Adidas Aktie: Nigerias FuĂball-Nationalmannschaft von Nike ĂŒbernommen
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 04:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Manchmal erzĂ€hlt eine FuĂballmannschaft mehr ĂŒber einen Konzern als jede Bilanz. Nigerias Nationalmannschaft trennt sich nach elf Jahren von Nike und wechselt ab 2027 zu Adidas â ein Deal ĂŒber 8,5 Millionen Dollar jĂ€hrlich, deutlich mehr als die 1,5 Millionen Dollar, die Nike zuletzt zahlte.
Adidas betreibt inzwischen 13 GeschĂ€fte in Nigeria, Nike gerade einmal eines. Es ist ein kleines Beispiel dafĂŒr, wie der frĂ€nkische Sportartikelriese in WachstumsmĂ€rkten Boden gutmacht, wĂ€hrend die Aktie an der Börse seit Wochen unter Druck steht.
Genau dieser Kontrast ist die eigentliche Geschichte dieses Sommers: operative Fortschritte auf vielen Ebenen, aber ein Kapitalmarkt, der skeptisch bleibt.
Der Kurs schloss am Freitag bei 153,45 Euro, nach einem 52-Wochen-Hoch von 200,90 Euro im Oktober ein RĂŒckgang von rund einem Viertel. Wer die Aktie seit einem Jahr hĂ€lt, sitzt auf einem Minus von 9,5 Prozent â und das trotz einer Reihe von Meldungen, die eigentlich fĂŒr RĂŒckenwind sprechen sollten.
Der Markenmotor lÀuft, das SportgeschÀft expandiert
WĂ€hrend sich die Analysten ĂŒber Kurszahlen streiten, feiert Adidas auf der Produktseite einen Auftritt nach dem anderen. Die K-Pop-SĂ€ngerin JENNIE debĂŒtiert als Co-Designerin einer eigenen Kollektion bei adidas Originals, inspiriert von Ballett und Streetwear.
Parallel dazu lĂ€uft die zweite Kollaboration mit Thug Club, inspiriert von FuĂballkultur, und der Samba-Sneaker erlebt fĂŒr den Herbst gleich mehrere Neuauflagen â vom Kermit-grĂŒnen Klassiker bis zur Bowling-Variante mit Leoparden-Print. Das sind keine Randnotizen: Adidas Originals bleibt der UmsatztrĂ€ger, der die Marke bei jĂŒngeren Zielgruppen relevant hĂ€lt.
Im Teamsport-GeschĂ€ft zeigt sich dieselbe Dynamik. Neben dem Nigeria-Deal hat Adidas mit Hanoi FC seine erste Partnerschaft mit einem vietnamesischen Profiverein besiegelt, ein Dreijahresvertrag zum 20-jĂ€hrigen VereinsjubilĂ€um. Es sind Bausteine einer Strategie, die auf globale PrĂ€senz statt auf einzelne KernmĂ€rkte setzt â genau jener Ansatz, der Adidas historisch von reinen Performance-Marken unterschieden hat.
Der Wechsel an der Finanzspitze
Die wohl bedeutendste strukturelle Nachricht der vergangenen Tage betrifft nicht das Marketing, sondern die Chefetage: Birgit Kretschmer ĂŒbernimmt zum 1. September das Amt der FinanzvorstĂ€ndin und folgt auf Harm Ohlmeyer, der seit 2017 die Zahlen verantwortete.
Kretschmer bringt ĂŒber 30 Jahre Finanzerfahrung mit, davon 25 Jahre im eigenen Haus, zuletzt als CFO von Adidas International BV. Ein Wechsel an dieser Position in einer Phase, in der der Aktienkurs SchwĂ€che zeigt, wird von Anlegern genau beobachtet â nicht wegen Zweifeln an der Kompetenz, sondern weil jede FĂŒhrungsverĂ€nderung in unsicheren Marktphasen zusĂ€tzliche Aufmerksamkeit erzeugt.
Was der Kursverlauf wirklich zeigt
ZurĂŒck zum Kurs, denn er ist der Punkt, an dem sich ErzĂ€hlung und RealitĂ€t reiben. Das Analystenkonsens-Rating fĂŒr Adidas liegt aktuell bei âModerate Buyâ, getragen von neun Kaufempfehlungen gegenĂŒber drei Halte- und einer Verkaufsstimme.
Doch die jĂŒngsten Quartalszahlen boten AngriffsflĂ€che: Der Gewinn je Aktie verfehlte im zweiten Quartal die Erwartungen, wĂ€hrend der Umsatz die KonsensschĂ€tzung ĂŒbertraf â ein gemischtes Bild, das die Skepsis der vergangenen Wochen erklĂ€rt.
Auf 30 Sicht hat die Aktie 15 Prozent verloren, ein Tempo, das selbst in einem volatilen Marktumfeld auffĂ€llt. Der technische Zustand mit einem RSI von knapp 40 signalisiert keine extreme Ăberverkauftheit, aber auch keine Stabilisierung. Wer an Adidas glaubt, muss also aushalten, dass operative Erfolgsmeldungen â neue Kollaborationen, neue Sponsoring-Deals, ein durchdachter FĂŒhrungswechsel â kurzfristig nicht zwingend in Kursbewegungen mĂŒnden.
Ist das nun ein Unternehmen im Aufbruch oder eine Aktie im freien Fall? Vielleicht ist die ehrlichere Antwort: beides zugleich. Die operative Story bleibt intakt, die Marke gewinnt in neuen MĂ€rkten an Boden, doch der Markt preist derzeit die Risiken stĂ€rker ein als die Chancen. Das ist die RealitĂ€t vieler KonsumgĂŒterkonzerne in einer Phase, in der Anleger jede Zahl misstrauisch prĂŒfen â und Geschichten ĂŒber Trikots und Sneaker allein keine Kurse mehr treiben.
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