Bitcoin: Regulierungs-Patt beflügelt den Markt
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 00:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein gescheitertes Gesetz, und der Kryptomarkt legt trotzdem zu. Was nach einem Widerspruch klingt, erklärt Bitwise-Investmentchef Matt Hougan mit einem Tausch: Die Branche verzichtete auf bundesgesetzliche Sicherheit und entging dafür Kompromissen, die große Teile des Geschäfts eingeschränkt hätten.
Clarity-Act gescheitert, Kurse gestiegen
Der US-Senat lehnte es am 15. September ab, den Clarity Act voranzubringen, mit 49 zu 50 Stimmen. Viele Beobachter rechneten damit, dass die Erholung der Vormonate verpuffen würde. Stattdessen legte Bitcoin seither um knapp 11 Prozent zu, Ether um rund 12 Prozent. Die gesamte Marktkapitalisierung liegt bei etwa 2,95 Billionen Dollar.
Hougan sieht dafür konkrete Gründe. Der Gesetzentwurf hätte Plattformen untersagt, Zinsen auf Stablecoin-Guthaben zu zahlen. Ohne Clarity können Börsen wie Coinbase Rewards weiter anbieten. Zudem hätte die Vorlage neuen Konkurrenten einen nationalen Lizenzweg geöffnet, was etablierte Anbieter benachteiligt hätte.
Parallel sprangen die Aufsichtsbehörden ein. Die SEC gewährte wenige Tage nach der Abstimmung eine fünfjährige Innovationsausnahme für den begrenzten Handel tokenisierter US-Aktien auf Onchain-Plattformen.
Zuletzt stellte sie klar, dass die Ankündigung eines Token-Rückkaufs bei einem funktionierenden Netzwerk einen Tokenverkauf nicht automatisch zum Investmentvertrag macht. Das Risiko: Eine künftige Regierung könnte den Kurs ändern, weil nichts gesetzlich verankert ist.
ETF-Zuflüsse und Makrolage
Auch die Mittelzuflüsse stützen den Markt. US-Spot-Bitcoin-ETFs verbuchten am Dienstag 66,19 Millionen Dollar, den neunten Zufluss-Tag in Folge. Seit dem 17. September summieren sich die Zuflüsse auf rund 3,08 Milliarden Dollar, knapp mehr als bei der ebenfalls neuntägigen Serie im August. Die Rekordserie vom Juni 2025 mit 13 Tagen wäre bei Zuflüssen bis Montag, den 5. Oktober, eingestellt.
Die Stimmung hat sich rasch gedreht. Nach der Zinserhöhung der Fed um 25 Basispunkte am 16. September, der ersten seit 2023, rutschte Bitcoin zeitweise auf etwa 75.000 Dollar.
Die ETFs hatten zuvor binnen zwei Tagen rund 746 Millionen Dollar verloren. Inzwischen notiert die Kryptowährung bei etwa 84.000 Dollar, bleibt aber gut ein Drittel unter dem Rekord von 126.296 Dollar vom Oktober 2025.
Rückenwind liefern die jüngsten Inflationsdaten. Die Kern-PCE stieg im August um 0,2 Prozent zum Vormonat und liegt bei 3 Prozent im Jahresvergleich. Das dämpft die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung im Oktober. Brendan Ma von der Arbitrum Foundation sieht den Druck weiter sinken, falls auch die September-Verbraucherpreise mild ausfallen.
Gegenwind bleibt
Völlig unbelastet ist die Lage nicht. K33-Analyst Vetle Lunde führt die Konsolidierung auf steigende Renditen zurück, die Anleger aus riskanten Anlagen drängten. Bei Altcoins mehren sich zudem Gewinnmitnahmen: Die Einzahlungen auf Börsen erreichten laut Nexo-Analyst Iliya Kalchev den höchsten Siebentageswert seit Oktober 2025.
Die Volatilität von Bitcoin liegt nahe ihrem Jahrestief, die Optionspositionierung ist neutral. Der nächste Impuls dürfte daher von den September-Inflationsdaten und der Frage kommen, ob die ETF-Serie über den 5. Oktober hinaus hält.
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