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Anthropic Aktie: Rita Lin kippt Pentagon-Einstufung

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 04:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic setzt sich juristisch gegen das Pentagon durch und vereinbart zugleich 45 Milliarden Dollar für zusätzliche Rechenleistung.

Anthropic gewinnt Klage gegen Pentagon und baut Rechenkapazität aus
Abstrakte Darstellung einer modernen Serverinfrastruktur mit Fokus auf künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das KI-Unternehmen Anthropic hat einen entscheidenden juristischen Erfolg gegen die US-Regierung erzielt. Wie am Freitag bekannt wurde, erklärte eine Bundesrichterin die Einstufung des Unternehmens als Sicherheitsrisiko durch das Pentagon für rechtswidrig. Gleichzeitig sichert sich der Entwickler des Sprachmodells Claude durch eine weitreichende Kooperation mit dem Infrastrukturanbieter Nscale massive Rechenkapazitäten für die kommenden Jahre.

Schwere Schlappe für das US-Verteidigungsministerium

Die US-Bundesrichterin Rita Lin in Kalifornien gab am Donnerstag einer Klage von Anthropic statt und ordnete die Aufhebung der Einstufung des Unternehmens als Lieferkettenrisiko an. Die Maßnahmen des Verteidigungsministeriums bezeichnete die Richterin als illegal und unbegründet. Laut dem 59-seitigen Urteil handelte es sich bei dem Vorgehen der Behörde um eine unrechtmäßige Vergeltungsmaßnahme, die gegen den ersten Verfassungszusatz verstoße.

Hintergrund des Rechtsstreits war die Weigerung von Anthropic, seine KI-Modelle für Zwecke der Massenüberwachung oder die Steuerung autonomer Waffensysteme freizugeben. Die Trump-Administration hatte das Unternehmen daraufhin als Risiko eingestuft, was geschäftliche Beziehungen zu staatlichen Stellen und zahlreichen Enterprise-Kunden gefährdete.

Das Gericht stellte nun fest, dass die Behauptungen über angebliche Sicherheitsrisiken jeglicher Grundlage entbehrten. Anthropic begrüßte die Entscheidung, während die Regierung bereits die Prüfung einer Berufung ankündigte.

Massive Expansion der Rechenleistung

Parallel zum juristischen Erfolg treibt Anthropic seine technische Infrastruktur voran. Das Unternehmen hat einen Cloud-Vertrag mit dem Anbieter Nscale im Wert von 45 Milliarden Dollar unterzeichnet. Die Vereinbarung umfasst eine Laufzeit von sechs Jahren und sichert Anthropic den Zugriff auf 460 Megawatt Rechenleistung im Monarch Compute Campus in West Virginia.

Im Rahmen dieses Deals wird Nscale ab Ende 2027 die neue Chip-Generation Vera Rubin von Nvidia einsetzen. Das Investitionsvolumen unterstreicht den enormen Bedarf an Hardware, um mit Konkurrenten wie OpenAI Schritt zu halten.

Branchenanalysten wie Dylan Patel weisen darauf hin, dass Anthropic und OpenAI zusammen im Jahr 2026 bereits ein Drittel der weltweit neuen Rechenleistung beanspruchen könnten. Die Kosten für den Aufbau solcher Kapazitäten sind immens: Allein für den Campus in West Virginia werden Gesamtkosten von 71 Milliarden Dollar veranschlagt, wovon ein Großteil auf die Beschaffung von Prozessoren entfällt.

Strategische Allianzen und finanzielle Kennzahlen

Auch auf der Softwareseite festigt das Unternehmen seine Marktposition. Die Partnerschaft mit Salesforce, bekannt unter dem Namen „Claudeforce“, wurde zuletzt deutlich ausgebaut. Dies ermöglicht es rund 150.000 Kunden, CRM-Daten und Workflows direkt innerhalb der Claude-Umgebung zu nutzen.

Salesforce-Chef Marc Benioff betonte die Bedeutung dieser Integration, die Claude zum Standardmodell innerhalb der Kommunikationsplattform Slack macht. Salesforce selbst profitierte massiv von dieser Entwicklung und konnte aus seinem Investment in Anthropic einen Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar verbuchen.

Die finanziellen Kennzahlen von Anthropic spiegeln das rasante Wachstum wider. Die annualisierte Umsatz-Run-Rate, die Ende 2025 noch bei etwa 9 Milliarden Dollar lag, ist bis Juli auf 65 Milliarden Dollar gestiegen.

Im zweiten Quartal belief sich der gemeldete Umsatz auf 11,6 Milliarden Dollar. Diese Dynamik bereitet den Boden für den geplanten Börsengang, der für Ende September oder Anfang Oktober angestrebt wird.

Marktbeobachter rechnen bei diesem IPO mit einer Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar, nachdem das Unternehmen in einer privaten Finanzierungsrunde im Mai noch mit 965 Milliarden Dollar bewertet worden war. Ein vertraulicher Zulassungsantrag bei der SEC wurde bereits am 1. Juni eingereicht.

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