Bitcoin: Hacker horten Beute
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 19:29 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer größte Krypto-Diebstahl der Geschichte belastet Bitcoin kaum. Während Binance Stück für Stück die Verluste ausgleicht, sitzt der Angreifer noch auf Milliardenwerten, die sich nicht einfrieren lassen. Darunter steckt auch eine fünfstellige Menge Bitcoin.
Binance gleicht Verluste aus
Am Donnerstag wurden aus den Hot Wallets der Börse Token im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar abgezogen, verteilt auf etwa zehn Blockchains. Binance meldet nun, bis zu 90 Prozent der Summe seien wieder gedeckt. BTC, ETH, USDT, BNB, SOL und weitere große Token sind laut der Börse vollständig abgesichert. Der Rest betrifft weniger liquide Coins, die sich schwerer in großen Mengen beschaffen lassen.
Finanziert wird das über den Notfallfonds SAFU, einen Teil des Futures-Versicherungsfonds und die Unternehmenskasse. Die Börse will Kunden nicht belasten. Die Auszahlungen sollen bis Sonntag wieder anlaufen, vorbehaltlich Sicherheitsprüfungen. Für Montag ist ein vollständiger Reservenachweis angekündigt.
Ein Teil der Beute bleibt unerreichbar
Tether fror mehr als 1,5 Milliarden Dollar ein, Circle rund 823 Millionen. Insgesamt sind etwa 3 Milliarden Dollar eingefroren oder lokalisiert. Allerdings kontrolliert der Angreifer weiterhin mehr als 420.000 Ether und 18.270 Bitcoin, die kein Emittent sperren kann. Marktbeobachter schätzen den Wert dieser Bestände auf über 3 Milliarden Dollar. Die Mittel wandern laufend über Tron und andere Netzwerke.
Blockchain-Analysten ordnen die Tat der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu. Nach dem Bybit-Hack 2025 tauschte sie den Großteil des erbeuteten Ethers über Thorchain in Bitcoin. Ein ähnliches Muster ist diesmal denkbar.
Wie der Angriff genau ablief, ist offen. Zunächst war von einem kompromittierten Entwickler-Laptop die Rede. Co-Chef Richard Teng sprach später von einem komplexeren Vorgehen mit mehreren Einfallstoren.
Markt bleibt gelassen
Bitcoin gab am Freitag um rund 4 Prozent auf etwa 76.400 Dollar nach. Dabei wurden gehebelte Positionen über 1,3 Milliarden Dollar liquidiert. Im März 2018 hatte ein gescheiterter Angriff auf Binance noch fast 11 Prozent gekostet. Heute stützen ein Marktwert von etwa 2,6 Billionen Dollar und Spot-ETFs mit rund 1,3 Millionen BTC den Kurs.
Mehrere Wall-Street-Häuser, darunter Cantor Fitzgerald, TD Cowen und Compass Point, werteten den Vorfall als Sicherheitsversagen der Börse, nicht als Problem der Technologie. Reguliererseits nutzt CFTC-Chef Michael Selig den Fall als Argument für US-Aufsicht über Offshore-Börsen.
Der nächste greifbare Test folgt am Sonntag: Läuft die Auszahlung bei Binance wie angekündigt wieder an, und hält der Reservenachweis am Montag, was die Börse verspricht, dürfte der Druck auf den Markt weiter nachlassen.
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