Air Products Aktie: Gewinnsprung trotz Milliardenverlust
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 12:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein operativer Verlust von 2,1 Milliarden Dollar und gleichzeitig ein Gewinn je Aktie von 3,47 Dollar, der die Erwartungen übertrifft – auf den ersten Blick wirkt die jüngste Quartalsbilanz von Air Products widersprüchlich. Der Grund liegt in einer milliardenschweren Sonderbelastung, die das GAAP-Ergebnis verzerrt. Operativ lief das Geschäft dagegen deutlich besser als von Analysten kalkuliert, und die Aktie reagierte am Donnerstag mit einem moderaten Kursplus.
Die Milliardencharge hinter dem Verlust
Ende Juni hatte Air Products entschieden, den Louisiana Clean Energy Complex nicht weiterzuverfolgen und eine geplante Anlage für emissionsfreien Flüssigwasserstoff in Casa Grande, Arizona, aufzugeben. Die Baukosten des Louisiana-Projekts waren von ursprünglich veranschlagten 4,5 Milliarden Dollar auf eine Spanne von 8 bis 9 Milliarden Dollar gestiegen – die erwartete Rendite passte laut Unternehmensangaben nicht mehr zu den eigenen Kriterien. Der Rückzug schlägt mit rund 2,9 Milliarden Dollar Vorsteuerbelastung zu Buche, nach Steuern rund 2,2 Milliarden Dollar, und drückt den GAAP-Verlust je Aktie auf 6,47 Dollar.
Bereinigt um diese Sondereffekte sieht das Bild anders aus. Der Umsatz legte um 5 Prozent auf 3,16 Milliarden Dollar zu, getragen von höheren Volumina und leicht verbesserter Preissetzung. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte um 9 Prozent auf 810 Millionen Dollar, die operative Marge weitete sich um 110 Basispunkte auf 25,6 Prozent aus.
Regionen liefern breite Stärke
Alle Kernregionen trugen zum Wachstum bei, wobei Asien besonders auffiel:
- Amerika: Umsatz plus 5 Prozent auf 1,32 Milliarden Dollar, operatives Ergebnis plus 6 Prozent auf 395 Millionen Dollar
- Asien: Umsatz plus 9 Prozent auf 886 Millionen Dollar, operatives Ergebnis plus 18 Prozent auf 256 Millionen Dollar – getrieben von neuen Anlagen und höheren On-Site-Volumina
- Europa: Umsatz plus 6 Prozent auf 816 Millionen Dollar, operatives Ergebnis aber nur plus 2 Prozent auf 231 Millionen Dollar
- Naher Osten/Indien: Ergebnis der Equity-Beteiligungen plus 18 Prozent auf 101 Millionen Dollar
Der Kapazitätsausbau in Asien zahlt sich damit sichtbar aus, während Europa operativ hinterherhinkt.
Anhebung der Prognose, weniger Kapitaleinsatz
Air Products hob die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr an: Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll nun zwischen 13,39 und 13,49 Dollar liegen, der Mittelwert übertrifft den zuvor erwarteten Analystenkonsens deutlich. Für das vierte Quartal stellt das Unternehmen ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,55 bis 3,65 Dollar in Aussicht.
Parallel dazu senkte das Management die geplanten Investitionsausgaben für das Geschäftsjahr auf rund 3,5 Milliarden Dollar. CEO Eduardo Menezes verwies auf einen klaren Weg zu geringeren Kapitalausgaben bei gleichzeitig profitablem Wachstum über klassische Industriegas-Projekte. Ergänzend meldete das Unternehmen eine langfristige Vereinbarung über den Bau mehrerer Luftzerlegungsanlagen für einen Halbleiterhersteller in Taiwan sowie eine finalisierte Marketing- und Vertriebsvereinbarung mit Yara für erneuerbares Ammoniak aus dem NEOM-Projekt in Saudi-Arabien.
Vor den Zahlen hatte das Analystenhaus Bernstein SocGen ein Kursziel von 345 Dollar bei einer Kaufempfehlung ausgegeben und die Projektstreichung als Signal für Kapitaldisziplin gewertet – mit möglicher Verwendung der frei werdenden Mittel für Entschuldung oder Aktienrückkäufe. Die Wall Street insgesamt stufte die Aktie mehrheitlich als Kauf ein, mit Kurszielen im Bereich um 337 Dollar.
Der nächste Belastungstest für das Management kommt mit dem Ausblick fürs vierte Quartal: Erreicht Air Products das obere Ende der Spanne von 3,65 Dollar je Aktie, wäre das ein weiterer Beleg dafür, dass sich der Rückzug aus den Wasserstoff-Großprojekten operativ auszahlt.
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