Anthropic, Aktie

Anthropic Aktie: Cyber-Programm wird ausgebaut

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 23:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Partner meldeten mindestens 129.000 Schwachstellen; der Zugang zu Anthropics Modellen erfolgt künftig über drei Sicherheitsstufen.

Anthropic erweitert Cyber-Programm und öffnet leistungsstarke KI-Modelle
Abstrakte Darstellung von Cybersicherheit und digitaler Infrastruktur mit leuchtenden Netzwerkknoten und Datenströmen. Illustration mit AI erstellt.

Anthropic öffnet seine leistungsfähigsten KI-Modelle für mehr Sicherheitsteams. Das Unternehmen bündelt dafür zwei bisherige Initiativen in einem erweiterten Cyber Verification Program. Der Schritt folgt auf eine Bilanz, die Aufmerksamkeit erregt: Partner fanden mit Hilfe der Modelle Zehntausende Softwareschwachstellen.

Drei Stufen, abgestufte Kontrolle

Das neue Programm führt Project Glasswing und das ursprüngliche Verifizierungsprogramm zusammen. Es kennt drei Zugangsstufen: Defense, Red Team und Specialized. Alle drei umfassen Claude Opus 5.5, Sonnet 5.5, Mythos 5.1 sowie künftige Modelle.

Die Defense-Stufe richtet sich an Teams für Incident Response und Malware-Analyse. Dazu zählen Betreiber kritischer Infrastruktur, Open-Source-Maintainer und Forscher mit nachweisbaren Schwachstellenmeldungen. Die Red-Team-Stufe erlaubt autorisierte Penetrationstests, hier können sich nur Organisationen bewerben.

Die Specialized-Stufe hat die wenigsten Beschränkungen. Sie bleibt einer kleinen Gruppe vorbehalten, die sicherheitskritische Systeme wie Stromnetze, Flugsysteme und Interbank-Infrastruktur testen darf. Anthropic prüft jedes Mitglied gemeinsam mit der US-Regierung, bisherige Glasswing-Teilnehmer rücken automatisch in diese Stufe auf.

Die Bilanz von Glasswing

Partner entdeckten zwischen April und Juli mindestens 129.000 verifizierte Schwachstellen. Anthropics eigene Open-Source-Scans brachten weitere 5.500 hinzu. Mehr als 33.000 Funde stuften die Beteiligten als kritisch oder hochgradig ein.

Das Unternehmen hält die Zahlen für eine Untergrenze. Sie stammen aus der Befragung einer begrenzten Partnerzahl, die tatsächliche Wirkung dürfte laut Anthropic mindestens fünfmal so hoch liegen. Teilnehmer wie Booz Allen und Comcast berichteten, die Modelle hätten die Erkennung um Monate oder Jahre beschleunigt.

Interne Tests mit der Bewertung CyScenarioBench stützen das Konzept. Mit Claude Opus 5.5 erreichte die Red-Team-Stufe eine Aufgabenerfüllung von 68 Prozent, und zwar ohne automatische Blockaden. Das entspricht der Leistung unbeschränkter Modelle.

Sicherheit mit Auflagen

Die Öffnung hat ihren Preis. Teilnehmer müssen Daten verpflichtend speichern, damit Anthropic Missbrauch erkennen kann. Das Thema ist heikel: Die Vorstellung von Claude Mythos Preview im April hatte Befürchtungen geweckt, KI könne Software hacken, bevor sie abgesichert ist.

Im Herbst folgt mit Enterprise Frontier Safeguards eine Neuerung für Unternehmenskunden. Organisationen können ihre Daten dann in der eigenen Cloud-Infrastruktur ablegen. Eine breitere Bereitstellung auf großen Plattformen wie Google Cloud Vertex AI und Microsoft Foundry ist geplant.

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