Zwei Wochen Tankrabatt - Kritik an Weitergabe
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBerechnungen von Ifo und DIW sehen teils deutliche LĂŒcken. Auch das Bundeskartellamt sieht keine ganz vollstĂ€ndige Weitergabe. Die Mineralölbranche widerspricht.
Tomaso Duso vom DIW kommt zum Schluss, dass nur rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent bei den Verbrauchern angekommen sind. "Seit dem 1. Oktober sind die Preise in Deutschland im Durchschnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stĂ€rker gesunken als in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt", sagt er. Zudem habe die Weitergabe inzwischen nachgelassen: Seit dem 8. Oktober liege sie im Schnitt nur noch bei 9 Cent. Allerdings schrĂ€nkt Duso ein, dass es fĂŒr die Frage, wie gut der Rabatt weitergegeben wird, auch auf den Vergleichstag ankomme. Nehme man nicht den 30. September, sondern den 27. September, liege die Weitergabe bei ĂŒber 80 Prozent. Die Beobachtung, dass sie nachlasse bleibe aber bestehen.
Das Ifo kommt auf etwas höhere Weitergaben - in der Zeitspanne von 7. bis 13. Oktober bei Superbenzin der Sorte E10 13 Cent, bei E5 14,7 Cent und bei Diesel 13,5 Cent. Auch hier bleibt aber eine LĂŒcke zu den 16,7 Cent Steuersenkung. Insbesondere am vergangenen Wochenende stellten die MĂŒnchner Wirtschaftsforscher geringe Weitergaben fest.
Defizite schon auf Ebene der Raffinerien
Auch das Bundeskartellamt sieht Defizite. "Die bisherigen Auswertungen deuten darauf hin, dass die Weitergabe der Steuersenkung schon auf Ebene der Raffinerien und des GroĂhandels zwar weitgehend, aber nicht ganz vollstĂ€ndig erfolgt ist", sagt PrĂ€sident Andreas Mundt. "Bei Benzin ist die LĂŒcke etwas gröĂer als bei Diesel." FĂŒr eine umfassende Bewertung sei es aber noch zu frĂŒh.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) widerspricht: "Auch nach vierzehn Tagen "Tankrabatt 2" gilt: Die Steuersenkung wird von unseren Mitgliedsunternehmen, den Markentankstellen, in vollem Umfang weitergegeben", sagt ein Sprecher. "Was beim Blick auf den reinen Tankstellenpreis oft unbeachtet bleibt: Die Weltmarktpreise fĂŒr Kraftstoffe sind permanent in Bewegung. So ist der internationale Produktpreis fĂŒr Benzin Super E10 seit dem 30. September um rund 5 Cent je Liter gestiegen. Das heiĂt, der Einkauf hat sich entsprechend verteuert." Das spiegle sich auch in den Verbraucherpreisen wider. "Diese sind weiterhin zu jedem Zeitpunkt rund 17 Cent gĂŒnstiger als ohne den Tankrabatt."
Aktuell ist Super E10 gut drei Cent teuer als am ersten Tag des Tankrabatts. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter laut ADAC 2,146 Euro. Diesel ist minimal billiger als am ersten Tag des Tankrabatts - am Mittwoch wurden pro Liter 2,255 Euro fĂ€llig. Beide Preise haben sich in den letzten Tagen nur relativ schwach bewegt. Am Donnerstag zeigten Daten des Spritpreisportals Tankerkönig eine gegenlĂ€ufige Entwicklung: Erste Werte bis zum Mittag deuteten auf einen Anstieg bei Diesel aber sinkende Preise fĂŒr Benzin hin.
Im europÀischen Vergleich auch mit Rabatt teuer
Im europĂ€ischen Vergleich sind Kraftstoffe in Deutschland nach wie vor eher teuer, wie aus Daten der EU-Kommission mit Stand Montag hervorgeht. Auch mit Tankrabatt war der Durchschnittspreis fĂŒr E10 der vierthöchste in der EU - deutlich hinter DĂ€nemark, den Niederlanden und Finnland und knapp vor Frankreich. Der deutsche Dieselpreis war der sechsthöchste - deutlich hinter Finnland, DĂ€nemark und den Niederlanden und einige Cent hinter Belgien und Frankreich.
Der Rabatt macht sich allerdings durchaus bemerkbar: Ende September hatte Deutschland bei E10 noch auf Platz drei der teuersten LĂ€nder gelegen, bei Diesel auf Rang vier.
