Airbus Aktie: Sadif senkt Ziel auf 201,51 Euro
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Analystenhaus mahnt zur Vorsicht, während die Bestellzahlen weiter sprudeln. Sadif Investment Analytics hat Airbus in der vergangenen Woche von Buy auf Hold zurückgestuft und das Kursziel von 228,14 Euro auf 201,51 Euro gesenkt. Die Abstufung fällt in eine Phase, in der Airbus operativ vor allem durch neue Aufträge und langfristige Investitionsentscheidungen auffällt – nicht durch Probleme im Tagesgeschäft.
Auftragsschwemme nach der Farnborough-Show
Die Auftragslage bleibt der stärkste Trumpf des Flugzeugbauers. SMBC Aviation Capital hat Ende Juli 65 A321neo und 35 A320neo fest bestellt, die Vereinbarung wurde beim Farnborough Airshow finalisiert.
Riyadh Air stockte seine A350-1000-Flotte um sechs weitere Maschinen auf, und mit BermudAir gewann Airbus einen komplett neuen Kunden für den A220-300 – gleich zehn Maschinen umfasst die Erstbestellung. Im Juli allein kamen laut Auslieferungs- und Verkaufsdaten 204 Bruttobestellungen hinzu, nach einer Delle rund um die Sommermonate ein deutlicher Rebound.
Bei den Auslieferungen kommt Airbus nach 67 übergebenen Maschinen im Juli auf 418 Flugzeuge im laufenden Jahr – bei einem Jahresziel von rund 870 Einheiten. Damit liegt der Konzern nach Angaben aus der Luftfahrtberichterstattung deutlich vor Boeing, der im selben Zeitraum 51 Auslieferungen weniger verzeichnete.
Sadif contra Morgan Stanley
Die Skepsis von Sadif steht im Kontrast zur deutlich optimistischeren Haltung, die Morgan Stanley Mitte August formulierte, als die Bank ihr Kursziel auf 255 Euro anhob und die Overweight-Einstufung bestätigte.
Zwei Häuser, zwei sehr unterschiedliche Blickwinkel auf dieselbe Aktie – ein Signal dafür, dass der Markt die Bewertung nach dem starken Kurslauf der vergangenen Monate kontrovers diskutiert.
Der Aktienkurs selbst notierte am Donnerstag bei 204,30 Euro und damit rund 7,7 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das Airbus im Januar erreicht hatte – ein Hinweis darauf, dass die Rally zuletzt an Schwung verloren hat, ohne dass die fundamentale Auftragsdynamik das widerspiegelt.
Wing of Tomorrow als langfristiger Werttreiber
Neben dem Tagesgeschäft investiert Airbus in die technologische Zukunft der Flugzeugzelle. Beim Farnborough Airshow kündigte der Konzern eine dreijährige Flugtestkampagne mit einem A321neo-Demonstrator an, der Flügel mit deutlich größerer Streckung im Rahmen des Wing-of-Tomorrow-Programms erproben soll.
Solche Projekte zahlen sich erst in Jahren aus, signalisieren aber, dass Airbus nicht nur auf volle Auftragsbücher setzt, sondern auch auf die nächste Generation effizienterer Flugzeuge.
Regulatorischer Nebenschauplatz bei Airbus Helicopters
Nicht die kommerzielle Flugzeugsparte, sondern Airbus Helicopters steht im Fokus einer neuen Vorschrift der US-Luftfahrtbehörde FAA. Wegen Berichten über fehlerhaft montierte Motorflansche am Hauptgetriebe erließ die Behörde eine Lufttüchtigkeitsanweisung für mehrere Modelle der AS350- und EC130-Baureihen, die ab 10. September in Kraft tritt.
Für den Konzern insgesamt bleibt dies ein Randthema, verdeutlicht aber die operative Komplexität eines Herstellers, der neben Verkehrsflugzeugen auch Hubschrauber und weitere Sparten betreibt.
Unterm Strich bleibt Airbus ein Konzern mit prall gefüllten Auftragsbüchern und ambitionierten Zukunftsprojekten, dessen Bewertung die Analysten derzeit unterschiedlich einordnen. Die Auftragsdynamik spricht für Zuversicht, die jüngste Abstufung erinnert daran, dass nach dem Kursanstieg der vergangenen Monate nicht jeder Beobachter weiteres Aufwärtspotenzial sieht.
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