Aurubis Aktie: Bulgarien-Werk steigert Kapazität auf 340.000 Tonnen
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 11:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kupfer ist das Metall der Energiewende – jeder Windpark, jede Ladestation, jedes Stromnetz braucht mehr davon als die Generation zuvor. Wer diesen Trend nüchtern betrachten will, kommt an Aurubis kaum vorbei. Der Hamburger Multimetall-Konzern zeigt gerade, wie aus einem klassischen Schmelz- und Recyclinggeschäft ein Unternehmen wird, das von mehreren Seiten gleichzeitig profitiert – manche davon hat sich niemand ausgesucht.
Wenn ein Nebenprodukt zum Treiber wird
Aurubis nennt selbst drei Faktoren, die das operative Geschäft zuletzt gestützt haben: eine hohe Auslastung der Produktionsanlagen, gestiegene Metallpreise bei Kupfer und Edelmetallen – und, überraschend prominent, deutlich höhere Erlöse im Schwefelsäuregeschäft. Schwefelsäure fällt bei der Kupferverhüttung als Nebenprodukt an, verkauft wird sie unter anderem an die Düngemittel- und Chemieindustrie. Medienberichten zufolge hat sich das Angebot an Schwefelsäure verknappt, weil der Konflikt im Iran globale Lieferketten stört. Ein geopolitisches Ereignis, das mit der Energiewende nichts zu tun hat, wirkt hier plötzlich als zusätzlicher Ertragsfaktor für einen europäischen Industriekonzern. Genau solche Querverbindungen machen Rohstoffkonzerne heute so schwer vorhersehbar – und so interessant.
Ein Ausbauprogramm auf der Zielgeraden
Parallel dazu treibt Aurubis sein milliardenschweres Investitionsprogramm voran. Von der strategischen Agenda mit einem Volumen von 1,7 Milliarden Euro sind nach Unternehmensangaben rund 90 Prozent umgesetzt. In Bulgarien steht die Erweiterung der Kupferelektrolyse kurz vor der Inbetriebnahme, sie soll die Kapazität um die Hälfte auf 340.000 Tonnen steigern – ein handfester Schritt, mit dem sich künftige Erlöse direkt an den strukturellen Kupferbedarf koppeln lassen. Auf der anderen Seite steht das Werk Aurubis Richmond in den USA, das sich laut Unternehmensmitteilung in einem verlängerten Hochlauf befindet. Große Werke laufen selten nach Lehrbuch an, und Richmond zeigt, dass auch ein gut finanziertes Ausbauprogramm seine Reibungsverluste hat.
Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 hat Aurubis die Prognose für die operative Kapitalrendite, den ROCE, auf eine Spanne von 10 bis 12 Prozent präzisiert. Das ist keine spektakuläre Zahl, aber eine, die zeigt, dass der Konzern sein Kapital derzeit effizient einsetzt – ein Punkt, der bei einem Unternehmen mit derart hohem Investitionsvolumen keine Nebensache ist.
Der Markt hat schon reagiert
Der Aktienkurs hat diese Entwicklung längst eingepreist. Am Mittwoch schloss das Papier bei 191,70 Euro, ein Plus von 1,43 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 55,60 Prozent zu Buche – eine Rally, die weit über das hinausgeht, was man von einem traditionsreichen Kupferverhütter erwarten würde. Zum 52-Wochen-Hoch von 224,00 Euro, erreicht im Juni, fehlen dennoch 14,42 Prozent. Zwischen Rekordnähe und spürbarer Konsolidierung liegt eine Aktie, die sich offenbar noch nicht entschieden hat, wie viel vom strukturellen Rückenwind bereits im Kurs steckt.
Am heutigen Donnerstag stellt sich der Vorstand um 14 Uhr in einer Analysten-Konferenzschaltung den Fragen der Investoren. Bis zum vollständigen Geschäftsbericht für das Fiskaljahr 2025/26, der für den 1. Dezember angesetzt ist, bleibt Zeit, um zu beobachten, ob sich die drei Treiber – Auslastung, Metallpreise, Schwefelsäure – als dauerhaft oder als glückliche Kombination eines einzelnen Zeitfensters erweisen. Die spannendere Frage für Anleger ist ohnehin eine andere: Wie viel von dem, was heute als Sondereffekt gilt, wird morgen schlicht zum neuen Normalzustand einer elektrifizierten Weltwirtschaft?
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