BASF Aktie: Evonik-Poker mit Staatsbeteiligung
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Ringen um Evonik meldet sich nun die Landespolitik zu Wort. Die nordrhein-westfälische SPD will prüfen lassen, ob das Land selbst Anteile an dem Chemiekonzern erwirbt. Für BASF, die ihr Interesse an einer Übernahme bereits öffentlich gemacht hat, könnte das die Rechnung verkomplizieren.
SPD will Sperrminorität-plus für NRW
Die oppositionelle SPD-Landtagsfraktion fordert in einem Antrag, die Landesregierung solle untersuchen, ob NRW Gesellschafterin bei Evonik werden kann. Gemeinsam mit der RAG-Stiftung, die derzeit rund 43 Prozent der Aktien hält, kämen Stiftung und Land dann auf "über 50 Prozent plus X". Fraktionschef Jochen Ott nennt das einen "Stabilitätsanker" für das Ruhrgebiet.
Beraten wird der Antrag kommende Woche im Plenum. Die SPD will Evonik als eigenständigen Konzern mit Zentrale und wesentlichen Entscheidungsfunktionen in Nordrhein-Westfalen erhalten. Kommt es dennoch zu einer Übernahme, soll das Land verbindliche Zusagen durchsetzen: keine betriebsbedingten Kündigungen, kein Abbau von Arbeitsplätzen, keine Schließung oder Verlagerung wesentlicher Bereiche, und zwar für einen belastbaren Zeitraum.
Regierung hält sich bedeckt
Das Wirtschaftsministerium äußerte sich nicht direkt zu dem Vorstoß. Ministerin Mona Neubaur (Grüne) nannte Evonik einen wichtigen Arbeitgeber und wesentlichen Teil der industriellen Basis. Jede Lösung müsse sich daran messen lassen, ob sie Investitionen und Beschäftigung am Standort eine Zukunft gebe. Die Staatskanzlei hatte bereits zu Wochenbeginn betont, die eigenständige Entwicklung des Unternehmens dürfe nicht in Frage gestellt werden.
Der Hebel des Landes ist ohnehin vorhanden: Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sitzt qua Amt im Kuratorium der RAG-Stiftung. Die SPD verweist darauf, das Land habe damit unmittelbaren Zugang zu den Beratungen über Evoniks Zukunft.
Offene Sondierung
Formal ist die Lage unverändert. Evonik bezeichnete die Ansprache von BASF als unverbindlich, sie ziele auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien. Verhandelt werde derzeit nicht. BASF erklärte, Fortgang und Ausgang der Sondierungen seien offen.
Am Markt scheint das Thema die Aktie nicht zu belasten. BASF notierte am Vormittag auf Tradegate mit einem Plus von gut einem Prozent bei rund 51 Euro. Die Analystenziele reichen von 40 bis 61 Euro.
Den nächsten konkreten Termin liefert die Landespolitik: Kommende Woche debattiert der Landtag über den SPD-Antrag. Ob daraus mehr wird als ein Signal der Opposition, hängt davon ab, ob die Regierungsfraktionen den Vorstoß mittragen.
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