische Bremsversuche und fĂŒr verlĂ€ssliche Investitionsbedingungen".
Ergebnisse am Freitag erwartet
Meyer sagte, Deutschland mĂŒsse den Ausbau von Netzen und Erneuerbaren eher beschleunigen, auch um AbhĂ€ngigkeiten von fossilen EnergietrĂ€gern zu verringern. Er verwies zudem auf das jĂŒngste Gutachten des Expertenrats fĂŒr Klimafragen der Bundesregierung, wonach die bisherigen BemĂŒhungen nicht ausreichten, um die Klimaziele fĂŒr 2040 zu erreichen.
"Es wird also bei der Konferenz darum gehen: Gibt es ein Rollback, ein Ausbremsen der Energiewende, oder legen wir noch mal eine Schippe drauf?", sagte Meyer.
Auf der Tagesordnung der Energieministerkonferenz stehen rund 30 AntrÀge. Themen sind auch Krisenvorsorge, SpeicherkapazitÀten und die Offshore-Windkraft. Ergebnisse der Beratungen sollen am Freitag vorgestellt werden.
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