Bitcoin: ETF-Ebbe trotz hoher Kursziele
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 21:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Selten klaffen Stimmung und Prognose bei Bitcoin so weit auseinander wie gerade jetzt. Der Angst-und-Gier-Index steckt seit mehr als 40 Tagen in extremer Angst – länger als während des Terra-Luna-Crashs. Trotzdem trauen große Analysehäuser der Kryptowährung weiterhin deutlich höhere Kurse zu.
ETF-Anleger ziehen sich zurück
Am 31. Juli flossen netto 265,4 Millionen Dollar aus den amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs ab. Allein BlackRocks IBIT-Fonds verlor 122,7 Millionen Dollar – einen Tag, nachdem dieselben Produkte noch 233,1 Millionen Dollar eingesammelt hatten. Diese Kehrtwende binnen 24 Stunden zeigt, wie unentschlossen institutionelles Kapital derzeit unterwegs ist.
Über den gesamten Juli kamen die Fonds nur auf 205 Millionen Dollar Nettozuflüsse – der schwächste Monat seit dem Start dieser Produkte 2024. Bitcoin selbst notiert bei 62.869 Dollar, nach einem Tagesminus von 3,25 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt damit bei rund 1,26 Billionen Dollar.
Die Kursziele der Analysten zeigen dennoch nach oben. CoinCodex sieht bis Ende August 67.166 Dollar, mit einer Spanne von 63.647 bis 87.260 Dollar. Bei den Banken reicht das Bild von 82.000 Dollar bei Citi bis 150.000 Dollar bei Bernstein – ein Analystenbild, das kaum gespaltener sein könnte.
Charttechnik in der Chop-Zone
Auf technischer Ebene bleibt die Lage angespannt. Ein Bear-Flag-Muster gilt als 80 Prozent abgeschlossen, der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 63.154 Dollar und damit knapp über dem aktuellen Kurs. Die Zone zwischen 63.000 und 65.000 Dollar gilt als reine Chop-Zone mit unzuverlässigen Signalen.
Fällt der Kurs unter die Unterstützung bei 62.383 Dollar – dem 50-Prozent-Fibonacci-Level – könnte sich der bearishe Druck verstärken. Ein Ausbruch über 65.000 Dollar würde die gesamte Bear-These dagegen kippen.
Hackerangriff auf Hardware-Wallets
Zu den technischen Sorgen gesellt sich ein Sicherheitsvorfall: Am 30. Juli wurden binnen 41 Minuten rund 70 Millionen Dollar in Bitcoin – etwa 1.083 Coins – aus 1.196 Wallets abgezogen. Ursache war eine Schwachstelle in der Firmware bestimmter Coldcard-Hardware-Wallets, die vorhersehbare Wallet-Seeds erzeugte. Der Hersteller Coinkite räumte das Problem öffentlich ein und brachte Notfall-Updates heraus, warnte aber vor weiteren möglichen Diebstählen aus betroffenen Geräten.
Bitcoin-Kritiker Peter Schiff nutzte die unruhige Marktphase für ein seltenes Eingeständnis: Er bereue, nie in Bitcoin investiert zu haben. Gleichzeitig stellte er klar, dass er selbst bei einem Kurs von 20.000 Dollar nicht kaufen würde – seine grundsätzliche Skepsis bleibt bestehen, auch wenn frühere Warnungen vor einem Crash bislang nicht eintrafen.
Die kommende Woche dürfte zeigen, welche Kraft stärker wirkt: die schwache ETF-Nachfrage und die angespannte Charttechnik, oder die optimistischen Kursziele der Analysten. Ein nachhaltiger Ausbruch über 65.000 Dollar wäre das erste handfeste Signal für die Bullen, ein Bruch unter 62.383 Dollar das Gegenteil.
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