BASF Aktie: Rhein-Niedrigwasser trifft auf Bahnstrecken-Sperrung bis Dezember
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 19:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Rhein setzt BASF erneut zu. Wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX berichtet, warnt der Verband der Chemischen Industrie vor Produktionskürzungen wegen des niedrigen Wasserstands. Am Stammwerk Ludwigshafen transportiert BASF normalerweise 40 Prozent seiner Güter per Schiff – nun verlagert der Konzern Teile der Fracht auf Lkw und Schiene, um die Produktion aufrechtzuerhalten.
Logistikrisiko trifft auf schwierige Rahmenbedingungen
Das Problem ist nicht neu, aber es verschärft sich. Stefan Kooths, Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, rechnet damit, dass das Niedrigwasser das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen könnte. Deutsche Bank Research weist zusätzlich auf eine monatelange Sperrung der rechtsrheinischen Bahnstrecke hin, die bis zum 12. Dezember 2026 für den Güterverkehr nicht befahrbar ist und damit ausgerechnet jene Ausweichroute blockiert, auf die viele Unternehmen bei Niedrigwasser zurückgreifen. Für BASF, dessen Herzstück am Rhein liegt, ist das ein Risiko mit doppeltem Boden.
Die Anleger nehmen die Nachricht bislang gelassen. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die BASF-Aktie bei 51,48 Euro, ein Plus von 1,18 Prozent gegenüber dem Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem April trennen das Papier noch 6,49 Prozent – Spielraum, den die jüngste Erholung seit dem Tief im Oktober bereits deutlich verkürzt hat.
Starke Quartalszahlen dank Coatings-Verkauf
Der Rückenwind für den Kurs kommt aus der Bilanz. BASF meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro, 2,4 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum – getragen von einem Preisanstieg um 11,5 Prozent und einem Mengenwachstum um 7,3 Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte um 854 Millionen Euro auf 2,4 Milliarden Euro. Noch deutlicher fiel der Sprung beim Ergebnis nach Steuern aus: Es stieg auf 4,2 Milliarden Euro, nach nur 108 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Großteil davon, 3,5 Milliarden Euro, stammt jedoch aus dem Veräußerungsgewinn nach Steuern aus dem Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle, der zum 30. Juni 2026 vollzogen wurde.
Auf Basis dieser Entwicklung hat BASF seine Jahresprognose angehoben. Der Konzern erwartet nun ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Die Prognosen für den freien Cashflow von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro sowie für die CO?-Emissionen von 17,2 bis 18,2 Millionen Tonnen bleiben unverändert.
Rückkäufe laufen weiter, Stellenabbau schreitet voran
Parallel zur operativen Erholung setzt BASF sein Kapitalrückführungsprogramm fort. Ab August 2026 startet ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,0 Milliarde Euro, das bis Ende April 2027 laufen soll. Es ist Teil des im September 2024 angekündigten Gesamtvolumens von 4 Milliarden Euro bis Ende 2028. Zwischen November 2025 und Juni 2026 kaufte der Konzern bereits Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro zurück; 31.600.261 Papiere, rund 3,5 Prozent des Grundkapitals, sollen eingezogen werden.
Auf der Kostenseite treibt BASF den Umbau weiter voran. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 baute der Konzern weltweit rund 7.000 Stellen ab. Im Mai 2026 sank die Zahl der Vollzeitstellen bei der BASF SE in Ludwigshafen erstmals seit 1954 unter die Marke von 30.000 Beschäftigten – ein historischer Einschnitt für den Stammsitz.
Analysten uneins über weiteres Potenzial
Nach den Quartalszahlen fielen die Reaktionen der Analysten gemischt aus. UBS hob das Kursziel von 52 auf 55 Euro an, beließ die Einstufung aber bei Neutral. JPMorgan sieht das deutlich kritischer: Die Bank hält an ihrer Einstufung Underweight fest und nennt weiterhin ein Kursziel von 40 Euro, deutlich unter dem aktuellen Kursniveau. Die Spanne der Einschätzungen zeigt, wie unterschiedlich der Markt die Kombination aus Sondereffekten, laufendem Umbau und operativen Risiken wie dem Niedrigwasser bewertet.
Die nächste Gelegenheit, diese Frage neu zu beantworten, bietet sich am 27. Oktober, wenn BASF seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegt – jenem Zeitraum, in dem sowohl der Rhein-Pegel als auch die Bahnsperrung ihre volle Wirkung entfalten dürften.
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