Bitcoin: RĂŒckenwind ohne Kaufkraft
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Kurs steigt, aber die Nachfrage fehlt. Bitcoin erholte sich in der Nacht auf Dienstag auf rund 64.000 Dollar, nachdem ein Kursimpuls aus dem Aktienmarkt den Kryptomarkt anschob. Wer genauer hinschaut, erkennt aber, dass die Erholung auf wackligen Beinen steht.
Palantir zieht, ETFs bremsen
Der Auslöser kam nicht aus der Krypto-Welt selbst. Palantir Technologies legte nachbörslich rund 14 Prozent zu, was Nasdaq-100-Futures nach oben zog und dem gesamten Risk-on-Segment Auftrieb gab. Bitcoin kletterte damit vom Montagstief bei 62.250 Dollar zurĂŒck auf sein aktuelles Niveau â ein Plus von rund 2 Prozent binnen 24 Stunden.
Nachhaltig ist das noch nicht. Bitfinex-Analysten verweisen darauf, dass echte Kaufkraft in Form von Spot-ETF-ZuflĂŒssen fehlt. Nach einer Phase stetiger ZuflĂŒsse drehte der Wochensaldo zuletzt auf rund 4.000 Bitcoin NettoabflĂŒsse. Auch das Open Interest an der CME verharrt auf dem Niveau von 2023 â ein Markt, der eher auf externe Impulse reagiert als aus eigener Kraft zu laufen.
Strategy verkauft zum dritten Mal
FĂŒr zusĂ€tzlichen GesprĂ€chsstoff sorgte Strategy. Das Unternehmen meldete den Verkauf von 1.638 Bitcoin fĂŒr rund 105 Millionen Dollar zwischen dem 27. Juli und 2. August â zu einem Durchschnittspreis von knapp 64.000 Dollar und damit weit unter der eigenen Kostenbasis von ĂŒber 75.000 Dollar je Coin. Es ist bereits der dritte Verkauf des Jahres, die Erlöse flossen laut Unternehmensangaben in Vorzugsdividenden und RĂŒckkĂ€ufe der eigenen Anleihe STRC statt in neue Bitcoin-KĂ€ufe.
Der Bestand sinkt damit auf 842.138 BTC. Seit mehr als fĂŒnf Wochen hat Strategy keine neuen Coins mehr erworben â die lĂ€ngste Kaufpause seit Ende 2024. GegenlĂ€ufig positionierte sich Strive Asset Management, das zuletzt 20 Bitcoin nachkaufte und nun insgesamt 20.020 BTC hĂ€lt.
Hackerverluste wachsen weiter
Parallel zur Kursbewegung wĂ€chst ein Sicherheitsproblem. Galaxy Research beziffert die Verluste aus der Schwachstelle in Coinkites Coldcard-Hardware-Wallets inzwischen auf bis zu 130 Millionen Dollar, verteilt auf mehrere Angriffswellen. Eine vierte, noch unbestĂ€tigte Welle könnte den Gesamtschaden auf ĂŒber 2.000 Bitcoin treiben. Coinkite hat mittlerweile Notfall-Updates veröffentlicht und betroffene GerĂ€te aus dem Handel genommen â der Markt selbst reagierte auf die Nachrichten bislang kaum, da Trader das Ereignis als isoliertes Infrastrukturproblem einordnen.
In Deutschland kommt unterdessen politischer Gegenwind hinzu: Finanzminister Lars Klingbeil plant, die einjĂ€hrige steuerfreie Haltefrist fĂŒr private Kryptogewinne abzuschaffen und Bitcoin kĂŒnftig wie Aktien zu besteuern. Ob der Koalitionspartner das mittrĂ€gt, ist offen.
Der nĂ€chste marktbewegende Termin steht bereits fest: Am 12. August 2026 wird der US-Verbraucherpreisindex fĂŒr Juli veröffentlicht. Bis dahin dĂŒrfte sich zeigen, ob die aktuelle Erholung mehr ist als ein Reflex auf fremde Kursfeuerwerke.
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