Bitcoin, Steuerprivileg

Bitcoin: Steuerprivileg vor dem Aus

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 14:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Bundestagsentwurf sieht vor, Kryptogewinne auch nach langer Haltedauer zu besteuern; für physisches Gold gibt es bislang keinen Zeitplan.

Bitcoin-Steuerfreiheit nach einem Jahr könnte durch Gesetzentwurf enden
Eine physische Bitcoin-Münze liegt neben einem Taschenrechner und Steuerunterlagen auf einem Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt.

Wer Bitcoin länger als ein Jahr hält, zahlt bislang keine Steuer auf seine Gewinne. Das könnte sich ändern. Im Bundestag liegt ein Entwurf vor, der diese Regel für Kryptowährungen kippen soll.

Haltefrist unter Beschuss

Nach dem Entwurf sollen Kryptogewinne auch nach langer Haltedauer steuerpflichtig bleiben. Bisher gilt: Liegen zwischen Kauf und Verkauf mehr als zwölf Monate, bleibt der Gewinn steuerfrei. Bei Aktien, ETFs und Fonds greift dagegen seit 2009 die Abgeltungsteuer, unabhängig von der Haltedauer.

Genau dieser Unterschied sorgt für Streit. Reformbefürworter fordern mehr Steuergerechtigkeit zwischen den Anlageklassen. Gegner warnen vor einer zusätzlichen Belastung des privaten Vermögensaufbaus und verweisen auf steigende Lebenshaltungskosten sowie den Druck auf die gesetzlichen Rentensysteme.

Die Debatte reicht inzwischen über Bitcoin hinaus. Bei einer Anhörung im Petitionsausschuss erklärte ein Vertreter des Bundesfinanzministeriums, Vorschläge zur Besteuerung von Spekulationsgewinnen bei weiteren Anlageklassen würden geprüft. Ausdrücklich genannt wurde physisches Gold. Dafür gibt es weder einen Gesetzentwurf noch einen Zeitplan.

Alte Manipulationsvorwürfe kehren zurück

Parallel dazu sorgt eine Studie für Gesprächsstoff. Die US-Professoren John Griffin und Amin Shams hatten schon 2018 argumentiert, der Rekordkurs von Ende 2017 gehe auf Marktmanipulation zurück. Ein Update kommt nun zu dem Schluss, dass ein einziger großer Akteur hinter den Vorgängen stand, ein Trader an der Börse Bitfinex.

Die Autoren stützen sich auf Blockchain-Daten. Demnach fielen Käufe des Stablecoins Tether mit Marktrückgängen zusammen und mündeten in Kursanstiegen bei Bitcoin. Die Professoren vermuten, dass neue, nicht vollständig durch Dollar gedeckte Tether-Coins für die Käufe genutzt wurden. Den Namen des Traders nennen sie nicht.

Tether weist die Analyse über seinen Anwalt als "grundlegend fehlerhaft" zurück und beruft sich auf einen unzureichenden Datensatz. Die Glaubwürdigkeit von Tether und Bitfinex steht allerdings schon länger in der Kritik, auch wegen der Frage, ob die Deckung tatsächlich eins zu eins besteht.

Marktstimmung bleibt gedämpft

Am Markt fällt die Reaktion bislang überschaubar aus. Bitcoin gab zuletzt knapp zwei Prozent nach, nachdem ein Tech-Ausverkauf zuvor schon Ethereum und XRP erfasst hatte. Strategy-Gründer Michael Saylor zeigt sich unbeirrt und rechnet damit, dass Bitcoin bald wieder über 100.000 Dollar steigt.

Konkret wird es bei der Steuer: Der Gesetzentwurf zur Krypto-Besteuerung ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob das Zwölf-Monats-Privileg für Bitcoin fällt. Für Gold gilt es vorerst unverändert weiter.

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