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Applied Digital Aktie: 19-Prozent-Rally dank Microsoft

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 20:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Applied Digital meldet Rekordumsatz, leidet aber unter hoher Schuldenlast. Microsoft-Zahlen und REIT-PlÀne bewegen die Aktie.

Applied Digital: Rekordumsatz, Schuldenlast und Microsoft-Rally im Fokus
Modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Server-Racks in einer professionellen, technologischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Applied Digital hat in dieser Woche zwei komplett unterschiedliche Geschichten erlebt. Erst ein Kurssturz wegen Schuldenlast, dann ein zweistelliger Rally-Tag dank Microsoft. Am Ende der Woche steht die Aktie fast dort, wo sie gestartet ist.

Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 23,84 Euro, ein Minus von 1,73 Prozent auf Tagesbasis. Über die Woche betrachtet bedeutet das nur ein leichtes Minus von 0,33 Prozent. Auf Monatssicht zeigt sich allerdings ein deutlich schĂ€rferes Bild: 23,69 Prozent Verlust in 30 Tagen.

Ein Rekordumsatz mit einem Haken

Der eigentliche Auslöser der Woche war der Quartalsbericht von Applied Digital selbst. Das Unternehmen meldete fĂŒr das vierte Fiskalquartal 2026 einen Umsatz von 258,7 Millionen Dollar. Das lag um 163,7 Millionen Dollar ĂŒber der Analystenerwartung von rund 94 bis 95 Millionen Dollar — der grĂ¶ĂŸte UmsatzĂŒberraschung in der Firmengeschichte.

Die erste Reaktion fiel entsprechend positiv aus. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um 3 bis 6 Prozent zu. Am nÀchsten Handelstag drehte die Stimmung jedoch komplett: Die Aktie fiel um etwa 12,8 Prozent, als Anleger genauer hinschauten, woher der Umsatz eigentlich kam.

Der Großteil der Überraschung stammte aus einmaligen EinrichtungsgebĂŒhren fĂŒr Mieter in Höhe von 152,4 Millionen Dollar. Das ist margenschwaches BaugeschĂ€ft, keine wiederkehrende Miete. Die tatsĂ€chlich stabilen Mieteinnahmen lagen im Quartal bei nur 44,1 Millionen Dollar.

Dazu kommt ein Schuldenberg von 5 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust nach US-GAAP fĂŒr das Gesamtjahr weitete sich trotz des Umsatzsprungs auf 249,2 Millionen Dollar aus. Morgan Stanley nahm die Bewertung Ende Juli mit einem Kursziel von 36,50 Dollar auf — deutlich unter dem Analystenkonsens von 71,50 Dollar.

Microsoft zĂŒndet den Nachbrenner

Kaum hatte sich der Schulden-Schock gelegt, kam der nĂ€chste Impuls — diesmal von außen. Microsoft legte starke Quartalszahlen vor: 90,01 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr, getrieben von der Cloud-Sparte Intelligent Cloud.

Besonders bemerkenswert: Die kommerziellen AuftragsbestĂ€nde von Microsoft wuchsen um 84 Prozent auf 678 Milliarden Dollar. FĂŒr Betreiber von KI-Rechenzentren wie Applied Digital ist das ein Signal fĂŒr anhaltende Investitionsbereitschaft der großen Cloud-Anbieter. Die Aktie schoss daraufhin am Donnerstag zeitweise um bis zu 19 Prozent nach oben.

Die Euphorie hielt nicht lange an. Am Freitag gab ein Teil der Gewinne wieder nach.

CoreWeave stÀrkt die KreditqualitÀt

Eine strukturelle Verbesserung ging in der Berichtssaison fast unter. CoreWeave, grĂ¶ĂŸter Mieter von Applied Digital mit allen drei Polaris-Forge-1-VertrĂ€gen ĂŒber 400 Megawatt und rund 11 Milliarden Dollar an vertraglich gesicherten Einnahmen, erhielt im Quartal ein Investment-Grade-Rating von A3.

Applied Digital nutzte das, um die Polaris-Forge-1-Zweckgesellschaft neu aufzustellen. CoreWeave gibt nun unbedingte Nachschussgarantien, dazu kommt ein Kreditbrief ĂŒber 50 Millionen Dollar. Das verbessert die KreditqualitĂ€t der besicherten Senior-Anleihen des Unternehmens direkt.

REIT-Umwandlung als neue Karte

ZusĂ€tzlich prĂŒft Applied Digital eine Umwandlung in einen Real Estate Investment Trust. Alle fĂŒnf Campus-MietvertrĂ€ge sind als Take-or-Pay-Vereinbarungen strukturiert. Mieter zahlen die volle vertraglich vereinbarte KapazitĂ€t, unabhĂ€ngig von der tatsĂ€chlichen Nutzung.

Analysten bewerten diese Struktur als anleiheÀhnlich, weil das Risiko einer Unterauslastung beim Mieter liegt und nicht beim Betreiber. Eine REIT-Struktur könnte die Bewertung des wachsenden Vertragsportfolios grundlegend verÀndern.

Parallel dazu zeigte eine geÀnderte Meldung institutioneller Anleger, dass Vanguard Portfolio Management 13.768.802 Aktien hÀlt. Das entspricht 4,81 Prozent aller ausstehenden Anteile, Stand Ende Juni.

Zwei Lager, ein Aktienkurs

Trotz der jĂŒngsten Talfahrt steht die Aktie auf Zwölfmonatssicht immer noch 107,30 Prozent im Plus. Die Marktkapitalisierung liegt bei umgerechnet 5,83 Milliarden Euro. Zwischen dem soliden RĂŒckgrat aus langfristigen Hyperscaler-VertrĂ€gen und der wachsenden Schuldenlast klafft eine BewertungslĂŒcke, die sich aktuell nicht schließt.

Eine mögliche KlĂ€rung der REIT-Frage in den kommenden Wochen dĂŒrfte zeigen, ob der Donnerstags-Rally tatsĂ€chlich der Anfang einer Neubewertung war — oder nur ein weiterer Fehlstart in einem ohnehin schon unruhigen Sommer fĂŒr die Aktie.

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