BASF Aktie: Rhein-Niedrigwasser kostet Logistikkosten
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 09:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Niedrige Pegelstände am Rhein bringen die deutsche Chemieindustrie in Bedrängnis – und BASF gehört zu den Unternehmen, die ihre Logistik umstellen müssen. Trotzdem bewegt sich die Aktie des Ludwigshafener Konzerns weiterhin in der Nähe ihres Jahreshochs. Der Kurs schloss am Freitag bei 51,48 Euro, ein Plus von 1,18 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 8,04 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro vom 14. April fehlen der Aktie noch 6,49 Prozent.
Rhein-Pegel zwingt BASF zum Umdenken
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnte am Donnerstag laut Medienberichten vor möglichen Produktionskürzungen, weil das Niedrigwasser im Rhein den Schiffsverkehr erschwert. BASF ist davon besonders betroffen: Rund 40 Prozent der Güter am Stammwerk Ludwigshafen werden per Schiff transportiert. Der Konzern verlagert nun Teile dieser Mengen auf Lkw und Schiene, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Der Ökonom Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet damit, dass das Niedrigwasser das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte dämpfen könnte – der volkswirtschaftliche Wertschöpfungsausfall wird grob auf ein bis zwei Milliarden Euro geschätzt. Für BASF bedeutet das zusätzliche Logistikkosten in einer Phase, in der der Konzern eigentlich mit operativem Rückenwind aus dem zweiten Quartal punkten wollte.
Starkes zweites Quartal als Rückenwind
Am 29. Juli hatte BASF Zahlen vorgelegt, die die jüngste Kursstärke erklären. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 auf 17,206 Milliarden Euro nach 14,788 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte um über 53 Prozent auf 2,449 Milliarden Euro. Vorstandschef Markus Kamieth verwies auf Fortschritte in fast allen Segmenten: „Wir haben die Position von BASF im Markt weiter gestärkt und große Fortschritte bei unseren Restrukturierungsmaßnahmen sowie bei der Weiterentwicklung unseres Portfolios erzielt.“ Der Konzern profitierte dabei auch von einer höheren Anlagenauslastung infolge von Lieferunterbrechungen im Nahen Osten, warnte zugleich aber vor anhaltenden Unsicherheiten für die Weltwirtschaft. Parallel zu den Zahlen kündigte BASF ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarde Euro an, das im August startet und bis Ende April 2027 laufen soll. Es ist Teil eines im September 2024 angekündigten Gesamtvolumens von 4 Milliarden Euro bis Ende 2028. Zwischen November 2025 und Juni 2026 hatte BASF bereits Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro zurückgekauft; 31.600.261 Aktien, rund 3,5 Prozent des Grundkapitals, sollen eingezogen werden.
Analysten uneins nach den Zahlen
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen unterschiedlich aus. UBS hob das Kursziel am 31. Juli von 52 auf 55 Euro an, beließ die Einstufung aber bei Neutral. Berenberg erhöhte sein Ziel am selben Tag von 47 auf 50 Euro und bestätigte die Bewertung Hold; Analyst Sebastian Bray sah den Kurs damals stärker durch makroökonomische Faktoren als durch unternehmensspezifische Entwicklungen getrieben. Deutlich skeptischer positionierte sich JPMorgan: Die US-Bank beließ ihre Einstufung am 29. Juli bei „Underweight“ mit einem Kursziel von 40 Euro und begründete dies unter anderem damit, dass der Konzern im zweiten Quartal auch von Sondereffekten profitiert habe. Die Spanne der Kursziele zwischen 40 und 55 Euro spiegelt die Unsicherheit wider, wie nachhaltig die operative Verbesserung tatsächlich ist. Kurz nach der Veröffentlichung der Zahlen hatte die Aktie zeitweise um 1,5 Prozent nachgegeben, nachdem die Einschätzungen der Analysten uneinheitlich ausgefallen waren.
Seit ihrem Jahrestief von 41,55 Euro am 14. Oktober 2025 hat die Aktie um 23,90 Prozent zugelegt. Sie notiert derzeit über dem 50-Tage- und dem 200-Tage-Durchschnitt, was auf einen intakten Aufwärtstrend hindeutet. Wie sich die zusätzlichen Logistikkosten durch das Niedrigwasser im weiteren Jahresverlauf auf die Marge auswirken, dürfte spätestens mit den für den 27. Oktober angesetzten Zahlen zum dritten Quartal 2026 deutlicher werden.
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