Windrad-Gigant in der Lausitz - Wetter verzögert Weltrekord
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 08:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Bauarbeiten an dem gigantischen Turm, der 365 Meter erreichen soll, sind laut Unternehmen Gicon so gut wie abgeschlossen. An dem Standort in Schipkau in der Kohleregion der Lausitz wollen die Entwickler des Projekts einen Weltrekord ausrufen.
Aber der Zeitplan fĂŒr die entscheidende Phase verzögert sich wegen des Wetters und starker Winde. Statt wie geplant an diesem Sonntag soll der Koloss nun im Laufe der kommenden Woche auf die finale Höhe wachsen, wie das Unternehmen in Dresden erklĂ€rte. Ein BĂŒrgerfest sollte dennoch wie geplant heute gefeiert werden.
In den kommenden Jahren muss sich dann noch zeigen, ob der XXL-Prototyp mit dem Ziel eines höheren Stromertrags Schule macht und Windparks damit aufrĂŒsten. Die Entwickler sprechen von einer Pionierleistung und nennen es ein SchlĂŒsselprojekt fĂŒr die Energiewende.
Was ist das Besondere am Höhenwindturm?
Das Windrad, das in einem bestehenden Windpark hochgezogen wurde, gilt als Innovation. Sie besteht aus einer Art Gitterturm und einer Stahlkonstruktion, die eher an Strommasten erinnert. "Mit ĂŒber 2.000 Tonnen verbautem Stahl und 22.000 Einzelteilen ist der Gittermast ein ingenieurtechnisches MeisterstĂŒck", schwĂ€rmt Gicon.
Die Turbine wurde zunĂ€chst in gut erreichbarer Höhe montiert. Dann muss sie mit dem Innenturm mit einem Teleskopmechanismus in die finale Position gehoben werden. Dazu kommen natĂŒrlich groĂe RotorblĂ€tter, die anders als geplant wegen des Wetters noch nicht montiert werden konnten.
Die Nabenhöhe der Anlage betrÀgt laut Gicon 300 Meter, die Gesamthöhe erreicht dann 365 Meter. Zum Vergleich: Bislang gilt der Berliner Fernsehturm mit 368 Metern als das höchste Bauwerk Deutschlands.
Handelt es sich tatsÀchlich um das höchste Windrad der Welt?
Auch nach derzeitiger EinschĂ€tzung des Bundesverbandes Windenergie handelt es sich um das gröĂte Windrad der Welt. Windenergieanlagen herkömmlicher Art haben eine Nabenhöhe von deutlich unter 200 Metern.
Allerdings stehen laut Windenergie-Verband vor allem in SĂŒddeutschland, wo es weniger Wind als etwa im Norden gibt, bereits besonders hohe WindrĂ€der. Max Bögl habe kĂŒrzlich einen 199 Meter hohen Hybridturm als Serienprodukt auf den Markt gebracht. Mit RotorblĂ€ttern seien die Anlagen insgesamt 280 Meter hoch, so der Verband.
Wer ist noch beteiligt an der Pilotanlage?
Die Gicon Gruppe mit Hauptsitz in Dresden baut den Windturm im Auftrag der 2019 gegrĂŒndeten Bundesagentur fĂŒr Sprunginnovationen. Sie soll bahnbrechenden Ideen zum Durchbruch verhelfen und kann sie staatlich fördern. "SPRIND will die BrĂŒcke bauen zwischen Forschergeist und Unternehmertum", schreibt die Bundesagentur in Leipzig.
Sie hat seit ihrer GrĂŒndung nach eigenen Angaben mehr als 300 Projekte gefördert. "Unsere Finanzierung bewegt sich typischerweise im einstelligen Millionenbereich, kann aber im Einzelfall bis zu 35 Millionen Euro betragen", teilt die Bundesagentur auf ihrer Homepage mit. Die Höhe der gesamten Investitionskosten fĂŒr den Höhenwindturm nennt Gicon nicht.
Warum wird ein Windrad in dieser Höhe gebaut?
In gröĂeren Höhen herrschen in der Regel stĂ€rkere und gleichmĂ€Ăigere WindverhĂ€ltnisse. Dadurch könne der riesige Windturm bei gleichem Rotordurchmesser etwa den doppelten Energieertrag einer konventionellen Windenergieanlage erzielen, so Gicon.
Es ist von einer konstanteren Einspeisung die Rede. Erneuerbare Energie soll so auch an Standorten mit geringem Windaufkommen besser erzeugt werden können.
Der Höhenwindturm soll einmal Strom fĂŒr bis zu 7.500 Haushalte produzieren können. Die Pilotanlage wird dem Unternehmen zufolge mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt in Betrieb genommen. ZukĂŒnftige Anlagen sollen laut Unternehmen mehr als 7 Megawatt erreichen.
Zudem könnten HöhenwindtĂŒrme kĂŒnftig innerhalb bereits bestehender Windparks errichtet werden und so zusĂ€tzliche Energie liefern, ohne neue FlĂ€chen auĂerhalb dieser Parks in Anspruch zu nehmen, hieĂ es.
Meilenstein fĂŒr die Zukunft der Windparks?
Das Projekt in SĂŒdbrandenburg bezeichnet der Windenergie-Verband zunĂ€chst vor allem als Machbarkeitsdemonstration: Der Gittermastturm sei kein Serienprodukt. "Entscheidend wird deshalb sein, welche Betriebsdaten die Anlage liefert und ob sie die in den Windgutachten prognostizierten ErtrĂ€ge tatsĂ€chlich erreicht", so der Verband.
Gicon plant jedoch, Anfang der 2030er-Jahre mit der Serienfertigung zu beginnen. Allein in Deutschland bestehe derzeit das Potenzial, bis zu 4.000 HöhenwindtĂŒrme in bereits bestehenden Windparks als sogenannte "zweite Etage" nachzurĂŒsten, so der Entwickler.
Gemeinsam mit der Bundesagentur fĂŒr Sprunginnovationen werde ein Konzept fĂŒr die zukĂŒnftige Vermarktung der Technologie erarbeitet. "Hierzu stehen wir bereits in engem Austausch mit mehreren potenziellen Partnern und Interessenten aus der Windenergiebranche."
