ATX, AT&S

ATX: AT&S fÀllt trotz Rekordquartal

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
US-TechnologieverkĂ€ufe drĂŒckten den Wiener Leitindex ins Minus; starke AT&S-Zahlen und positive Analystenimpulse Ă€nderten daran nichts.
Moderne Produktionsanlage fĂŒr Halbleiter in einer Reinraumumgebung mit automatisierten Maschinen. Illustration mit AI erstellt.

Der Ausverkauf amerikanischer Technologieaktien hat den ATX gestern ins Minus gedrĂŒckt. Nach zwischenzeitlich deutlichen Gewinnen beendete der Wiener Leitindex den Handel im Minus.

Sorgen vor einer strengeren Regulierung kĂŒnstlicher Intelligenz ĂŒberlagerten damit die Impulse zahlreicher Unternehmensberichte. Besonders deutlich zeigte sich dieser Stimmungswechsel bei AT&S: Trotz eines Rekordquartals gab die Aktie nach.

Wall Street dreht die Stimmung

Im Tagesverlauf hatte der ATX zeitweise fast zwei Prozent zugelegt. Mit der SchwÀche an der Wall Street gingen diese Gewinne verloren. Auch andere europÀische Börsen rutschten nach einem freundlichen Handelsbeginn ins Minus.

Auslöser waren BefĂŒrchtungen, dass die Wahlerfolge der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen strengere Regeln fĂŒr KI-Anwendungen und Rechenzentren nach sich ziehen könnten. Wie der Deutschlandfunk berichtete, stimmten WĂ€hler bei Referenden in mehreren US-Landesteilen meist gegen Rechenzentren. Zu den Kritikpunkten zĂ€hlen Strombedarf, Energiepreise und Wasserverbrauch.

FĂŒr den Wiener Markt kam damit ein externer Belastungsfaktor zu den Unternehmensnachrichten hinzu. Der Handelsverlauf zeigt, wie stark die Stimmung gegenĂŒber KI-Investitionen derzeit auch die Bewertung guter GeschĂ€ftszahlen beeinflusst.

Rekordzahlen treffen auf Regulierungssorgen

AT&S meldete fĂŒr das zweite Quartal des GeschĂ€ftsjahres 2026/27 einen Rekordumsatz von 681,9 Millionen Euro. WĂ€hrungsbereinigt entsprach das einem Wachstum von 52 Prozent.

Die krĂ€ftige GeschĂ€ftsentwicklung sprach operativ fĂŒr das Unternehmen. Nach Darstellung der „Presse“ belasteten die Aktie jedoch Ausbaukosten in Malaysia und Sorgen um die KI-Euphorie. Damit standen den starken Ergebnissen Bedenken gegenĂŒber, wie sich der weitere Ausbau und das verĂ€nderte politische Umfeld auswirken könnten.

AT&S bestĂ€tigte fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2026/27 ein wĂ€hrungsbereinigtes Umsatzwachstum von 45–55 Prozent sowie eine EBITDA-Marge von 32–37 Prozent. FĂŒr eine gĂŒnstigere Bewertung spricht diese Planung, sofern das Unternehmen die Wachstums- und Margenziele trotz der Belastungen erreicht.

Ein Gegenpol im Wiener Handel war Verbund. Die Aktie legte deutlich zu, obwohl niedrige WasserfĂŒhrung und gesunkene Absatzpreise das GeschĂ€ft belasteten. Das Konzernergebnis der ersten neun Monate 2026 sank um 43,5 Prozent auf 684,8 Millionen Euro.

Auch Lenzing gewann krĂ€ftig. Anleger honorierten laut „Presse“ die verbesserte Quartalsmarge und den Ergebnisausblick. FĂŒr das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen ein bereinigtes EBITDA von 430–460 Millionen Euro. Die positive operative Perspektive traf allerdings auf einen weiterhin hohen Nettoverlust.

Analysten setzen unterschiedliche Akzente

ZusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung erhielt Erste Group durch die Baader Bank. Das Analysehaus hob die Empfehlung von „Reduce“ auf „Add“ an und setzte das Sechsmonatskursziel auf 128 Euro. Analyst David Grinsztajn bezeichnete die Quartalszahlen als gut und erhöhte seine GewinnschĂ€tzungen fĂŒr die kommenden Jahre.

Bei Mayr-Melnhof bestĂ€tigte MWB dagegen die Kaufempfehlung trotz eines niedrigeren Kursziels. Dieses sank von 96 auf 90 Euro. RĂŒcklĂ€ufige GeschĂ€ftszahlen belasteten die Aktie weiterhin.

FĂŒr den ATX ergibt sich damit ein gemischtes Bild: Verbesserte Margen, bestĂ€tigte Wachstumsziele und freundlichere Analystenurteile liefern UnterstĂŒtzung, sofern die Unternehmen ihre operativen Erwartungen erfĂŒllen. Gestern ĂŒberwog zum Handelsschluss jedoch der internationale Verkaufsdruck aus dem Technologiesektor.

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