BBVA Aktie: Türkei-Gewinnziel wackelt
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 17:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deHöhere Kreditrisiken in der Türkei überschatten die heute veröffentlichten Quartalszahlen von BBVA. Die Bank sieht Abwärtsrisiken für ihr dortiges Gewinnziel, obwohl steigende Zinserträge die zusätzliche Belastung auffangen sollen. Für Anleger steht damit nicht allein das kräftige Ertragswachstum im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie viel davon nach der Risikovorsorge übrig bleibt.
Türkei-Geschäft braucht höhere Vorsorge
Der Nettogewinn legte um 9% auf 258 Mio. Euro zu. Das Geschäft wächst damit weiter, muss aber zugleich deutlich höhere Kreditbelastungen verkraften.
BBVA-CEO Onur Genç erwartet, dass höhere Nettozinserträge die gestiegenen Risikokosten ausgleichen. Für das Türkei-Gewinnziel von 1 Mrd. Euro im Jahr 2026 sieht die Bank allerdings Abwärtsrisiken. Die erwartete Entlastung durch das Zinsgeschäft ist somit keine Garantie dafür, dass BBVA das Ziel erreicht.
Entscheidend ist diese Unterscheidung: Die Türkei liefert weiterhin einen positiven Ergebnisbeitrag. Die zusätzliche Vorsorge begrenzt jedoch, wie stark das Kreditgeschäft den Konzerngewinn anschieben kann. Genç setzt auf die Ertragsseite als Gegengewicht zu den wachsenden Belastungen.
Zinsgeschäft übertrifft die Erwartungen
Die gestiegene Vorsorge betrifft auch die Konzernrechnung. Im dritten Quartal erhöhte BBVA die Kreditrisikovorsorge laut Reuters um 24% auf 1,95 Mrd. Euro. Analysten hatten mit 1,86 Mrd. Euro gerechnet.
Damit fiel die Belastung höher aus als erwartet. Ein kräftiger Zuwachs bei den Erträgen reicht unter diesen Umständen nicht aus, um die Ergebnisentwicklung zu beurteilen. Anleger müssen auch berücksichtigen, welchen Anteil davon die Bank zur Absicherung von Kreditrisiken zurückstellt.
Auf der Ertragsseite lieferte BBVA mehr als prognostiziert. Der Nettozinsertrag stieg im dritten Quartal laut Reuters um 21,7% auf 8,08 Mrd. Euro. Der Analystenkonsens hatte bei 7,88 Mrd. Euro gelegen.
Kreditwachstum stützte diese Entwicklung. Zusätzlich half dem Mexiko-Geschäft die Aufwertung des mexikanischen Peso. Das Zinsgeschäft bildet damit das wichtigste Gegengewicht zur höheren Vorsorge, während schwächere Ergebnisse in Spanien den Konzern belasteten.
Rekordgewinn beseitigt Risikosorgen nicht
Für Januar bis September 2026 meldete BBVA einen zurechenbaren Rekordgewinn von 9.066 Mio. Euro. Das entspricht einem Anstieg um 13,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der Rekord unterstreicht die Ertragskraft der Bank. Er beantwortet aber nicht die Frage, ob sich die zusätzlichen Kreditbelastungen im weiteren Jahresverlauf vollständig kompensieren lassen. Gerade im Türkei-Geschäft bleibt die Aussage des Managements deshalb zweigeteilt: Zuversicht beim Zinsertrag steht einem Vorbehalt beim Gewinnziel gegenüber.
Die Aktie verliert heute -3,4%; die höheren Kreditbelastungen und das schwächere Spanien-Geschäft überschatten damit das Ertragswachstum. Für die weitere Einordnung zählt vor allem, ob BBVA die steigende Vorsorge durch zusätzliche Zinserträge auffangen kann. Der Türkei-Ausblick zeigt, dass dieser Ausgleich noch nicht gesichert ist.
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