Bitcoin: Fiskus zieht die Schlinge enger
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 17:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Während der Kurs vor dem Notenbanktreffen in Jackson Hole unter die Marke von 80.000 Dollar rutscht, rückt ein anderes Thema in den Vordergrund: der Zugriff der Steuerbehörden. Großbritanniens Finanzamt HMRC hat erstmals detaillierte Zahlen zu Krypto-Kapitalgewinnen veröffentlicht — und die zeigen, wie konzentriert das Vermögen in diesem Markt tatsächlich ist.
Wenige Profiteure, viele Nachzahlungen
Im Steuerjahr 2024-25 meldeten in Großbritannien 17.600 Personen steuerpflichtige Krypto-Veräußerungen, zusammen 13,8 Milliarden Pfund an Verkaufserlösen und 1,38 Milliarden Pfund an Gewinnen.
Auffällig: Gerade einmal 240 Personen mit Gewinnen über einer Million Pfund vereinten mehr als die Hälfte dieser Summe auf sich, konkret 717 Millionen Pfund. Die übrigen 65 Prozent der Steuerzahler kamen dagegen nur auf Gewinne unter 25.000 Pfund und trugen gerade einmal 7 Prozent zum Gesamtvolumen bei.
Die Daten liegen erstmals in dieser Detailtiefe vor, weil die Steuererklärung inzwischen eine eigene Rubrik für Kryptowerte enthält — zuvor liefen solche Gewinne unter allgemeinen Vermögenswerten.
Mit dem OECD-Meldestandard für Kryptowerte, den Großbritannien seit Januar umsetzt, wird sich die Datenlage weiter verschärfen: Ab 2027 erhält HMRC automatisch Informationen von Handelsplattformen, Anbieter, die nicht mitziehen, drohen Strafen von bis zu 300 Pfund pro Nutzer.
Parallel dazu hat die Zahl der sogenannten Nudge-Briefe, mit denen die Behörde mutmaßliche Steuersünder zur freiwilligen Offenlegung auffordert, im vergangenen Jahr um ein Viertel zugelegt.
Wissenslücken trotz Millionen Anlegern
Dass regulatorischer Druck und Anlegerverhalten oft auseinanderklaffen, zeigt eine Erhebung der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Rund neun Millionen Erwachsene in Deutschland besitzen demnach Kryptowerte, doch im Schnitt wurden nur 36 Prozent von 16 Wissensfragen zu Bitcoin und Co. korrekt beantwortet.
Mehr als die Hälfte der Krypto-Besitzer glaubt fälschlicherweise, Bitcoin schütze vor Inflation — ein Irrtum, den die Bafin vor allem mit der hohen kurzfristigen Volatilität begründet, ohne auf die Debatte um langfristigen Werterhalt einzugehen.
Auf der institutionellen Seite des Marktes ging es unterdessen um Infrastruktur statt um Privatanleger-Aufklärung: Der Verwahrer BitGo hat das institutionelle Handelsgeschäft von NYDIG übernommen, inklusive rund 30 Mitarbeitern und deren Kundenbeziehungen im Derivate- und Finanzierungsgeschäft. NYDIG selbst konzentriert sich künftig auf Stromerzeugung, Mining und Rechenzentren.
Die Entwicklungen laufen auf ein gemeinsames Bild hinaus: Der Krypto-Markt professionalisiert sich auf institutioneller Ebene, während Aufsichtsbehörden gleichzeitig genauer hinschauen, wer mit Bitcoin Geld verdient — und ob er davon auch Steuern zahlt. Für britische Anleger endet die Nachsichtsfrist spätestens am 31. Januar 2027, dann müssen Gewinne aus dem laufenden Steuerjahr gemeldet sein.
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