Bitcoin, Londons

Bitcoin: Londons 61.000-Coin-Poker

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 02:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Londoner Gericht sieht chinesisches Recht als maßgeblich; ob die Opfer Eigentumsrechte nachweisen, bleibt einer weiteren Anhörung vorbehalten.

Bitcoin-Fund in London: Chinesisches Recht bestimmt Ansprüche auf 61.000 Coins
Eine glänzende Münze auf Finanzdokumenten in einem modernen Konferenzraum mit Blick auf die Londoner Skyline bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Ein Gericht in London hat entschieden, welches Recht über das Schicksal von mehr als 61.000 beschlagnahmten Bitcoin bestimmt. Die Antwort verbessert die Chancen des britischen Staates, den Fund zu behalten. Eine Entscheidung über den Besitz ist damit allerdings noch nicht gefallen.

Chinesisches Recht entscheidet

Richter Mark Turner urteilte am Montag, dass chinesisches Recht darüber befindet, ob die Opfer eines Milliardenbetrugs Ansprüche auf die Coins haben. Die Coins stammen aus einem Ponzi-Schema von Zhimin Qian, die 2025 zu knapp zwölf Jahren Haft verurteilt wurde. Betrug, Zahlungen und Verträge fanden nach Ansicht des Gerichts in China statt. Zum selben Ergebnis kam der Richter auf jedem der geprüften Rechtswege.

Opfer müssen ein Eigentumsrecht an den Bitcoin nachweisen. Eine bloße Forderung gegen die Betrüger genügt nicht. Das englische Recht galt als deutlich günstiger für die Geschädigten, weil sie darüber leichter hätten argumentieren können, die Coins gehörten ihnen. Da die Coins in China gekauft wurden, kann ein Nachverfolgen in England verlorene Eigentumsrechte laut Urteil nicht wiederbeleben.

Der Wert der Beute liegt bei rund fünf Milliarden Dollar. Das britische Finanzministerium soll Medienberichten zufolge bereits intern erwogen haben, ob die Coins Lücken im Staatshaushalt stopfen könnten.

Noch ist nichts entschieden

Die Anwälte der Kläger geben sich nicht geschlagen. Die Kanzlei Fieldfisher kündigte Berufung an. Die Staatsanwaltschaft verweist auf eine weitere Anhörung, in der geklärt wird, ob einzelne Opfer überhaupt einen Anspruch nach chinesischem Recht belegen können. Etwa 16.000 chinesische Geschädigte haben sich dem Verfahren angeschlossen.

Großbritannien hält damit nach Schätzungen die drittgrößten staatlichen Bitcoin-Bestände, hinter den USA und China.

Kurs unter Druck

Am Markt spielte das Urteil keine erkennbare Rolle. Bitcoin notierte zuletzt bei rund 83.200 Dollar, nachdem er im Tagesverlauf zeitweise bis auf etwa 81.000 Dollar gefallen war. Belastend wirkt ein breiter Ausverkauf bei Technologie- und KI-Werten, den Zweifel an den Erlösen von OpenAI ausgelöst haben. Ether, Solana und Cardano gaben teils deutlicher nach.

Zusätzlich sorgte ein Wal für Aufmerksamkeit: Ein 2019 angelegtes Wallet bewegte nach sechs Jahren Ruhe 5.582 Bitcoin im Wert von rund 378 Millionen Dollar. Die Coins verteilten sich auf fünf Adressen, Verkäufe sind bislang nicht erkennbar.

Aus Frankreich kommt regulatorischer Gegenwind. Ein Ausschuss der Nationalversammlung unterstützte eine Meldepflicht für Self-Custody-Bestände ab 100.000 Euro, bei Verstößen drohen bis zu 10.000 Euro Strafe. Die Branche warnt vor Sicherheitsrisiken. Der Haushaltsteil wurde jedoch insgesamt abgelehnt, die Plenardebatte beginnt ohne die Krypto-Zusätze und setzt sich am Montag fort.

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